WörthseeÖkologie

Hirschkäfer oder Menschen?

Hirschkäfer stellen sehr hohe Ansprüche an die Landschaft, in der sie leben. Sie brauchen alte Eichen und alte Buchen, zusammenhängende, unzerschnittene Waldgebiete, die - wegen der langen Entwicklungszeit ihrer Larven - über einen langen Zeitraum unverändert und sich selbst überlassen sind. Jeder Wanderer, der durch eine solche Landschaft geht, wird das mit all seinen Sinnen erleben. Eine Landschaft, in der der Hirschkäfer nicht mehr leben kann, ist auch für den Menschen weniger lebenswert. Es geht uns also nicht darum, den Hirschkäfer über den Menschen zu stellen, sondern für Menschen, Tiere und Pflanzen eine hochwertige und lebenswerte Naturlandschaft für künftige Generationen zu erhalten.

Dasselbe gilt für andere streng geschützte Tier- und Pflanzenarten wie Kammolch, Laubfrosch, Zweifarbenfledermaus, Bartfledermaus, Schwarzsprecht, Neuntöter, Rauhfußkauz, Rotmilan, Frauenschuh, Türkenbund und viele andere Arten. Es gibt nur wenige Gebiete, in denen man auf kleinem Raum eine auch nur annähernd so hohe Artenvielfalt antrifft wie in dem Waldgebiet zwischen Weßling und Wörthsee.

Schützen Sie mit uns für uns und unsere Kinder diesen Lebensraum.

Die folgenden Karten zeigen etwas von der Vielfalt der Tierarten, die auf dem Gebiet der geplanten Trasse vorkommen.
Die blaue Fläche bezeichnet das Wasserschutzgebiet des Brunnen III der Gemeinde Wörthsee.
Aus ihm stammen 80 - 90% des Wörthseer Trinkwassers.
Die roten Flächen bezeichnen Gebiete nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.  Das sind Gebiete besonderen Naturschutzes von europäischem Rang.

Vögel Eingezeichnet sind die Beobachtungen der wichtigsten Arten. Die in der Spalte EG-VSRL Anh. I gekennzeichneten Arten sind nach der EG-Vogelschutzrichtlinie Anhang I besonders geschützt. Bitte beachten Sie, dass Eulen und Habichte große Flächen brauchen, um leben zu können. Singvögel werden durch Autolärm im Balzverhalten behindert. In diesem Sinne wirkt sich die Zerschneidung der Straße besonders gravierend aus.
Amphibien Hier sind die Wanderbewegungen von drei ganz besonders geschützten Amphibienarten zwischen Laichplatz und Sommer- / Winterlebensräumen sowie innerhalb der Lebensräume aufgezeigt. Man erkennt, dass die geplante Trasse die Wanderbewegungen unterbindet. Die Amphibien können von ihren Ganzjahreslebensräumen nicht mehr zu ihren Laichgebieten und zurück gelangen. Es ist zwar eine Vielzahl von Amphibiendurchlässen geplant, allerdings sind diese weitgehend ungeeignet.
  • Tunnel von mehr als 9,5m Länge werden Studien zufolge vom Kammolch nicht angenommen. Auch kürzere Tunnel werden nur von einem Bruchteil der Individuen angenommen, sie drehen vorher um. Somit ist die ohnehin geringe Population vom Aussterben bedroht.
  • Erwachsene Springfrösche würden zwar durchgehen, junge Frösche kommen an die Leitsysteme, aber sie werden zuerst versuchen, drüberzuklettern. Wenn sie nicht schnell genug einen Durchlass finden, drehen sie wieder um.
  • Amphibienleiteinrichtungen werden von Laubfröschen schlicht überklettert. Laubfrösche besitzen an den Füßen Saugnäpfe, mit denen sie an glatten Oberflächen emporklettern. Man findet Laubfrösche in den Blättern von Bäumen und mitten in Fensterscheiben. Amphibienzäune sind für Kröten unüberwindlich. Sie müssen an ihnen entlangkrabbeln und können so durch Tunnel gelenkt werden. Laubfrösche klettern einfach drüber, laufen auf die Straße und werden überfahren. Er meidet dunkle Höhlen und klettert lieber in die Höhe. Also wird er über die Leitsysteme überklettern und auf der Straße totgefahren werden.
Hirschkäfer Hirschkäfer sind eine extrem bedrohte Art mit besonderem europäischen Schutzstatus. In Bayern wird an anderer Stelle zum Schutz von Hirschkäferbiotopen ein Aufwand in Millionenhöhe betrieben. Unser Vorkommen ist eines von nur zwei Vorkommen in Oberbayern. Es steht zu befürchten, dass unsere Hirschkäferpopulation durch die geplante Straße aussterben wird.

 

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