Wörthsee23.05.01, Fr.v. Unold

Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

Mit großer Spannung habe ich die Bürgerversammlung zum neuen Gewerbegebiet beobachtet. Ihren Aufruf, die "Bürgerwünsche" zu artikulieren nehme ich ernst, deshalb die folgenden Zeilen:

Um solche Treffen noch konstruktiver zu gestalten, wären beim nächsten Mal zwei Dinge zu beachten:

  • Die Gesprächsleitung sollte klar und unparteiisch sein. Mein Eindruck war, dass Herr Labé und später Herr Dorbath recht selektiv auf Fragen geantwortet haben.
  • Wenn der Hauptgrund für das Errichten des Gewerbegebiets in der finanziellen Entlastung der Gemeinde liegt, dann müssen Zahlen vorgelegt werden. Gerade vor dem Hintergrund des Gewerbegebietes West, kann so eine weitreichende Entscheidung nicht auf Vermutungen und Annahmen basieren.

Am wichtigsten fand ich an diesem Abend die Anregung von Herrn Heine, darüber nachzudenken, wie sich unser Ort eigentlich profilieren soll. Wie auch Herr Polz darlegte, kann es nicht nur um die Aussicht auf finanzielle Entlastung gehen, alle anderen Überlegungen, wie z.B. die sehr wichtigen von Herrn v. Bülow, sollten von dieser Profilierung ausgehen. Vermutlich ist die geäußerte Idee, herauszufinden, warum die Menschen nach Wörthsee gezogen sind, sinnvoll, um dem näher zu kommen.

Das kleine Büchlein über Wörthsee zeigt, dass der Ort über die Naherholungsmöglichkeit von München aus so stark gewachsen ist. Das zeigt den Charakter des Ortes doch deutlich. Also ist es sinnvoll, den hohen Freizeitwert zu erhalten. (Ein Vergleich mit Neufahrn etwa ist für mich völlig abwegig, denn einer Gemeinde unter den Einflugschneisen des Flughafens bleiben weitaus weniger Möglichkeiten zur Gestaltung als uns.)
Demnach sollten wir mehr auf Geldquellen durch Tourismus und naturnahe Einrichtungen setzen, als auf industrielle. Da kann man in verschiedenen Bereichen ansetzen, möglichst an denen, die schon da sind:

  • der See; möglichst großzügig öffentlich zugänglich, gut zu umradeln, zu umwandern und zu umreiten (in Absprache mit den anderen Gemeinden), Strandangebote über Kioske hinausgehend, zuverlässige Gewährleistung sauberen Wassers (keine Düngung in den umliegenden Wiesen), ausreichend Parkplätze in ausreichendem Abstand zum Strand, evtl. Transfer von der S-Bahn zu anderen Badeplätzen...
  • die Natur; erhalten der Vielfalt, die zur Zeit hier erreicht ist, Reduzieren des Lärms durch die Autobahn (Verhandeln um Tempo 100 auf dem Gemeindegebiet), Zugänglichkeit, Entdeckermöglichkeiten und Rückzugsmöglichkeiten
  • der Ort; ansprechende Gestaltung der Dorfkerne; viel Kleingewerbe, vor allem auch Kunsthandwerk; mehr kleine Cafés und Läden (der neue Marktplatz von Inning macht's vor, wie es scheint, ist die Eisdiele ständig gut besucht), großzügige Fußgängerbereiche (statt Kreuzungen, wie vor der Sparkasse)
  • die vielfältigen kulturellen Angebote gilt es zu erhalten (Feste, Konzerte, Ausstellungen)
  • Bildungsangebote rund ums Wasser
  • ...

Wenn wir auf mittelgroßes Gewerbe in einem externen Gebiet setzen, riskieren wir, nicht nur die eigene Lebensqualität zu verschlechtern, sondern auch die touristische Attraktivität zu gefährden. Entsprechen ist mein Wunsch an Sie als Gemeinderäte, dass die Überlegungen sich an einem Bewahren des Naherholungscharakters anlehnen. Wie Herr Labé ja meinte könne man das Gelände ja auch für andere Dinge nutzen.

Mit freundlichen Grüßen, vielem Dank für Ihre Arbeit und den besten Wünschen für ein gutes Gelingen

Eva von Unold
Kuckuckstraße 49
82237 Wörthsee

 

 

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