WörthseeLandsch.pfleg.Begleitplan

Hier lesen Sie den 

Landschaftspflegerischen Begleitplan, Textteil (Unterlage 8.1) des Planfeststellungsverfahrens des Straßenbauamtes München

 

Punkte, die unserer Meinung nach Beachtung verdienen, sind folgende:

  1. << Hier werden Sie in Kürze Hinweis finden. Zur Zeit hat jedoch die Arbeit zum Bereitstellen der Texte überhaupt Vorrang>>

Hier nun folgt die Unterlage im Wortlaut:

 Landschaftspflegerischer Begleitplan

- Textteil -

Planfeststellung
St 2068 BAB A96 - Herrsching
Umfahrung Weßling
von Bau-km 0+000 bis Bau-km 3+340
Str.-km 29,260 der St2068 bis Str.-km 11,396 der St2348

Aufgestellt:
München, den 31.07.2003
Straßenbauamt München

Ltd. BD Gärtner

 

InhaItsverzeichnis

1. Vorbemerkungen
1.1 Vorhabensbeschreibung
1.2 Aufgabenstellung
2. Festlegung des Untersuchungsrahmens
3. Bestandsanalyse und -bewertung von Naturhaushalt und Landschaftsbild
3.1 Beschreibung des Untersuchungsgebietes
3.1.1 Naturraum und Geländegestalt
3.1.2 Flächennutzungen
3.2 Geschützte und schützenswerte Gebiete und Objekte
3.3 Planungsgrundlagen
3.4 Ergebnisse der Bestandserfassung und Bewertung
3.4.1 Lebensräume von Tieren und Pflanzen
3.4.1.1 Potentielle Natürliche Vegetation
3.4.1.2 Biotoptypen
3.4.1.3 Tierwelt
3.4.1.4 Pflanzen
3.4.1.5 Zusammenfassende Bewertung
3.4.2 Boden
3.4.3 Wasser
3.4.4 Luft/Klima
3.4.5 Landschaft/Landschaftsbild/Erholungsnutzen
4. Konfliktanalyse und Konfliktminderung
4.1 Beschreibung des Vorhabens
4.2 Straßenbedingte Auswirkungen
4.2.1 Flächenumwandlung
4.2.2 Zerschneidungs- und Trenneffekte
4.2.3 Benachbarungs-/Immissionswirkungen
4.2.3.1 Schadstoffe
4.2.3.2 Lärm
4.2.4 Folgewirkungen
4.3 Konfliktminimierung
4.3.1 Optimierung der Trasse in Lage und Höhe
4.3.2 Straßenquerschnitt
4.3.3 Knotenpunkte
4.3.4 Entwässerung
4.3.5 Schutzmaßnahmen für Amphibien
4.3.6 Wildschutzzäune
4.3.7 Entnahmen, Deponien, Baubetrieb, Sonstiges
4.3.8 Schutzzäune
4.4 Unvermeidbare Beeinträchtigungen
4.4.1 Natürliche Grundlagen
4.4.2 Lebensräume von Pflanzen und Tieren
4.4.3 Landschaftsbild und Erholungsfunktionen
4.5 Ermittlung von Eingriff und Ausgleich sowie Ersatz
4.5.1 Grundsätze gemäß der Gemeinsamen Bekanntmachung
4.5.2 Ausgleichsmaßnahmen
4.5.3 Ersatzmaßnahmen
5. Landschaftspflegerische Maßnahmen
5.1 Ausgleichskonzept Naturhaushalt/Landschaftsbild
5.2 Ausgleichsmaßnahmen
5.3 Ersatzmaßnahmen
5.4 Ersatzaufforstungsflächen
5.5 Gestaltungsmaßnahmen
5.6 Hinweise zur Umsetzung
5.7 Pflegehinweise
6. Abschätzung der FFH-Verträglichkeit
6.1 Bestandserfassung
6.2 Abschätzung der Auswirkungen auf das Schluifelder Moos
6.3 Abschätzung der Auswirkungen auf die Buchenwälder
6.4 Ergebnis der FFH-Verträglichkeitsabschätzung

Anhang

Anhang 1 Verwendete Unterlagen
Anhang 2 Kursorische Erhebungen Amphibien 1998
(Verfasser: Klaus Burbach, Freising)
Anhang 3 Kursorische Erhebungen Voge1welt 1998-2000
(Verfasser: Klaus Burbach, Freising)
Anhang 4 Liste der erfassten Pflanzenarten
Anhang 5 Bodentypen
Anhang 6 Tab. 1 Gegenüberstellung Eingriff / Ausgleich und Ersatz
Anhang 7 Tab. Übersicht der Schutz-, Minimierungs~, Gestaltungs-, Ausgleichs und Ersatzmaßnahmen
Anhang 8 Tab. 2 Flächenübersicht
Anhang 9 Auszug aus- der Artenschutzkartierung Bayern, Stand 08.01.2003

Plananlagen

Unterlage 8.2 Landschaftspflegerischer Bestands- und Konfliktplan M 1:1000 und Legende (6 Blätter)
Unterlage 8.3 Landschaftspflegerischer Maßnahmenplan M 1:1000 und Legende (7 Blätter)

1. Vorbemerkungen

1.1 Vorhabensbeschreibung

Die vorliegende Maßnahme umfasst die Verlegung der Ortsdurchfahrt Weßling der St 2068 als westliche, ortsferne "Umfahrung Weßling". Die Neubaulänge umfasst 3,29 km.

Die Umfahrung Weßling verbindet die bestehende St 2068 südlich von Weßling mit der Anschlussstelle Wörthsee (BAB A 96 / St 2349 bzw. St 2348). Die neue Verbindung soll die vorhandene Ortsdurchfahrt der St 2068 vom Durchgangsverkehr entlasten sowie die nicht ausgebaute St 2349 ganz vom Zubringerverkehr zur A 96 befreien.

Nach Fertigstellung der Baumaßnahme wird die jetzige St 2068 im Ortsbereich Weßlings zur Gemeindestraße zurückgestuft. Weiterhin wird die bestehende St 2349 zurückgestuft.

1.2 Aufgabenstellung

Aufgabe des Landschaftspflegerischen Begleitplanes ist es, die bau-, anlage- und betriebsbedingten Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft darzustellen und zu bewerten, sowie Maßnahmen zur Vermeidung und Minimierung von unvermeidbaren Eingriffen aufzuzeigen. Darüber hinaus werden Schutz- und Gestaltungsmaßnahmen dargestellt. Die verbleibenden erheblichen und nachhaltigen Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes werden bewertet und bilanziert, um den Bedarf an Ausgleichs- bzw. Ersatzflächen, mit deren Hilfe die Verluste an Wert- und Funktionselementen im Naturraum wiederhergestellt oder ausgeglichen bzw. ersetzt werden können, zu ermitteln. Anschließend werden Aussagen über Art und Umfang der erforderlichen Kompensationsmaßnahmen getroffen.

2. Festlegung des Untersuchungsrahmens

Das Untersuchungsgebiet umfasst etwa 200 m beidseitig der geplanten Trasse und endet südlich der A 96 bei Bau-km 3+340. Die Ausbaulänge der Hauptstrecke beträgt 3.340 m. Hinzu kommen noch 215 m für den Anschluss Weßling sowie die Anbindung Gut Schluifeld (Golfanlage). Somit ergibt sich eine untersuchte Gesamtfläche von 137,4 ha.

Die Bestandserfassung greift auf allgemein zugängliche Unterlagen wie Flächennutzungsplan und Biotopkartierungen sowie auf die vom Büro Grünplan GmbH 1995 erstellte Umweltverträglichkeitsstudie zurück.

Im Mai und August 1998 erfolgten zwei Geländebegehungen, um die Nutzungs- und Strukturtypen zu erfassen. Hierbei wurden auch floristische Besonderheiten aufgenommen.

Aufbauend auf den Erhebungen zur Umweltverträglichkeitsstudie erfolgte eine Übersichtskartierung von Brutvögeln und Amphibien an zwei Terminen im April und Juni 1998. 1999 sowie 2000 erfolgten weitere kursorische Begehungen zur Vogelwelt.

Neben den eigenen Geländeerhebungen wurden die Angaben des Arten- und Biotopschutzprogramms des Landkreises Starnberg und der Artenschutzkartierung Bayern ausgewertet.

Zu den Amphibienwanderungen liegt ein eigenständiges Gutachten des Büros ÖKOKART vom August 1999 vor.

3. Bestandsanalyse und -bewertung von Naturhaushalt und Landschaftsbild

3.1 Beschreibung des Untersuchungsgebietes

3.1.1 Naturraum und Geländegestalt

Das Untersuchungsgebiet ist Bestandteil des Naturraumes "Ammer-Loisach-Hügelland" (Nr. 037). Würmeiszeitliche Moränen des Isarvorlandgletschers haben eine reliefierte Landschaft geschaffen. Charakteristisch sind zahlreiche kleine, abflusslose "Toteislöcher". Die für den Naturraum typischen Moore, Restbecken und Seebecken fehlen allerdings im Untersuchungsgebiet.

Die Geomorphologie ist durch zwei Moränenzüge - Dellinger Höhe und Taxleiten - und die dazwischenliegenden Aufschotterungen gekennzeichnet. Die Kuppen erreichen bis zu 620 m ü NN, während die Ebenen auf etwa 580 bis 585 m ü NN liegen.

Die landwirtschaftlich genutzten ebenen Flächen sind geomorphologisch wenig strukturiert.

Der Naturraum "Ammer-Loisach-Hügelland" zeichnet sich zwar insgesamt durch einen  überdurchschnittlich hohen Anteil an naturnahen Lebensräumen (kartierte schutzwürdige Biotopfläche: 6,7 %) aus. Im untersuchten Gebiet beträgt der Flächenanteil jedoch lediglich 1,4 %.

Das Waldbild hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geändert. Die lichten Buchen- und Eichenwälder, die im Mittelalter durch Waldweide und Plenternutzung ( einzelstammweise Entnahme) entstanden, gingen dann in eine parkartig offene Landschaft über. Reste dieser Hutewälder finden sich noch an der Dellinger Höhe. In den letzten Jahrhunderten entwickelte sich ein kontrastreiches Landschaftsbild mit geschlossenen dichten Wäldern und offenen, strukturärmeren Feld-Wiesen-Flächen (ABSP Lkrs. Starnberg, Kap. 1.2). Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Wälder noch überwiegend aus Laubholz aufgebaut. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Fichte dann allmählich bestandsbildende Baumart.

Auch die Landbewirtschaftung änderte sich mehrmals. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts traten Fruchtfolgen mit Hackfrucht- und Feldfutterbau anstelle der traditionellen Dreifelderwirtschaft mit Allmende-Weiden (gemeinschaftliche Weiden) und Hutungen (extensive Waldweiden). Der Grünlandanteil sank rasch. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfolgte wieder eine Verschiebung von der Acker- zur Grünlandnutzung, da die Viehwirtschaft intensiviert wurde. In den letzten Jahrzehnten wurden viele Wiesen wieder zu Ackerland umgebrochen.

3.1.2 Flächennutzungen

Landwirtschaft

Die landwirtschaftliche Nutzung erfolgt in etwa zu gleichen Teilen in Form von Ackerbau (25,4 % Anteil am Untersuchungskorridor) und intensiver Grünlandbewirtschaftung (20,0 % Anteil).

Die Erhebungskarte des Agrarleitplanes unterscheidet Standorte für Ackerbau und bedingt ackerfähige Grünlandstandorte. Die mittel- bis tiefgründigen Parabraunerden haben günstige Erzeugungsbedingungen mit hohen Erträgen (Weizenstandorte). Diese befinden sich südlich von Weßling (Bau-km 0+450 bis 0+650) und um die Bahnlinie (Bau-km 1+100 bis 1+500). Die übrigen Flächen haben lediglich mittlere Erträge (mittel - gering mächtige Parabraunerde bzw. Ackerpararendzinen).

Forstwirtschaft

Der Landkreis Starnberg verfügt mit ca. 34% Waldanteil an der Gesamtfläche über eine landesweit durchschnittliche Waldbestockung. Der Waldanteil im Untersuchungskorridor liegt sogar bei knapp 50%. Gegenüber der landwirtschaftlichen Nutzung sind die Waldflächen überwiegend auf flachgründigere Böden und auf steilere Hanglagen, die sich nicht für eine Ackernutzung eignen, zurückgedrängt.

Der überwiegende Teil der Waldflächen im Untersuchungsgebiet befindet sich in Privatbesitz. Ein weit kleinerer Anteil ist nutzungsbelasteter Körperschaftswald (Teile des Waldbereiches Neuschlag, Gmde. Seefeld) bzw. Pfarrwald (Waldbereich Laich).

Die bestimmende Baumart ist zum größten Teil die Fichte. Teilweise ist die Buche beigemengt. Mischwälder und Laubwälder sind aber auch vorhanden. Mischwald besteht meist aus Buche und Fichte; die Laubwälder sind Buchenwälder mit einem Anteil an Eichen, Hainbuchen, Eschen, Birken, Fichten usw.

Die großflächigen Neuaufforstungen südlich der Bahnlinie im nördlichen Bereich des Dellinger Buchet gehen auf den Waldverlust durch ein Hagelschlagereignis 1984 zurück.

Sondernutzungen

Der Flächenanteil privater und öffentlicher Sondernutzungen, wie Golfplatz und Sportplatz, beträgt 4,7 % des untersuchten Gebietes. Nördlich der Bahnlinie ist ca. 450 m von der geplanten Trasse entfernt vor kurzem ein Aussiedlerhof gebaut worden.

Siedlungsgebiete

Östlich an das Untersuchungsgebiet schließen im Osten reine und allgemeine Wohngebiete der Gemeinde Weßling an.

Infrastruktur

Die das Untersuchungsgebiet querende, eingleisige Bahnlinie München - Herrsching wird z.Zt. nur durch den S-Bahn- Taktverkehr frequentiert. Durch das Untersuchungsgebiet verlaufen Teilabschnitte der St 2068 und der St 2349.

Die Wälder und die landwirtschaftlichen Flächen sind mit Feld- und Waldwegen erschlossen und i.d.R. für den öffentlichen Kfz-Verkehr gesperrt. Einige Waldwege sind reine Erdwege und demzufolge nur bedingt befahrbar.

Der Wirtschaftsweg südlich der Bahnlinie ist als Kreiswanderweg gewidmet. Entlang der St 2068 verläuft westlich ein Geh- und Radweg.

3.2 Geschützte und schützenswerte Gebiete und Objekte

Das gesamte Untersuchungsgebiet liegt im Landschaftsschutzgebiet "Westlicher Teil des Landkreises Starnberg".

Nördlich der geplanten Trasse, etwa bei Bau-km 1+600, in 120 m Entfernung befindet sich das Naturdenkmal "Waldrand und Eichen-Hainbuchenwald bei Weßling" (Biotop-Nr. 7933/102 mit zwei Teilflächen).

Weiterhin sind im südlichen Bereich des Untersuchungsgebietes zwei Strukturen in der Biotopkartierung Bayern erfasst:

7933-98 Gebüsche am "Kalkofenberg" südlich Weßling
mit Vorkommen von Türkenbund
7933-99 Salbei-Glatthaferwiese "Dellinger Höhe" südwestlich Weßling
mit Vorkommen von Karthäusernelke und Berg-Hahnenfuß

Das Naturschutzgebiet "Schluifelder Moos" liegt rd. 500 m westlich der Trasse hinter dem Golfplatz.

Gesetzlicher Biotopschutz

Nach Art. 13d(1) BayNatSchG sind die wärmeliebenden Säume (WD) gesetzlich geschützt.

Natura 2000 Gebiete

Das Gebiet Nr. 7933/301 Schluifelder Moos und Bulachmoos mit einer Größe von 74 ha liegt im nördlichen Abschnitt der Westumfahrung von Weßling jenseits des Golfplatzes Schluifeld in einer Entfernung von etwa 450 bis 600 m zur Neubaustrecke

Das Gebiet Nr. 7833/301 Kessellandschaft und Buchenwälder westlich Gilching und um Weßling umfasst insgesamt fünf Teilflächen auf den Messtischblättern TK 25 Nr. 7833 bzw. 7933 in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck. Die fünf Teilflächen zusammen weisen eine Fläche von 1.034 ha auf.

3.3 Planungsgrundlagen

Das Untersuchungsgebiet liegt im Übergangsbereich des Verdichtungsraumes München und dem ländlichen Raum. Die Bundesautobahn A 96 stellt eine Entwicklungsachse von überregionaler Bedeutung dar.

Regionalplan München (Region 14)

Das Gebiet ist Bestandteil des regionalen Grünzugs Herrschinger Moos/Weßlinger See/Aubinger Lohe. Er dient der Sicherung des großräumigen Luftaustausches, insbesondere der Frischluftzufuhr in das hochverdichtete Siedlungsgebiet von München.

Der regionale Grünzug soll in verdichteten Bereichen siedlungsnahe Erholungsflächen sichern. Die Schutz-, Erholungs- und Ausgleichsfunktionen des regionalen Grünzuges sollen nicht durch Beeinträchtigungen seiner Beschaffenheit, Durchgängigkeit und Durchlässigkeit, z. B. durch größere Infrastrukturmaßnahmen, gemindert werden.

Der weitere Landschaftsraum westlich von Weßling ist großräumig als "landschaftliches Vorbehaltsgebiet" ausgewiesen. Den Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege kommt damit ein besonderes Gewicht zu. Insbesondere soll die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes gesichert und wiederhergestellt, die Eigenart des Landschaftsbildes bewahrt und die Erholungseignung der Landschaft erhalten oder verbessert werden. Da der Landschaftsteilraum zwischen Weßlinger See und Ammersee zu den attraktivsten Landschaften der Region zählt, ist dieser Raum v.a. in den Sommermonaten überlastet. Die Erhaltung der ökologischen Vielfalt erfordert daher umfassende Ge- und Verbote.

Im Umfeld des geplanten Bauvorhabens kommt insbesondere dem Naturschutzgebiet "Schluifelder Moos" aufgrund des hohen Artenreichtums an Tieren und Pflanzen eine sehr hohe Bedeutung zu.

Waldfunktionsplan

Im Waldfunktionsplan Lkrs. Starnberg sind die Waldbereiche beidseitig der St 2068 südlich von Weßling als "Wald mit besonderer Bedeutung für den Lärmschutz" ausgewiesen (Bau-km 0+150 bis 0+400).

Das östlich der geplanten Trasse gelegene, zusammenhängende Waldgebiet Laich und Taxleiten ist ein "Wald mit besonderer Bedeutung für die Erholung (Intensitätsstufe II)".

Flächennutzungsplan

Im Flächennutzungsplan der Gemeinde Weßling von 1979 sind die Baumhecken an der Gemeindegrenze am Golfplatz Schluifeld als "Flächen mit besonderen ökologischen oder gestalterischen Funktionen" ausgewiesen.

Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP)

Folgende Ziele sind im Arten- und Biotopschutzprogramm des Landkreises Starnberg formuliert (ABSP Kap. 1.5):

Optimierung und ggf. naturschutzrechtliche Sicherung der überregional bis landesweit bedeutenden Feucht- und Moorgebiete (u.a. das Schluifelder Moos).

Optimierung und Vernetzung der Trocken- und Magerstandorte vorrangig entlang wichtiger Vernetzungslinien wie z.B. Moränenhänge nördlich Weßling und Meiling; Einbeziehung der für den Landkreis typischen Hutungen.

Optimierung und ggf. naturschutzrechtliche Sicherung naturnaher Wälder, Waldbereiche und Säume. Rascherer Umbau der unstrukturierten Fichtenreinkulturen in Laub- und Mischwälder, vordringlich innerhalb der Lebensräume von Großem Mausohr und Springfrosch; Entwicklung naturnaher Wälder auf Sonderstandorten und gestufter Waldsäume möglichst in Verbindung zu mageren Trockenstandorten.

Förderung einer ressourcenschonenden, extensiven Landwirtschaft, u.a. auch des Ökologischen Landbaus (z.B. im Bereich von Wachtel- und Rebhuhn-Vorkommen).

3.4 Ergebnisse der Bestandserfassung und Bewertung

3.4.1 Lebensräume von Tieren und Pflanzen

3.4.1.1 Potentielle Natürliche Vegetation

Unter potentiell natürlicher Vegetation versteht man die Vegetation, die sich unter den gegenwärtigen Umweltbedingungen ausbilden würde, wenn der Mensch nicht mehr eingreifen würde und die Vegetation Zeit fände, sich bis zu ihrem Endzustand zu entwickeln.

Nach der "Übersichtskarte der natürlichen Vegetationsgebiete" (Seibert, 1968) gehört das Gebiet zu den Tannen-Buchenwald-Gebieten. Dominierender Waldtyp wäre der Waldmeister-Tannen-Buchenwald (Asperulo-Fagetum):

Typische Gehölzarten dieses Vegetationstyps sind:

Baumarten:

Buche Fagus silvatica Esche Fraxinus excelsior
Tanne Abies alba Bergulme Ulmus glabra
Stieleiche Quercus robur Fichte Picea abies
Bergahorn Acer pseudoplatatnus Ebersche Sorbus aucuparia
Salweide Salix caprea Eibe Taxus baccata
Waldkiefer Pinus sylvestris    

Straucharten:

Weißdorn Crataegus monogyna Pfaffenhütchen Euonymus europaeus
Hasel Corylus avellana Hartriegel Cornus sanguinea
Heckenkirsche Lonicera xylosteum Seidelbast Daphne mezereum
Wolliger Schneeball Viburnum lantana Kreuzdorn Rhamnus cathartica

3.4.1.2 Biotoptypen

Im Mai und August 1998 wurde in zwei Geländedurchgängen eine Struktur- und Nutzungskartierung des Untersuchungsgebietes durchgeführt. Dabei wurden in Anlehnung an die Kartierungsanleitung zur Fortführung der Biotopkartierung Bayern die Lebensraumtypen und die Realnutzung erfasst. Floristische Besonderheiten des Untersuchungsgebietes wurden im Zuge der Struktur- und Nutzungskartierungen kursorisch erfasst.

Gewässer

Im engeren Bereich der geplanten Trasse befinden sich keinerlei Gewässer. Außerhalb des flächendeckend kartierten Gebietes sind jedoch einige ständig und periodisch wasserführende Teiche bzw. Tümpel vorhanden, insbesondere im Golfgelände.

Acker

Auf den Ackerböden werden vor allem Mais und Weizen angebaut. Wegen der durchwegs intensiven Nutzung fehlen artenreichere Randstreifen mit Ackerwildkräutern fast völlig. Für Pflanzen und Tiere hat dieser Lebensraumtyp eine geringe Bedeutung.

Wirtschaftsgrünland

Frischwiese und -weide (G)

Die drei- bis vierschürigen Mähwiesen bestehen aus relativ artenarmen und hochwüchsigen Grasbeständen aus Lieschgras, Weidelgras, Wiesenschwingel, Glatthafer, Goldhafer, Wiesenrispe sowie Bärenklau, Löwenzahn, Weiß- und Rotklee, Schafgarbe, Spitzwegerich. Die artenarmen Intensivwiesen haben als Lebensraum eine geringe Bedeutung. Extensive Wiesennutzungen fehlen völlig.

Staudenflur/Ufer- und Waldsaum

Staudenfluren und krautreiche Bestände finden sich meist nur sehr kleinflächig in schlecht nutzbaren Verschnittflächen. Alle Staudenfluren und krautreichen Bestände haben aufgrund des höheren Strukturangebotes (Blütenreichtum, Bestandshöhe) gegenüber Intensivgrünland zumindest eine mittlere Bedeutung v.a. für Insekten und Vögel (Nahrungsbiotop). Typische Vogelarten sind im Lkrs. Starnberg Rebhuhn und Wachtel. Die reiferen Altgrasbestände mit Vorkommen von Gekieltem Lauch haben eine hohe floristische Bedeutung.

Hochstaudenbestand, frische Standorte (OH)

Typische Gräser sind Quecke, Glatthafer und Knaulgras; typische Hochstauden sind Brennnessel, Giersch, Große Klette, Weiße Taubnessel, Klettenlabkraut, Stumpfblättriger Ampfer und Wiesenkerbel.

Am östlichen Rand des Golfplatzes befinden sich in Teilbereichen der lückigen Baumhecke ca. 5 m breite Bestände dieses Strukturtyps. Neben Glatthafer, Knaulgras, Quecke, Rotschwingel, Acker-Glockenblume, Honiggras, Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblume, Hornklee kommen noch Gekielter Lauch (Rote Liste Bayern: gefährdet), Große Fetthenne und Wirbeldost vor.

Ruderalflur (RF)

Ausdauernde Staudenfluren auf jungen Standorten und an Wege- und Feldrändern mit Pflanzenarten der Möhren-Steinkleegesellschaften (Beifuss, Rainfarn, Wilde Möhre) mit den Arten der Fettwiesen (Schafgarbe, Bärenklau) und Ackerwildkräutern (Acker-Gauchheil, Acker-Glockenblume und Ackerwinde). Dieser Lebensraumtyp kommt im Gebiet südlich der A 96 auf den nicht aufgeforsteten Gestaltungsflächen der Autobahndirektion vor.

Weiterhin befinden sich beidseits der Bahnlinie 3-5 m breite Ruderalfluren mit Vorkommen von Kronwicke, Ackerwinde, Sichel-Luzerne, Wirbeldost, Gekieltem Lauch (Rote Liste Bayern: gefährdet) sowie dem Gewöhnlichen Pastinak.

Kleingehölze

Einzelbaum, Einzelstrauch (UB)

Vereinzelt kommen Altbäume am Waldrand vor. Es finden sich einzelne Eichen auch in der Feldflur westlich des Sportplatzgeländes und nördlich der Zufahrt zum Golfplatz. Am westlichen Waldrand des Waldbereiches Laich/Taxleiten (ca. Bau-km 2+600) befindet sich ebenfalls eine Eichengruppe. Südlich der Dellinger Höhe besteht ein etwa 2 ha großer hutewaldartiger Alteichenbestand mit ca. 250-jährigen Eichen, von z. T. über 1,5 m Stammdurchmesser und einzelne Altbuchen (Biotop-Nr. 7933/99).

In der intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft haben die Einzelbäume und -sträucher grundsätzlich eine hohe Bedeutung als Teillebensräume für die Fauna. Besonders die Eichen mittleren bis hohen Alters erfüllen wegen ihres höheren Totholzanteils eine sehr wichtige Lebensraumfunktion für zahlreiche Insekten und Vögel.

StraßenbegIeitgrün/AIIee

Die Staatsstraße 2068 alt wird zwischen dem nördlichen Waldrand der Dellinger Höhe und dem südlichen Ortsrand von Weßling von einer Allee aus Berg-Ahorn gesäumt. Die Straßenbäume sind ca. 20-25 Jahre alt und haben als lineare Verbundstruktur eine mittIere Bedeutung.

Hecke/Baumhecke (WH)

Am östlichen Rand des Golfplatzes Schluifeld befindet sich eine ca. 5 m breite Baumhecke. Sie ist abschnittsweise sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dichte Bereiche mit Eichen und verwilderten Obstbäumen (Apfel- und Kirschbäume) sowie geschlossener Strauchschicht wechseln mit lückigen Teilabschnitten ab, in denen nur einzelne Bäume und wenige Sträucher vorkommen. Gehölzarten sind Blutroter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Schlehe, Schwarzer Holunder und Wolliger Schneeball sowie die Gemeine Waldrebe.

Nördlich der Zufahrt zum Golfplatz befindet sich ein Schlehengebüsch ohne Krautsaum.

Der Biotoptyp hat als strukturreiches Komplexbiotop und lineare Verbundstruktur eine hohe Bedeutung für Pflanzen und Tiere. Vor allem Insekten wie Tagfalter, Heuschrecken und Vögel nutzen die Baumhecken als Ganz- und Teillebensraum bzw. als Leitlinien.

Wärmeliebender Saum, Gebüsch und Waldrand (WD)

In der intensiv bewirtschafteten Landschaft um Weßling tritt dieser Biotoptyp in Form von dichten Schlehenhecken auf. Teilweise ist Weißdorn, Liguster und Wolliger Schneeball beigemischt. Diese Gebüsche finden sich im Untersuchungsgebiet nur kleinflächig süd- und westexponiert am Waldrand von Taxleiten und im südlichen Teilbereich der Baumhecke östlich des Golfplatzes. Der typische Krautsaum mit wärmeliebenden Pflanzen wie Gekielter Lauch, Hornklee, Dost, Wirbeldost und Kronwicke ist meist nur fragmentarisch ausgebildet.

Die als WD kartierten Bereiche haben wegen ihrer reliktartigen Vorkommen gefährdeter Pflanzen, v.a. dem gefährdeten Gekielten Lauch, und anderer wärmeliebender und daher im Untersuchungsgebiet eher seltenere Arten eine hohe Bedeutung für Pflanzen und Tiere. Die struktur- und blütenreichen wärmeliebenden Säume dienen als Lebensraum und Trittsteinbiotop für Tagfalter- und Heuschreckenarten.

Mesophiles Gebüsch, flächig/mesophiler Waldrand (WX)

Im Norden des Untersuchungsgebietes wurde der westliche Randbereich des sehr artenreichen Laubmischwaldstreifens unter dieser Kartiereinheit aufgenommen. Die Artenzusammensetzung entspricht im wesentlichen der der Hecken/Baumhecken (WH): Feldahorn, Weißdorn, Blutroter Hartriegel, Rote Heckenkirsche, Hasel, Pfaffenhütchen, Stiel-Eiche, verschiedene Weiden-Arten, Schwarzer Holunder, Schlehe, Gemeine Waldrebe usw. Falls ein Saum vorhanden ist, besteht dieser zumeist aus Brennnesseln sowie Gräsern und Kräutern der Fettwiesen.

Die dichten Gebüsche haben hohe Bedeutung für die in Bodennähe brütenden Vogelarten, wie z. B. Rotkehlchen, Zaunkönig und Goldammer. Außerdem bietet die artenreiche Gehölzzusammensetzung ein hohes Nahrungsangebot für Vögel.

Ziergehölze, standortfremd

Im Bereich des Golfplatzes befinden sich einige Heckenteile mit hohem Anteil an standortfremden Ziergehölzen, wie Forsythien, Deutzia, Serbischen Fichten usw. Die sehr schmal ausgeprägten Heckenteile haben lediglich eine mittlere Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.

Wald

Der Biotoptyp Wald wurde entsprechend der Artenzusammensetzung der Baumschicht und des Alters, das eng mit dem Struktur- und Artenreichtum in Zusammenhang steht, differenziert:

Unterschieden wurde zwischen:

WM Laubwäldern (vorherrschend Buche), Nadelholzanteil bis etwa 10 %
NF Nadelwäldern (vorherrschend Fichte, vereinzelt Lärche), Laubholzanteil bis 10 %
LN Mischwäldern (meist aus Buche und Fichte, beigemischt Edellaubhölzer)

Hinsichtlich der Struktur- und Altersklassen wurden fünf Typen unterschieden:

0 Schlagfluren und lückiger Jungbestand bis etwa 10 Jahren
1 geschlossene Schonung bis etwa 20 Jahre
2 Stangenholz, junges Baumholz bis etwa 50 Jahre
3 Bestände mittleren Alters bis etwa 80 Jahre (BHD bis etwa 40 cm)
4 Altbestand

Die Bewertung des Struktur- und Artenreichtums unterschiedlich alter Bestände erfolgt nur anhand des aktuellen Zustandes. Es ist aber zu erwarten, dass in den derzeit artenarmen Jungbeständen das Samenpotential der typischen Waldgräser und -kräuter in vollem Umfang vorhanden ist und sich bei Auflichtungen wieder entwickelt. Dies lässt sich besonders deutlich an den gegenwärtigen Schlagfluren und lückigen Jungbeständen beobachten.

Laubwald (WM)

Die potentiell natürliche Vegetation des Gebietes wird von Waldmeister-Tannen-Buchenwäldern gebildet. Naturnahe Bestände finden sich v. a. im Bereich der Moränenrücken (Dellinger Buchet, Taxleiten) sowie im Pfeiferwinkel und westlich Grünsink. Die Wälder sind v.a. aus Buche aufgebaut. Ältere Bestände zeichnen sich durch einen meist strukturreichen Aufbau mit differenzierter Baum-, Strauch- und Krautschicht aus.

Auf trockeneren Standorten und an Waldrändern dominiert häufig die Stieleiche. Außerdem treten hier Feldahorn, Sommerlinde, Spitzahorn und als Besonderheit im Bereich westlich von Weßling die wärmeliebenden Arten Elsbeere und Immenblatt auf.

Die Strauchschicht besteht v.a. aus Jungwuchs der genannten Baumarten. Die Krautschicht ist differenziert. Auf den trockeneren Kuppen und den Hängen finden sich u.a. Maiglöckchen, Vielblütige Weißwurz, Nestwurz und andere Orchideenarten, auf mittleren Standorten Vierblatt, Waldmeister, Stinkender Hainsalat, Teufelskralle, in den feuchteren Senken u.a. Giersch, Wald-Geißbart, Goldnessel und Wald-Ziest.

Auf frischen Standorten, so südwestlich von Weßling, treten auch Eschen hinzu. Der Bestand bei Bau-km 0+300 bis 0+400 ist strukturreich mit einer Strauchschicht aus Jungbäumen der o.g. Arten, Schwarzem Holunder (Sambucus nigra), und einer dichten Krautschicht u.a. mit einem großen Vorkommen des Türkenbund, mit Goldnessel (Lamium galeobdolon) und Kleinblütigem Springkraut (Impatiens parviflora).

Fichtenforst ( NE)

Großflächige Bestände bestehen im Neuschlag und im Nordteil des Dellinger Buchet. Im Bereich Neuschlag finden sich vor allem Stangenhölzer und junge Baumhölzer. Diese Bestände sind sehr strukturarm und weisen nur eine spärliche Krautschicht auf. Der Nordteil des Dellinger Buchet ist zumindest hinsichtlich des Altersaufbaus abwechslungsreicher. Neben den großflächigen Jungbeständen finden sich Schonungen, Stangenhölzer und nach Süden zunehmend auch Altbestände.

Die Krautschicht ist in den Altersstufen 1-3 nur sehr spärlich ausgeprägt und enthält u.a. Schattenblümchen und Buschwindröschen.

Auch im südöstlichen Teil der Taxleiten finden sich etwa 40- jährige Fichtenbestände, die hier nach einer Borkenkäferkalamität nach dem Krieg gepflanzt wurden. Aufgrund des sehr kleinteiligen Reliefs mit entsprechend unterschiedlichen Standortqualitäten sind die Wuchsleistungen unterschiedlich: auf den Kuppen und an den Oberhängen sind die Bestände lückig, so dass hier stellenweise noch eine artenreiche Krautschicht, v .a. aus kalkliebenden Magerkeitszeigern auftritt. In den ältesten Beständen findet sich meist eine artenreiche Krautschicht, vorwiegend mit Versauerungszeigern wie Heidelbeere, Rundblättrigem Labkraut und Schattenblümchen.

Mischwald (LN)

Es handelt sich meist um Fichten-Bestände mittleren Alters mit Buchenbeimischung, z. T. auch anderen Gehölzarten wie Eberesche, Eiche und Birke. Teilweise sind die Bestände reich strukturiert. Die Krautschicht entspricht hinsichtlich ihrer Artenzusammensetzung je nach vorherrschender Baumart der Buchen- oder Fichtenwälder, ist aber zumindest bei Beständen mittleren und hohen Alters überwiegend gut ausgeprägt.

Bewertung

Die Waldtypen des Untersuchungsgebietes sind bezüglich ihres naturschutzfachlichen Wertes differenziert einzustufen.

Nr. Strukturtypen Bewertungskriterien
A B C D E F GES
WF0 Nadelwald, lückige Jungbestände 3 3 3 3 3 2 3
WF1 Nadelw. geschlossene Schonungen 3 2 2 3 3 2 3
WF2 Nadelw. Stangenhölzer, junge Baumhölzer 3 2 2 3 3 3 3
WF3 Nadelw. Bestände mittleren Alters 3 2 3 4 4 4 3
WF4 Nadelw. Altbestände 4 5 3 4 5 5 5
WM0 Mischwald, lückige Jungbestände 4 3 3 3 3 2 3
WM1 Mischw. geschlossene Schonungen 4 3 2 3 3 2 3
WM2 Mischw. Stangenhölzer, junge Baumhölzer 4 3 2 3 3 3 3
WM3 Mischw. Bestände mittleren Alters 4 3 4 4 4 4 4
WM4 Mischw. Altbestände 4 4 5 5 5 5 5
WD0 Laubwald, lückige Jungbestände 4 3 3 4 3 2 4
WD1 Laubw. geschlossene Schonungen 4 3 2 3 3 2 3
WD2 Laubw. Stangenhölzer, junge Baumhölzer 5 3 3 3 2 3 4
WD3 Laubw. Bestände mittleren Alters 5 4 4 4 4 4 4
WD4 Laubw. Altbestände 5 5 5 5 5 5 5

Wertstufen: 1 = sehr gering, 2 = gering, 3 = mittel, 4 = hoch, 5 =sehr hoch
Kriterien: A = Naturnähe, B = Seltenheit, C = Vorkommen seltener und typischer Pflanzenarten, D = Vorkommen seltener und typischer Tierarten, E = Strukturreichtum, F = Alter/(Wiederherstellbarkeit)

Aus naturschutzfachlicher Sicht haben die Altbestände (Laubwald-, Mischwald-, Nadelwaldaltbestände) eine sehr hohe Bedeutung, da Alter nicht wiederherstellbar ist. Altbestände weisen einen sehr hohen Strukturreichtum auf, der wiederum sehr wichtig für die Tierwelt, aber auch die Pflanzenwelt der Krautschicht ist. Altbestände sind meist ziemlich naturnah.

Laubwälder und Mischwälder ohne Altbestände haben wegen ihrer naturnahen Artenzusammensetzung eine hohe Bedeutung.

3.4.1.3 Tierwelt

Aufbauend auf die Erhebungen zur Umweltverträglichkeitsstudie erfolgte eine Übersichtskartierung von Brutvögeln und Amphibien an zwei Teminen(9. April und 4. Juni 1998). Wegen der extremen Witterung im Frühjahr 1998 (bis Ende April für die Jahreszeit zu kalt und zu trocken) und der geringen Zahl an Begehungen wurden die Ergebnisse der Geländeerhebungen zur UVS aus dem Jahr 1994 (Verfasser: Grünplan GmbH, 1995) mit herangezogen um qualitativ eine nahezu vollständige Erfassung der o.g. Tiergruppen (vgl. Kap. 2.2.3) zu erreichen.

1999 und 2000 wurden die Vögel nochmals kursorisch untersucht.

Neben den eigenen Geländeerhebungen wurden die Angaben des Arten- und Biotopschutzprogrammes des Landkreises Starnberg und der Artenschutzkartierung Bayern ausgewertet.

Im Untersuchungsgebiet bzw. seinem näheren Umfeld liegen die Fundorte Nr. 105, und 330 der Artenschutzkartierung Bayern. Eine Auflistung der vorgefundenen Arten findet sich im Anhang 9.

Amphibien

Zu den Amphibien liegen Ergebnisse aus der Bearbeitung der UVS (1995), aus zusätzlichen kursorischen Erhebungen 1998 (Anhang 2) sowie aus der Sonderuntersuchung zu Wanderbewegungen (ÖKOKART, 1999) vor.

Bestand

Die Lage der Laichgewässer ist dem Bestands- und Konfliktplan M 1 : 5.000 zu entnehmen. Im Frühjahr 1998 waren die Laichbedingungen wegen der sehr niedrigen Wasserstände in den Laichgewässern ungünstig. In niederschlagsreicheren Jahren sind zahlreiche Kleingewässer, z.B. in Wagenspuren zu erwarten. Die periodisch wasserführenden Kleingewässer haben v.a. für Bergmolch und Gelbbauchunke Bedeutung. Dies war 1998 nicht der Fall.

An allen elf kontrollierten Gewässern wurden Amphibien festgestellt. Es wurden acht der zehn im Landkreis nachgewiesenen Amphibienarten festgestellt, was als sehr hoher Anteil zu werten ist. Häufigste Art war die Erdkröte mit Vorkommen an neun Gewässern, gefolgt von Laubfrosch mit acht, Springfrosch mit sieben und Grasfrosch mit sechs Vorkommen. Hinzu kommen Wasserfrosch, Teich- und Bergmolch. Drei der festgestellten Arten sind in der Roten Liste gefährdeter Tierarten Bayerns aufgeführt. Davon ist der Springfrosch stark gefährdet, Gelbbauchunke und Laubfrosch sind gefährdet. Die drei Arten sind als Arten des Anhanges IV der FFH-RL als streng geschützte Art gemäß § 20a(1) BNatSchG einzustufen. Die Bestandsgrößen lagen überwiegend im mittleren Bereich (10 - 50 adulte Individuen pro Gewässer).

Besonders artenreich mit fünf bzw. sechs festgestellten Arten sind die Gewässer A1, A3, A5, A7 und A9. Damit gehören sie zu den artenreichsten Gewässern im gesamten Landkreis (vgl. GNOTH-AUSTEN 1990) und zeichnen sich auch durch relativ große Individuenzahlen aus.

Zwischen 1994 (Erhebungen zur UVS von 1995) und 1998 bestanden am einzelnen Laichgewässer z. T. deutliche Unterschiede in den Bestandsgrößen und teilweise auch in der Artenausstattung. Mögliche Ursachen sind ein Wechsel der Tiere zwischen den Laichgewässern, natürtiche Bestandsschwankungen (bei einigen Arten laicht jährlich nur ein Teil der Population) sowie tatsächliche Bestandsänderungen.

Bewertung

Die Lurche sind im Bundesgebiet (und in angrenzenden Ländern) allgemein stark im Rückgang begriffen. Alle Amphibienarten sind nach dem Bundesartenschutzgesetz geschützt.

Das Gesamtgebiet ist hinsichtlich Artenzahl und Vorkommen seltener und gefährdeter Arten als überregional bedeutsam zu bezeichnen. Dies ist in erster Linie mit den Vorkommen der stark gefährdeten und gefährdeten Arten Springfrosch, Laubfrosch und Gelbbauchunke in z. T . großen Populationen begründet. Auch die übrigen Arten verdeutlichen mit ihren relativ großen Vorkommen den Wert des Untersuchungsgebietes.

Insbesondere im Nordteil des Untersuchungsgebietes bestehen durch das hohe Angebot an Laichgewässern auf dem Gelände des Golfplatzes und aufgrund der gut geeigneten Landlebensräume (weitgehend unzerschnittene Waldflächen) sehr günstige Bedingungen für die Amphibienfauna.

Im südlichen Teil des Gebietes finden sich dagegen nur wenige Laichgewässer.

Die Wanderbeziehungen zwischen den Teillebensräumen wurden von ÖKOKART (1999) eigens untersucht; die Ergebnisse sind in Kap. 4.2.2 beschrieben.

Brutvögel

Der Trassenkorridor wurde mehrmals begangen. Die Ergebnisse sind in Anhang 3 dargestellt. Die Lage der kartierten Abschnitte ist den Bestands- und Konfliktplänen zu entnehmen.

Bestand

Im Bereich des Trassenkorridors brüten mindestens 35 Arten (vgl. Anhang 3). Weitere 4 Arten nutzen ihn zur Nahrungssuche. Es handelt sich überwiegend um häufigere Singvogelarten. Relativ hohe Artenzahlen von über 15 Arten wurden in den Abschnitten B1, B5, B7, B8 und B10 festgestellt. Diese älteren Laub- und Mischwaldbestände weisen eine vielfältige Singvogelgemeinschaft auf.

In Abschnitt B3 mit überwiegenden Nadelholzbeständen und dem sehr kurzen Abschnitt B4 liegen die Artenzahlen mit 9 - 15 Arten bereits niedriger.

In den durch Ackerflächen und Wiesen führenden Abschnitten B2, B6 und B9 sind die Artenzahlen sehr niedrig. In Abschnitt B9 (Schluifelderin) wurden nur in den östlich angrenzenden Waldflächen Brutvögel festgestellt.

Im weiteren Umfeld des Untersuchungsgebiete wurden im Rahmen der Untersuchungen zur UVS insgesamt 70 Brutvogelarten festgestellt. Darüber hinaus brüten im angrenzenden Schluifelder Moos 11 weitere Arten (vgl. Liste der insgesamt nachgewiesenen Arten in Anhang 3).

Damit liegt die Zahl der Brutvogelarten mit 81 deutlich über dem Erwartungswert von 51 Arten für eine etwa 350 ha große Fläche (nach der Arten-Areal-Beziehung von REICHHOLF 1980). Das Gebiet westlich von Weßling ist also hinsichtlich seiner Brutvogelartenzahl als artenreich zu bezeichnen.

Bewertung

Das im Rahmen der UVS untersuchte Gesamtgebiet ist sowohl nach seiner Artenzahl, als auch nach dem Vorkommen seltener und gefährdeter Arten als wertvoll einzustufen (REICHHOLF 1980, PLACHTER 1989). Typische Waldarten, auch solche mit größeren Flächenansprüchen wie Spechte sind in einem nahezu vollständigen Artenspektrum vorhanden.

Von den vorhandenen Lebensraumtypen können die hutewaldartigen Bestände westlich Weßling und an der Dellinger Höhe und die Laub- bzw. naturnahen Mischwälder, v.a. in älteren Beständen als besonders wertvoll für die Vogelwelt des Untersuchungsgebietes eingestuft werden. Wertvoll für die Vogelwelt sind die älteren Nadelwälder, Waldmäntel, Laub- und Mischwälder mittleren Alters und lückige Jungbestände. Die Schlagfluren, geschlossenen Schonungen, Stangenhölzer und Brachen sind von durchschnittlicher Bedeutung. Intensives Grünland ist von geringer Bedeutung (v.a. als Nahrungshabitat), die Ackerflächen haben sehr geringe Bedeutung.

Im unmittelbaren Trassenbereich sind vor allem die Laub- und Mischwaldbestände im Südteil der Trasse (B1) und in Höhe von Bau-km 0+900 bis 1 +100 (B5) sowie 2+050 2+200 (B8) und am Nordende der Trasse wertvoll. Die übrigen Wälder sind von mittlerer Bedeutung, die Offenlandflächen sind - zumindest für Brutvögel - von untergeordneter Bedeutung.

Im Abschnitt B5 wurde östlich der Trasse ein Schwarzspecht beobachtet. Der Brutplatz befindet sich vermutlich im Südwesten im Bereich des Dellinger Buchet. Insbesondere die älteren Baumbestände (v.a. Laubbäume) südlich der Bahnlinie sind wichtige Bestandteile des Schwarzspechtrevieres.

Im Abschnitt B5 brütet weiterhin ein Turmfalke östlich der geplanten Trasse.

In Teilabschnitt B6 wurden Feldlerche und Wachtel als mögliche Brutvögel festgestellt. Da in Abhängigkeit von der Fruchtfolge die Brutplätze von Jahr zu Jahr wechseln und insbesondere bei der Wachtel starke Bestandsfluktuationen auftreten, ist eine Bewertung der Brutvorkommen schwierig. Direkte Schäden aus Bau und Betrieb der Straße sind unwahrscheinlich. Es wird sicherlich einen Verdrängungseffekt geben. Die Vögel werden sich vermutlich verlagern und durch diese Ausweichbewegungen werden die Beeinträchtigungen der Populationen von Feldlerche und Wachtel auf ein unerhebliches Maß beschränkt bleiben.

Sonstige Tiergruppen

Reptilien

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie 1995 wurden Vorkommen von Ringelnatter und Zauneidechse nachgewiesen. Die Fundorte der Reptilienarten sind im Bestandsplan mit "R" bezeichnet

Die gefährdete Ringelnatter wurde am Waldrand südwestlich Weßling (lt. Artenschutzkartierung) und an Gewässer A10 festgestellt.

Die potentiell gefährdete Zauneidechse (eine streng geschützte Art - Anhang IV der FFH-RL - gemäß § 20a(1) BNatSchG) besiedelt die südexponierten Waldränder westlich von Weßling. Besonders die Extensivgrünlandflächen am westlichen Ortsrand und im Bereich des Naturdenkmals (Biotop-Nr. 7933/102) sind günstige Lebensräume. Die Art kommt vermutlich auch an anderen südexponierten Waldrändern, entlang der Baumhecke östlich des Golfplatzes sowie entlang der Bahnlinie vor.

Heuschrecken

Im Umfeld des Bearbeitungsgebietes wurden im Rahmen der UVS die Feldgrille (Rote Liste Bayern: gefährdet) und die Kleine Goldschrecke kartiert.

Die Feldgrille besiedelt wärmebegünstigte kurzrasige Flächen. Sie kommt südlich der Dellinger Höhe (Biotop-Nr. 7933-99) und in den Extensivgrünlandbereichen westlich Weßling vor. Die potentiell bedeutsamen Heuschreckenlebensräume sind im Bestandsplan mit "H" bezeichnet. Bei den kursorischen Erhebungen 1998 wurde in den Altgrasbeständen der lückigen Baumhecke Roesels Beißschrecke festgestellt. Ebenso wie die Kleine Goldschrecke kommt diese Art relativ häufig in Altgrasbeständen und Brachen vor.

Tagfalter

Eine hohe Bedeutung für die Tagfalterfauna haben die extensiven Grünlandbereiche westlich von Weßling und des Naturdenkmals Biotop Nr. 7933/102. Hier wurden Arten des blütenreichen Offenlandes und der Säume festgestellt, deren Bestandsentwicklung in den letzten Jahren allgemein stark rückläufig ist. Vertreter dieser Gruppe sind das Schachbrett und der Adippe-Perlmuttfalter (Rote Liste Bayern: gefährdet).

Die im Untersuchungsgebiet verbreiteten Schlagfluren und Neuaufforstungen werden aufgrund des Reichtums an blütenreichen Kräutern v.a. von mesophilen Wald- und Waldrandarten als Nahrungsbiotop genutzt. Bei der kursorischen Erfassung im Sommer 1998 wurden v.a. in der Schlagflur nördlich der Mitterwies zahlreiche Tagfalter beobachtet. Zu nennen sind der Graubindige Mohrenfalter, das Landkärtchen, der Zitronenfalter und der Kaisermantel. In den noch krautreichen Fichtenaufforstungen am nordöstlichen Rand des Dellinger Buchet wurde der Kleine Perlmuttfalter beobachtet.

Weitere potentielle Tagfalterhabitate stellen die krautreichen Ruderalbestände und Brachflächen, z. B. entlang der Bahnlinie, sowie die Altgrasbestände in der lückigen Baumhecke dar.

Die potentiell bedeutsamen Tagfalterbiotope sind im Bestandsplan mit "T" bezeichnet.

Libellen

Da im engeren Bereich der geplanten Trasse keine Gewässer vorhanden sind und sich die Libellenvorkommen ausschließlich auf diesen Lebensraum konzentrieren, wurden im Untersuchungsgebiet keine Vertreter dieser Tiergruppe beobachtet.

Erwähnenswert sind jedoch an dem weiteren Umfeld Nachweise der stark gefährdeten Gefleckten Smaragdlibelle an den Gewässern A9 und A10. Die Gemeine Winterlibelle (Rote Liste Bayern: gefährdet) wurde an den Gewässern A1, A3 und A6 festgestellt (vgl. UVS, 1995).

Jagdbares Wild

Laut Angaben des Forstamtes Starnberg (Hr. Stahl, mdl.) besteht in großflächigen Waldgebieten westlich von Weßling ein hoher Wildbestand (außer Schwarzwild). Besonders im Bereich Mitterwies sind Wander- und Austauschbeziehungen von Rehwild und Fuchs zu erwarten. Die beiden "Waldbrücken" südlich und nördlich der Mitterwies verbinden die beiden Waldbereiche Laich/Taxleiten und Pfeiferwinkel/Neuschlag. Die Mitterwies selbst hat eine Bedeutung als Äsungsfläche.

Südlich der Bahnlinie ist eine Beurteilung der Wanderbeziehungen schwieriger, da der hohe Anteil von Schlagfluren bzw. Neuaufforstungen ein ausreichendes Nahrungsangebot bieten.

Entsprechendes gilt auch für die Laubwälder an der Dellinger Höhe mit ihrem krautreichen Unterwuchs. Zusätzliche Äsungsflächen bestehen südlich an der Meilinger und Weßlinger Breite.

3.4.1.4 Pflanzen

Bei den vorliegenden Ergebnissen handelt es sich um Zufallsbeobachtungen, die 1994, 1998 und 2000 im Rahmen der Geländeerhebungen gemacht wurden und um Angaben aus der Biotop- und Artenschutzkartierung.

Insgesamt wurden im Untersuchungsgebiet folgende nach der Roten Liste Bayern gefährdete Arten festgestellt:

Gekielter Lauch (Allium carinatum): vereinzelt in Altgrasbeständen, älteren Ruderalsäumen (z.B. an der Bahnlinie sowie in Salbei-Glatthaferwiesen (z.B. in Teilbereichen von Biotop-Nr.: 7933/99 und 102)
Kleine Traubenhyazinthe (Muscari botryoides)
vereinzelt im Naturdenkmal (Biotop-Nr.: 7933/102)

Folgende Pflanzen sind nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt:

Maiglöckchen (Convallaria majalis): verbreitet in mäßig trockenen bis frischen Laub- und Mischwäldern
Seidelbast (Daphne mezereum): vereinzelt in krautreichen, frischen und nährstoffreichen Laub- und Mischwäldern
Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum): vereinzelt in Salbei-Glatthaferwiesen und mageren Säumen
Leberblümchen (Hepatica nobilis): verbreitet in krautreichen mäßig trockenen bis frischen Laub- und Mischwäldern
Türkenbund-Lilie (Lilium martagon): vereinzelt in feuchterne Laubwäldern, großer Bestand im Buchen-Eschen-Laubwald südlich des Sportplatzes von Weßling (P7)
Große Schlüsselblume (Primula elatior): verbreitet in feuchten und nährstoffreichen Laub- und Mischwäldern
Arznei-Schlüsselblume (Primula veris): vereinzelt in trockeneren Laub- und Mischwäldern sowie mageren Wiesen und Säumen.

Von den in der UVS (1995) ermittelten Fundorten befinden sich nachfolgende im engeren Untersuchungsgebiet des LBP M 1:1.000:

Naturdenkmal "Waldrand und Eichen-Hainbuchenwald bei Weßling" (Biotop-Nr.

P2 7933/102): u.a. Gekielter Lauch (RL-Bay.: gefährdet), Kleine Traubenhyazinthe (RL-Bay.: gefährdet), Karthäusernelke, Arznei-Schlüsselblume, Bergklee, randlich Immenblatt und Elsbeere (RL-Bay.: gefährdet).
P6 Huteeichenbestand an der Dellinger Höhe: u.a. Karthäusernelke
P7 Frischer Buchen-Eschenbestand südlich Weßling: u.a. großer Bestand an Türkenbund-Lilien, Waldgeißbart, Seidelbast, Salomonsiegel und Leberblümchen

Im Umfeld des Untersuchungsgebietes, vorwiegend im Bereich Taxleiten befinden sich folgende bedeutsame Pflanzenvorkommen:

P1 Huteeichenbestand und Extensivgrünland westlich Weßling: u.a. Gekielter Lauch, Karthäusernelke
P3 Waldrand Taxleiten: u.a. Elsbeere
P4,8-10 Wälder im südlichen Teil der Taxleiten: u.a. Immenblatt, Frauenschuh, Gemeine Akelei, Seidelbast, Weißes und Rotes Waldvögelein, Breitblättrige Sumpfwurz, Großes Zweiblatt, Mücken-Händelwurz, Nestwurz, Weiße Waldhyazinthe, Bienen-Ragwurz
P5 Eichenreihe zwischen Waldrand und Delling: u.a. Wald-Gelbstern
P11,12 Wälder im nördlichen Teil der Taxleiten: u.a. Tanne, Elsbeere, Breitblättrige Sumpfwurz, Waldgeißbart

Weitere im Umfeld des Untersuchungsgebietes v.a. im Bereich Taxleiten vorkommende gefährdete und geschützte Pflanzen sind in Anhang 4 aufgelistet.

3.4.1.5 Zusammenfassende Bewertung

Das Untersuchungsgebiet stellt in einigen Teilbereichen einen wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar.

Von hoher bis sehr hoher Bedeutung sind vor allem die naturnahen Altbestände der Laub- und Mischwälder in den Bereichen Laich/Taxleiten, Pfeiferwinkel, südlich der Mitterwies, südlich der Bahnlinie München-Herrsching und südlich Weßling. Strukturreiche Wälder haben eine sehr hohe (potentielle) Bedeutung für das Große Mausohr und den Springfrosch. Gleiches gilt für einige Einzelstrukturen, wie die Baumhecke und einige Alteichen in der Feldflur.

Von mittlerer Bedeutung sind die übrigen Waldflächen z.B. Jungbestände und Nadelwälder mittleren Alters und einige vereinzelte Kleinstrukturen, wie z.B. Ruderalfluren und sonstige Einzelgehölze

Eine geringe Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere haben alle intensiv landwirtschaftlich genutzten Bereiche westlich und südlich von Weßling und der Bereich Mitterwies.

Eine faunistische Besonderheit stellt das Vorkommen des stark gefährdeten Springfrosches dar. Zwischen den Laichgewässern auf dem Golfplatzgelände Schluifeld und den naturnahen Laub- bzw. Mischwaldbeständen Laich/Taxleiten und Pfeiferwinkel sind Wanderbeziehungen vorhanden. Da es sich bei den Springfroschvorkommen im Landkreis Starnberg um einen von insgesamt zwei Verbreitungsschwerpunkten in Bayern handelt, kommt dem Erhalt dieser Art eine besondere Bedeutung zu.

3.4.2 Boden

Die Landschaft westlich von Weßling wurde in der quartären Eiszeit von der Jungmoräne des Isar-Loisach-Ammergletschers geprägt. Die würmeiszeitlichen Jungmoränen sind vielgestaltig und reich gegliedert in Wälle und Kuppen sowie Mulden und Toteiskessel.

Wie bereits in Kap. 3.1.1 "Naturraum und Geländegestalt" erwähnt weist das Untersuchungsgebiet einen südlichen Moränenwall im Dellinger Buchet und einen nördlichen Moränenzug im Bereich Taxleiten auf. Dazwischen liegende Flächen sind mit Schotter gefüllt.

Von der Beschaffenheit des Moränenschutts ist die Bodenausbildung wesentlich geprägt, wobei engräumige Bodenwechsel nicht selten sind. Im Gebiet überwiegen lehmige Kies- und Schotterböden. Anhang 5 zeigt die Verteilung der Bodentypen im Gebiet.

Gut durchlässige, überwiegend sandig-kiesige Moränen bilden i.d.R. frische Standorte mit Parabraunerden und Pararendzinen. Die Parabraunerde als Normalform der Bodenentwicklung besitzt eine Entwicklungstiefe von 50- 70 cm (Standortkundliche Bodenkarte L 7932).

Weniger gut durchlässige, überwiegend schluffig-kiesige Moränen ergeben meist frische Standorte mit Parabraunerden (Bodentyp Nr. 29 und 30 ).

In der Tabelle sind alle im Untersuchungsgebiet vorkommenden Bodentypen gegenübergestellt.

Bodentyp Nr. 18a 22a 22b 28a 29 30
Bezeichnung Ackerpararendzina Parabraunerde Parabraunerde Parabraunerde Parabraunerde Parabraunerde
Ausgangsgestein Carbonat-Schotter Carbonat-Schotter Carbonat-Schotter sandig-kiesige Jungmoräne sandig-kiesige Jungmoräne schluffig-kiesige Jungmoräne
Entwicklungstiefe flach flach-mittel mittel-tief flach mittel-tief mittel-tief
Bodenart Lehm Lehm Lehm Lehm Lehm Lehm
ökologischer Feuchtegrad frisch - mäßig frisch frisch frisch - sehr frisch frisch mit Vernässungen (mäßig frisch) frisch (sehr frisch) frisch (sehr frisch)
Durchlässigkeit sehr hoch - äußerst hoch hoch mittel - hoch hoch - sehr hoch mittel mittel
Sorbtionskapazität gering gering - mittel mittel mittel mittel mittel
Filtervermögen sehr gering gering gering sehr gering - gering gering gering

Demnach wird allen betroffenen Böden eine mittlere ökologische Bedeutung zugemessen.

Eine hohe Bedeutung im Naturhaushalt haben Böden mit geringen anthropogenen Vorbelastungen (Änderung der Bodenstruktur, Pestizideinsatz) wie z.B. Waldböden.

Seltene Bodentypen und natürliche Extremstandorte kommen im Gebiet nicht vor.

3.4.3 Wasser

Das Gebiet entwässert zu Ammersee und Amper nach Westen bzw. Nordwesten hin. Oberirdische dauernd wasserführende Fließgewässer fehlen völlig, was auf hohe Versickerungsraten hindeutet.

Über die Grundwasserverhältnisse lassen sich nur sehr allgemeine Aussagen machen. In der Regel liegt das obere Grundwasserstockwerk relativ tief und wird von der Baumaßnahme nicht berührt. Die Tonmergel- und Schotterschichten liegen so unregelmäßig, dass der Grundwasserstand jeweils örtlich stark schwankt. Im Bereich der Bahnkreuzung wurde Grundwasser bei -10,50m erbohrt, die Mächtigkeit des Grundwasserstockes ist mit 0,50m gering.

Die geplante Trasse liegt zwischen Bau-km 0+830 und Bau-km 2+100 in der weiteren Schutzzone (WIII) des Wasserschutzgebietes Wörthsee.

3.4.4 Luft/Klima

Das Untersuchungsgebiet ist durch das mäßig kühl-feuchte Klima des Alpenvorlandes geprägt. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen etwa bei 7°C. Der mittlere jährliche Niederschlag liegt unter 1000 mm mit einem Maximum während der Hauptvegetationsperiode, insbesondere im Juli.

Bei dem stark strukturierten Relief des Jungmoränenlandes (z.B. Dellinger Höhe) kommt es zur Ausbildung von Lokalklimaten. Die süd-exponierten Steilhänge sind im Winterhalbjahr mild und sonnig und können im Sommer stark erhitzt werden. Die Niederungen sind nahezu durchwegs kühler und feuchter.

Bis zu 20 % der Niederschläge fallen als Schnee; eine geschlossene Schneedecke liegt in normalen Wintern etwa 2 1/2 Monate lang.

Hauptwindrichtung ist Südwest bis West. Am zweit häufigsten treten Winde aus Nordost bis Ost auf und zwar meist als leichte Luftbewegung bei stabilen Hochdrucklagen. Diese Inversionswetterlagen häufen sich in den Wintermonaten Oktober bis Februar. In diesen windarmen Perioden fließt die Luft der allgemeinen Geländeneigung entsprechend in Richtung Westen ab.

Hinsichtlich der Temperaturverteilung bestehen geländeklimatische Gegensätze. Im flach geneigten Gelände bestehen außerhalb der Wälder Tendenzen zu Früh- und Spätfrösten. Über landwirtschaftlichen Nutzflächen entstehen infolge einer starken Auskühlung in austauscharmen Strahlungsnächten erhebliche Kaltluftmassen, die nur langsam abfließen.

Die bodennahen Luftmassen dürften im Gebiet weitgehend frei von Schadstoff- und Geruchsbelastungen sein, sieht man von den sporadischen Belastungen ab, die durch die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (Gülle) lokal begrenzt entstehen können.

Vorbelastungen sind aber entlang der bestehenden Staatsstraße 2068 alt zu unterstellen.

Aber auch entlang der St 2349 (Grünsinker Straße) sind im unmittelbaren Trassennahbereich Belastungen möglich.

3.4.5 Landschaft/Landschaftsbild/Erholungsnutzung

Erholungsnutzung

Der Landschaftsraum "Fünf-Seen-Gebiet" ist eine abwechslungsreiche Jungmoränenlandschaft, die geomorphologisch und durch die Wald-Flurverteilung reich strukturiert ist. Sie gehört damit zu den attraktivsten Landschaften im Münchner Süden.

Das Gebiet ist sowohl durch Straßen als auch mit der Bahnlinie München-Herrsching gut erschlossen. Die Besiedelungsdichte ist relativ hoch und es besteht weiterhin ein starker Siedlungsdruck.

Durch die Nähe Münchens und die große Attraktivität des voralpinen Hügellandes ist das Verkehrsaufkommen auf den Straßen durch Pendler, Erholungs- und Fremdenverkehr überdurchschnittlich hoch. Eine besonders starke Be1astung stellt der sommerliche Ausflugsverkehr v.a. an Wochenenden dar.

Im Gebiet herrscht ein reger Naherholungsbetrieb. Westlich von Weßling sind Kreisradwanderwege und örtliche Rundwanderwege ausgewiesen und an schönen Tagen stark frequentiert, v.a. entlang der Bahnlinie nach Herrsching. Die ortsnahen Waldflächen im Bereich Laich/Taxleiten sind im Regionalplan als Erholungswald, Intensitätsstufe II ausgewiesen. Auch die Kapelle Grünsink (ausgewiesen als Kulturdenkmal) ist ein beliebtes Ziel.

Im Nordwesten des Gebietes schließt unmittelbar der Golfplatz "Schluifeld" an. Im Winter wird in diesem Bereich eine Langlaufloipe unterhalten.

Landschaftsbild

Der Landschaftsraum des Untersuchungsgebietes ist stark von zwei Jungmoränenwällen geprägt (Dellinger Höhe und Taxleiten). Die geplante Trasse verläuft fast ausschließlich durch ebenes Gelände, das sich durch die nacheiszeitlichen Schotterauffüllungen zwischen den Jungmoränen gebildet hat.

Die Landschaft erhält ihren Charakter durch landschaftsprägende und landschaftsgliedernde Elemente.

Landschaftsbildprägende Elemente, zeigen sich dem Betrachter von den Straßen und den Rad- und Wanderwegen südlich des Waldbereiches Taxleiten sowie entlang der Bahnlinie aus. Im Verlauf der Straßen und Wege ergeben sich zudem auf offenen Flächen reizvolle Ausblicke in die Landschaft.

Geht man auf dem Wanderweg südlich der Bahngleise von Weßling aus nach Westen, so fällt der Blick über die Kulturlandschaft auf den Waldrand, wobei die konvexe, leicht durchsichtige Waldecke (Waldbrücke) im Nordwesten besonders anziehend wirkt.

Von dort erhält man im Rückblick eine Übersicht über die offenen Fluren und die Einbindung Weßlings in die Landschaft. Der Blick wird durch die vielgestaltigen Waldränder gelenkt und in der Feme begrenzt. Einige Einzelbäume vor allem im südlichen Bereich und alte Überhälter an den Waldrändern erhöhen die Attraktivität der Landschaft und dienen als Blickfang. Besonders auffällig ist die nördlich aus dem Waldgebiet Taxleiten heraustretende Erhebung (Naturdenkmal).

Die offene Feldflur wird allerdings durch die leicht erhöhte Bahntrasse München-Herrsching zerschnitten. Aufgrund des linearen Verlaufes und der geringen Einbindung der Bahntrasse in die Landschaft durch wenige Heckenstücke und Einzelsträucher muss die Bahnlinie als Vorbelastung angesehen werden. Zudem wird der größte Offenlandsbereich im Untersuchungsraum nicht nur optisch sondern auch funktional zerschnitten. Für Erholungssuchende gibt es nur eine Unterführung unter der Bahnlinie.

Richtung Nordwesten erreicht man die geräumige und langgestreckte Lichtung Mitterwies, die durch einen sich verengenden Wald eingerahmt wird. Von hier führt ein Waldweg zur Kapelle Grünsink. Die östlich des Untersuchungsgebietes gelegene Kapelle Grünsink hat eine besondere religiöse und kulturhistorische Bedeutung als Wallfahrtsort. Auch wegen ihres beschaulichen Standortes ist sie ein wichtiger Anziehungspunkt und Ausflugsziel.

Die Kapelle ist als Bau- und Kulturdenkmal eingestuft und wird von der geplanten Trasse weiträumig umfahren.

Folgt man dem attraktiven Waldrand in Richtung Schluifelderin, so durchwandert man eine von Waldrand und Eichenbaumreihe gesäumte Landschaft und kommt ebenfalls zur Kapelle Grünsink. Auf dieser Strecke ergeben sich mehrere Aussichtspunkte, welche die Landschaft erlebbar machen.

4. Konfliktanalyse und Konfliktminderung

4.1 Beschreibung des Vorhabens

Das Bauvorhaben umfasst die Verlegung der Ortsdurchfahrt Weßling der St 2068 mit direktem Anschluss an die A 96 als westliche Umfahrung. Die St 2349 wird abgestuft.

Die Neubaulänge umfasst 3.290 m. Hinzu kommen noch 215 m für den Anschluss Weßling sowie die Anbindung Gut Schluifeld. Als Querschnitt der St 2068 ist ein RQ 10,0 vorgesehen. Die Bauwerke der Umfahrung werden insgesamt 6,3 ha Fläche neu in Anspruch nehmen. Hiervon werden 2,7 ha neu versiegelt. Hinzu kommen 2,7 ha Rest- und Zwickelflächen, die für Gestaltungsmaßnahmen verwendet werden. Damit beträgt die neu in Anspruch genommene Fläche ohne Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen etwa 9 ha.

Die St 2068 verläuft überwiegend in Dammlage. Die S-Bahnlinie München - Herrsching wird in einem Einschnitt unterquert.

Die Verkehrsbelastung südlich Weßling wird laut der Prognose im Jahr 2015 bei 14.700 Kfz/24 h liegen, nördlich Weßling bei 23.700 Kfz/24 h.

4.2 Straßenbedingte Auswirkungen

Der Bau der St 2068 wird folgende umweltrelevante Auswirkungen haben:

  • FIächeninanspruchnahme
  • Barrierewirkungen/Zerschneidungen
  • Schadstoffbelastungen durch Abgase, Auftausalze und Reifenabrieb
  • betriebsbedingte Tierverluste
  • visuelle Beunruhigungen, optische Beeinträchtigungen
  • Verlärmung und Beunruhigung bisheriger Ruhezonen
  • Schadstoffentlastung für den Ortsbereich
  • Lärmentlastung für den Ortsbereich
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit insgesamt.

4.2.1 Flächenumwandlung

Die Wirkungen der Flächenumwandlung umfassen:

  • 2,7 ha Neuversiegelung
  • 3,6 ha weiterer Flächenbedarf für Straßennebenflächen (Bankette, Böschungen, Entwässerungsmulden, Absetz- und Versickerbecken)
  • zusätzlich über 3 ha weiterer Flächenbedarf während der Bauzeit für die Baufelder
  • Überbauung und Zerschneidung von Lebensräumen von Pflanzen und Tieren (vgl. Tab. 1).

4.2.2 Zerschneidungs- und Trenneffekte

auf die Tierwelt

Die Auswirkungen von Zerschneidungseffekten auf die Tierwelt, ihre Teillebensräume und jeweiligen Zuwanderungsrichtungen können erheblich sein:

  • Dämme und Böschungen sind Ausbreitungshindernisse für Tierarten geringer Mobilität (mikroklimatische Barrieren)
  • Die Populationen von spezifischen Waldarten bei Kleinsäugern und Laufkäfern können dauerhaft getrennt bleiben
  • Im Straßenverkehr droht vielen Arten der Verkehrstod, v.a. den Amphibien und den Säugetieren; aber auch Schmetterlinge, insbesondere Nachtfalter, sind stark gefährdet. Daraus resultieren insbesondere bei Unfällen mit dem Niederwild auch Gefährdungen des Straßenverkehrs.

Zerschneidung

Bei den Vögeln ist mit deutlichen Verkehrsverlusten zu rechnen. Zu Verkehrsverlusten von Vögeln liegen zwar eine Reihe von Untersuchungen vor, die belegen, dass eine Vielzahl von Arten in z.T. erheblichen Größenordnungen betroffen sind, ob diese Verluste aber Auswirkungen auf die Population haben, ist unklar. In einigen Bereichen werden Waldflächen von den bestehenden Waldkomplexen abgeschnitten, so im Bereich der Bau-km 0+700 - 1+100 und 1+500 - 2+000. Es ist zu erwarten, dass die verbleibenden Restflächen für die meisten der vorkommenden Arten ihre Bedeutung verlieren werden, da sie zu klein und zu stark gestört sind.

Über die Auswirkungen auf Wanderbewegungen von Amphibien liegt eine eigene Untersuchung des Büros ÖKOKART aus 1999 vor. Demnach sind kritische Belastungen der lokalen Amphibienpopulationen durch das Planvorhaben zu erwarten. Durch die Einschränkung oder Unterbindung des freien Raumwechsels sowie durch bestandsbedrohende Verkehrsverluste werden erhebliche Eingriffe in die Amphibienpopulationen (insbesondere Springfrösche und Erdkröten) durch Zerschneidungseffekte gegeben sein. Am schwerwiegendsten werden die Zerschneidungseffekte im sog. Abschnitt 1 nördlich der Grünsinker Straße sein. Ebenso wird der sog. Abschnitt 3 nördlich der Mitterwies bis zum nordwestlichen Waldrand Taxleiten von ÖKOKART 1999 als kritisch angesehen.

Fernwirkungen (Lärm, Abgase)

Vor allem während der Brutzeit der Vögel (April bis Juli) kann die Nutzung von Brut- und Nahrungshabitaten durch Störungen stark eingeschränkt werden. Außerhalb der Brutzeit ist die räumliche Flexibilität der meisten Arten so groß, dass die Auswirkungen von Störungen geringer einzuschätzen sind.

in Wäldern

Durchschnittene Waldbestände, insbesondere ältere Fichten-Reinbestände, sind bei Freistellung stark durch Windwurf und Rindenbrand gefährdet. Die Tiefe des gefährdeten Bestandes kann u.U. mehr als eine Baumlänge betragen. Mittelfristig sind erhebliche, über die bauzeitliche Inanspruchnahme hinaus, Waldbestandsverluste nicht auszuschließen.

beim Lokalklima

Beim Lokalklima werden sich die anlagebedingten Beeinträchtigungen durch Barrierewirkungen, in einem sehr geringen Rahmen halten. Bedingt durch die geringen Dammhöhen entstehen nur sehr kleinflächige und eng begrenzte Kaltluftstauungen ohne nennenswerte Auswirkungen auf angrenzende Kulturen.

im Landschaftsbild

Topographisch bedingt werden die anlagebedingten Eingriffe in das Landschaftsbild in einzelnen Streckenabschnitten relativ gering ausfallen. Im Bereich der Anschlussstelle Weßling sind jedoch sehr erhebliche Eingriffe in Waldflächen und in die Topografie notwendig. Die Unterführung der St 2068 unter der Bahnlinie bedeutet ebenfalls einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild. Ein weiterer starker Geländeeinschnitt erfolgt im Bereich des Anschlusses der alten St 2349.

4.2.3 Benachbarungs- / Immissionswirkungen

4.2.3.1 Schadstoffe

In der Regel lassen sich folgende Stoffgruppen als Belastungen aus dem Kfz-Verkehr im Straßennahbereich nachweisen: Salze aus Streusalz; Ruß und Staub; Schwefeldioxid, Stickoxide, Benzole und Phenole; polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe; Schwermetalle wie z.B. Cadmium.

Salzhaltige Abwässer und Stäube

Die Salzausbreitung hängt wesentlich von der Höhenlage der Straße und der Morphologie der umgebenden Landschaft ab. Bei ungehinderter Ausbreitung wurde Spritzwasser in bis zu 20 m Entfernung nachgewiesen. Die höchsten Konzentrationen finden sich aber im straßennahen Bereich an den Böschungen.

Schadstoffhaltige Abwässer

Hierzu zählen Kraftstoff- und Ölverluste, Reifen- und Bremsenabrieb, Fahrbahnabrieb, Kohlenwasserstoffe, aber auch unfallbedingte Freisetzungen von schädlichen Stoffen. Die Schweb- und Feststoffe versickern im Bereich des Straßenrandes (Dammböschungen).

Schwermetallanreicherung

Die Konzentration schwermetallhaltiger Abgase und Stäube ist bis in einige Entfernung nachweisbar; sie nimmt durch Verdünnungsvorgänge aber stark mit der Entfernung ab. Je nach Partikelgröße lagern sich v.a. die Stäube im Nahbereich der Trasse ab.

Stickoxide, Schwefeldioxid, Kohlenwasserstoffe

Die Nachweismöglichkeiten von Schadgasen nehmen - bei freier Ausbreitung der Gase - im allgemeinen sehr stark mit der Entfernung von der Straße ab.

Prognose für bewohnte Gebiete

Die bewohnten Gebiete sind durch den Hausbrand, aus dem bestehenden Kfz-Verkehr sowie durch die großräumige Hintergrundbelastung vorbelastet.

Für die vorliegende Planung wurde eine Abschätzung der Abgasbelastung durch den Kfz. Verkehr vorgenommen. Als Ergebnis kann festgestellt werden, daß die Grenz- und Leitwerte, die in der 22. und 23. BimmSchV sowie in der TA Luft und in der 1. und 2. EU-Luftqualitäts-Tochter-Richtlinien (1. und 2. TRL) festgelegt wurden, mit der Zusatzbelastung der St 2068 allesamt nicht erreicht bzw. überschritten werden.

Prognose für den Naturhaushalt und die Lebensräume von Pflanzen und Tieren

Im straßennahen Bereich wird es zu erheblichen mittelbaren Beeinträchtigungen der Lebensräume von Pflanzen und Tieren kommen. Zu erwarten sind Schadstoffemissionen insbesondere aus den Kfz-Abgasen, Veränderungen des Mikroklimas, direkte Verkehrsverluste sowie Verinselungseffekte (Trennwirkungen durch den Straßenkörper). Die Belastungen sind am Fahrbahnrand am höchsten und nehmen dann rasch ab.

In Anlehnung an die Abschätzung in den Grundsätzen der Gemeinsamen Bekanntmachung OBB/StMLU vom 21.06.1993 wird der Bereich von bis zu 50 m vom Fahrbahnrand als beeinträchtigt betrachtet; bei der zu erwartenden Verkehrsbelastung von 14.700 bzw. 23.700 Kfz/24h sind weiterreichende Beeinträchtigungen vernachlässigbar.

4.2.3.2 Lärm

Straßenlärm belastet als betriebsbedingte Auswirkung die Umwelt. Technisch bedingter Lärm wird bewusst wahrgenommen und wirkt i.d.R. "unerwünscht" oder "störend". Er kann in hohen Lautstärken zu psychischen und gesundheitsbeeinträchtigenden Folgen führen.

Der Schallpegel nimmt mit zunehmendem Abstand von der Quelle ab, wobei die Boden- und Meteorologiedämpfung zusätzlich mindernd wirkt.

Die Schädigungsgrenze für den Menschen ( mit Hör- und Gleichgewichtsstörungen) liegt bei bei 80-90 dB(A); an einer verkehrsreiche Straße herrschen bis zu 75 dB(A). Das natürliche Umweltgeräusch (Zustand der "Ruhe") liegt bei nur 35 dB(A).

Prognose für bewohnte Gebiete

Zur Beurteilung der Lärmsituation wurde eine Verkehrslärmberechnung durchgeführt. Als Ergebnis hieraus konnte festgestellt werden, dass die zulässigen Emmissionswerte nach VLärmSchrR 97 eingehalten werden und somit keine Lärmmaßnahmen vorgesehen sind.

Prognose für die Tierwelt

Die Auswirkungen auf die Fauna sind nur sehr grob abschätzbar. Es scheinen sich viele Tierarten an gewisse Lärmbelastungen zu gewöhnen. Aus den vorliegenden Unterlagen bzw. Erhebungen sind keine Hinweise auf besonders lärmempfindliche Tierarten gegeben. Insofern wird davon ausgegangen, dass keine erheblichen Lärmbelastungen der Tierwelt über die Beeinträchtigungszone hinaus auftreten.

4.2.4 Folgewirkungen

Durch die Verlegung der St 2068 wird sich die Lärm- und Abgassituation im unmittelbaren Umfeld der Ortsdurchfahrt Weßling deutlich verbessern. Die städtebauliche Situation und die Attraktivität des Ortskernes wird sich dadurch steigern.

4.3 Konfliktminimierung

Flächen, die nur während der Bauzeit vorübergehend in Anspruch genommen werden (Zufahrtswege, Lagerplätze, Baustelleneinrichtungen, Ersatzstraßen u.ä.) werden wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Die Abstandsflächen innerhalb geschlossener Waldgebiete werden wieder mit Waldboden angedeckt.

Einzelbäume und Waldränder im Baustellenrandbereich werden in der Bauzeit durch Baumschutzmaßnahmen gemäß RAS-LP 4 - Ausgabe 1999 - geschützt.

Insgesamt lassen sich durch die vorgesehenen Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen während der Bauzeit die baubedingten Beeinträchtigungen auf ein unerhebliches Maß reduzieren.

4.3.1 Optimierung der Trasse in Lage und Höhe

Bei der Planung der St 2068 wurde darauf geachtet, die Straße möglichst an das bestehende Gelände anzupassen. Dadurch wird zum einen der Flächen- und Landschaftsverbrauch minimiert, zum anderen lässt sich die Straße dadurch besser in die Landschaft einbinden.

Bei der Trassierung im Grundriss wurde darauf geachtet, die bestehenden Landschaftsstrukturen soweit möglich zu erhalten, um die Eingriffe in schützenswerte Lebensräume und in das Landschaftsbild zu minimieren.

Beim Anschluß des Waldwegs bei Bau-km 0+170 links wurde darauf geachtet, möglichst wenig Waldfläche zu beanspruchen (Maßnahme M 4). Auf seitliche Baufelder für die Anpassung des neuen Weges an den bestehenden Weg muß innerhalb des FFH-Gebietes verzichtet werden.

Sowohl die direkte Überbauung als auch die indirekte Beeinträchtigung von Biotopen beschränken sich also auf das unvermeidbare Maß. So bleiben größere zusammenhängende Waldgebiete westlich der gewählten Linienführung in ihrem Zusammenhang erhalten.

4.3.2 Straßenquerschnitt

Der Straßenquerschnitt beschränkt sich auf das unumgängliche Maß. Bei der nachfolgenden Ausführungsplanung und Baudurchführung ist auf einen möglichst harmonischen Übergang von der Straße in die umgebende Landschaft zu achten, in dem die Böschungskanten ausgerundet werden.

4.3.3 Knotenpunkte

Die Anschlusspunkte werden soweit möglich flächensparend und kompakt ausgeführt, damit der Landschaftsverbrauch nicht zu hoch wird.

Nicht mehr benötigte Straßenabschnitte

  • im Anschlußbereich der St 2068 alt (Maßnahmen M 1)
  • im Bereich der Zufahrt zum Gut Schluifeld (Maßnahme M 2)

werden zurückgebaut und im Rahmen von Gestaltungsmaßnahmen begrünt.

4.3.4 Entwässerung

Die Neubautrasse ist weitestgehend in Dammlage angeordnet. Im Dammbereich wird das Oberflächenwasser über die Böschungsflächen breitflächig versickert.

Das anfallende Regenwasser wird in den Einschnittsbereichen in 2,00 m breiten Mulden gesammelt und in den Untergrund versickert. Um dies zu gewährleisten, werden in den 30 cm tiefen Mulden in regelmäßigem Abstand 20 cm hohe Erdschwellen angeordnet. Der Unterbau der Sickermulden wird aus Filterkies angelegt, mit Humus angedeckt und begrünt.

Anfallendes Wasser wird im Bereich der S-Bahnlinie am Tiefpunkt gesammelt und über Pumpenanlagen zu dafür vorgesehenen Absetzbecken und Versickerflächen gefördert.

Die Entwässerung der Geh- und Radwegunterführung bei Bau-km 0 + 333 erfolgt zusätzlich, falls notwendig, zu den angeordneten Sickermulden über Versickerungsschächte, ebenso verhält es sich im Einschnittsbereich bei Bau-km 2 + 950.

Die geplante Trasse liegt zwischen Bau-km 0 + 830 und Bau-km 2 + 100 in der weiteren Schutzzone (W III) des Wasserschutzgebietes Wörthsee.

Im Dammbereich der Trasse sind keine bautechnischen Maßnahmen notwendig, das Oberflächenwasser wird breitflächig über die Böschung entwässert. Im Bereich Unterführung der S-Bahnlinie (München - Herrsching) wird das Oberflächenwasser wie vorstehend beschrieben versickert. Das überschüssige, nicht versickernde Wasser wird mit Pumpen zu einem oben liegenden Absetzbecken mit Tauchwand gefördert. Das dort gereinigte Wasser fließt in ein Versickerbecken, bemessen mit einem 5-jährigen Bemessungsregen, darüber hinaus wird für größere Regenereignissen ein Überlauf in das Gelände vorgesehen.

4.3.5 Schutzmaßnahmen für Amphibien

Nach Art. 6a( 1) BayNatSchG ist der Verursacher eines Eingriffs verpflichtet, vermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft zu unterlassen. Daher sind umfangreiche Vermeidungsmaßnahmen zur Minimierung der Zerschneidungseffekte auf die Tierwelt, insbesondere bei Amphibienwanderungen, vorgesehen.

In der Untersuchung zu Wanderbewegungen von Amphibien kommt das Büro ÖKOKART 1999 zu der Empfehlung insbesondere im nördlichen Streckenabschnitt zwischen der Autobahn und der Grünsinker Straße Leit- und Durchlasssysteme vorzusehen.

Maßnahme M 3

Von Bau-km 2 + 900 bis Bauende werden 6 Durchlässe im Abstand von ca. 30- 50 m vorgesehen. Die Durchlässe haben eine lichte Weite von 100*75 cm.

Als nördlichster Durchlass kann die vorhandene Wegunterführung bei Bau-km 3+330 an der Autobahnauffahrt Verwendung finden. Von hier aus, in südliche Richtung, bis Bau-km 2 + 850, werden feste Leiteinrichtungen in den Böschungsfuß des Fahrbahndammes eingebaut. Diese Leiteinrichtungen bestehen aus Beton L-Steinen, deren Höhe 50 cm beträgt, mit einer Lauffläche von ca. 1,0 m.

Das Gelände im Bereich der Einlässe wird angepasst, gegebenenfalls trichterförmig. Die Steigungen dürfen nicht mehr als 20 % betragen. In den Tiefpunkten vor den Durchlässen muss der Untergrund aus Kiespackungen bestehen, damit das Oberflächenwasser notfalls versickern kann.

Ein Umwandern der Leitsysteme wird verhindert, indem sie auch bei den angeschlossenen Wegen weitergeführt werden. Nach Nordosten bzw. Nordwesten bis zur BAB A96 werden flexible Krötenzäune an den bestehenden Wildschutzzäunen erforderlich.

Maßnahme M 5

Für den Bereich des sog. "Abschnittes 3" (ca. Bau-km 2+100 bis ca. Bau-km 2+500) der "Untersuchung zu Wanderbewegungen von Amphibien im Bereich der Plantrasse" (ÖKOKART 1999) konnte die Notwendigkeit von Leiteinrichtungen noch nicht abschließend geklärt werden: hier wird in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde vor dem tatsächlichen Baubeginn eine erneute Amphibienzählung durchgeführt, um danach die eventuell notwendigen Schutzvorrichtungen (Durchlässe, Leiteinrichtungen) festzulegen.

Für den Baubeginn der Gesamtbaumaßnahme ist zu berücksichtigen, daß die Amphibienzählung ausschließlich im Frühjahr durchgeführt werden kann.

4.3.6 Wildschutzzäune

Grundsätzlich sind aus tierökologischer Sicht dort, wo bestehende Wanderbeziehungen und Wildwechsel unterbrochen werden, weitere Leit- und Lenkungsmaßnahmen wünschenswert.

Es ist daher fachlich und wirtschaftlich sinnvoll, die Auswirkungen der Straße und des Straßenverkehrs auf die Tierwelt zu beobachten und dann ggf. weitere geeignete und ergänzende Maßnahmen zu treffen.

4.3.7 Entnahmen, Deponien, Baubetrieb, Sonstiges

Seitenentnahmen und Deponien, die während der Baudurchführung unter Umständen notwendig werden, werden nicht zu Lasten landschaftsökologisch wertvoller Strukturen angelegt werden. Daher enthalten die Maßnahmenpläne Angaben zu umfangreichen Schutzmaßnahmen (vgl. 4.3.8). Gleiches gilt für die Anlage von Baustelleneinrichtungsflächen und für Zufahrtswege.

Nach Abschluss der Arbeiten werden die Baustelleneinrichtungsflächen wieder begrünt und in den ursprünglichen Zustand versetzt.

Während des Baubetriebes werden die einschlägigen Vorschriften und Richtlinien zum Bodenschutz und zur Reinhaltung von Wasser und Luft beachtet.

Insbesondere in Siedlungsnähe wird darauf geachtet, dass während des Baus die Staubentwicklung sowie Verlärmungen und Erschütterungen soweit möglich eingeschränkt werden.

4.3.8 Schutzzäune

Als Schutzmaßnahme zum Schutz von Bäumen sowie von Waldrändern sind Schutzzäune gemäß RAS-LP 4 vorgesehen.

Die bauzeitliche Inanspruchnahme (seitliche Baufelder) wird in Wäldern auf das unabdingbare Mindestmaß beschränkt.

Die Lage der Schutzzäune kann den landschaftspflegerischen Maßnahmenplänen entnommen werden. Eine tabellarische Auflistung enthält die Tabelle in Anhang 7.

4.4 Unvermeidbare Beeinträchtigungen

Durch den Neubau der St 2068 sind trotz umfangreicher Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen Eingriffe in Natur und Landschaft unvermeidbar.

Die Ursachen liegen in Flächenversiegelungen und in direkten Lebensraumverlusten, in Standortveränderungen der Lebensräume, bei verkehrsbedingten Tierverlusten und in Beeinträchtigungen der Lebensraumfunktionen in straßennahen Biotopen durch Schadstoffverfrachtungen. Hinzu kommen beträchtliche Zerschneidungen von Austausch- und Wanderbeziehungen, die nicht gänzlich minimiert werden können.

4.4.1 Natürliche Grundlagen

Boden

Der Flächenbedarf für die Neubaustrecke beträgt nach Tabelle 2 insgesamt 17,1 ha (einschl. aller Grünflächen). Neu in Anspruch genommen werden 16,3 ha, wovon 2,7 ha neu versiegelt werden. Die Waldflächenverluste betragen 3,1 ha.

Die Bodenverluste, insbesondere durch das hohe Ausmaß an versiegelten Flächen, sind erheblich.

Im Zuge der landschaftspflegerischen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wird eine deutliche Verbesserung der Bodenfunktionen durch die Umwandlung bisheriger landwirtschaftlich genutzter Flächen in naturnahe Ausgleichs- und Ersatzflächen, insbesondere Waldflächen erzielt. Dadurch kann das Ausmaß der Beeinträchtigungen des Schutzgutes Boden auf ein unerhebliches Maß reduziert werden.

Waldflächen

Durch die Umfahrung von Weßling mit der St 2068 entstehen großflächige Waldverluste, insgesamt 3,1 ha.

Geht man davon aus, dass die an die Neubaustrecke grenzenden Buchenbestände sowie die älteren Fichtenbestände mittelfristig durch Windwurf, Rindenbrand oder ähnliches instabil werden, sind weitere umfangreiche Einschläge nicht auszuschließen.

Wasser

Das Vorhaben wird unter Beachtung der wasserwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Vorgaben keine erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes und des Wasserschutzgebietes nach sich ziehen.

Lokalklima

Durch das Straßenbauvorhaben sind keine wesentlichen Auswirkungen auf das Lokalklima zu erwarten. Das Schutzgut Klima wird durch das Vorhaben nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden.

Lufthygiene

Durch den Kfz-Verkehr auf der St 2068 sind zwar Schadstoffbelastungen auf den unmittelbar an den Fahrbahnbereich angrenzenden Straßennebenflächen zu erwarten, Grenz- und Leitwerte werden aber nicht erreicht.

Erhebliche oder nachhaltige Beeinträchtigungen des Schutzgutes Lufthygiene sind außerhalb des Straßennahbereiches nicht zu erwarten.

Die Ortsdurchfahrt Weßling wird deutlich entlastet.

4.4.2 Lebensräume von Pflanzen und Tieren

Die Bestands- und Konfliktpläne M 1:1.000 enthalten eine Darstellung und Beschreibung der erheblichen Eingriffe in die Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Den Konfliktbereichen sind jeweils Textstellen zugeordnet. Neben der Stationierung ist die Art des Eingriffs sowie der betroffene Biotoptyp angegeben.

Die direkte Flächeninanspruchnahme ist durch die geplanten Straßenbaumaßnahmen dargestellt. Die Flächeninanspruchnahme umfasst auch den bauzeitlich notwendigen seitlichen Arbeitsstreifen.

Der Umfang beeinträchtigter Flachen im Störband ergibt sich aus der 50 m breiten Beeinträchtigungszone gemäß Grundsatz 5.1 der Gemeinsamen Bekanntmachung vom 21.6.93.

Die einzelnen Konfliktpunkte sind in Tab. 1 zusammengefasst; der entsprechende naturschutzfachliche Ausgleichs- bzw. Ersatzflächenbedarf ist dort ebenfalls gegenübergestellt.

Die wesentlichen Konfliktbereiche sind nachfolgend angeführt:

  • Anschlussstelle Weßling einschl. Geh-/Radweg-Unterführung; großflächige Überbauung, Isolierung und Beeinträchtigung von Laubwaldbeständen mit naturnahen Elementen bzw. mit hohem Biotopwert (Konflikte Nr. 3 bis 6).
  • Beeinträchtigung von Laubwaldbestand mit naturnahen Elementen (Konflikt Nr. 7)
  • Durchschneidung und Beeinträchtigung eines naturnahen Mischwaldbestandes mit hohem Biotopwert südlich der Bahnlinie nach Herrsching (Konflikt Nr. 8)
  • Durchschneidung und Beeinträchtigung naturnaher Mischwaldbestände im Pfeiferwinkel (Konflikte Nr. 9 bis 11)
  • Zerschneidung der Zuwanderwege von Springfrosch und Erdkröte zwischen den Laichplätzen innerhalb des Golfplatzgeländes und der Landlebensräume östlich der Trasse im Waldgebiet Laich/Taxleiten (Konflikt Nr. 12). Es wird dort voraussichtlich trotz der Amphibienleiteinrichtungen und Durchlässe zu nicht weiter minimierbaren Störungen und Beeinträchtigungen der Austausch- und Wanderbeziehungen bei den Amphibien kommen. Daher wird zusätzlich eine Ausgleichsmaßnahme östlich der Neubaustrecke benötigt.
  • Beeinträchtigung von Laubwaldbeständen mit naturnahen Elementen bzw. mit hohem Biotopwert zwischen Mitterwies und Grünsinker Straße (Konflikt Nr.13)
  • Durchschneidung und Beeinträchtigung naturnaher Laubwaldbestände zwischen Grünsinker Straße und Bauende (Konflikte Nr. 14 und 15).

Fazit

Die Lebensräume von Pflanzen und Tieren (insbesondere relativ naturnahe und ältere Laub- und Mischwälder) werden durch direkte Flächenverluste und indirekte Auswirkungen erheblich beeinträchtigt. Hinzu kommen nicht weiter minimierbare Zerschneidungseffekte auf die Waldlebensräume.

4.4.3 Landschaftsbild und Erholungsfunktionen

Auf Landschaftsbild und Erholungseignung wird die Umfahrung von Weßling mit der St 2068 erhebliche Auswirkungen haben. Die geplante Trasse durchschneidet im gesamten Verlauf bisherige landschaftliche Ruhezonen mit einer guten Naherholungseignung. Auch wenn die Strecke bevorzugt innerhalb der Waldflächen verläuft und über weite Strecken nicht einsichtig ist, entsteht gerade innerhalb der für die Naherholung wichtigen Waldflächen eine gewisse Verlärmung.

Das von der Umfahrungsstrecke unterbrochene Wegenetz wird neu geordnet und wieder hergestellt. Allerdings verbleibt im Bereich der Waldbrücke südlich der Mitterwies ein beeinträchtigender Versatz im Wegeverlauf für den als Wanderstrecke beliebten Forstweg.

Zur Verminderung der Eingriffe in das Landschaftsbild sind landschaftsgerechte und großzügige Gestaltungsmaßnahme der Straßennebenflächen vorgesehen.

Nach Realisierung der Gestaltungsmaßnahmen werden keine erheblichen oder nachhaltigen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zurückbleiben.

4.5 Ermittlung von Eingriff und Ausgleich sowie Ersatz

4.5.1 Grundsätze gemäß der Gemeinsamen Bekanntmachung

Der notwendige Flächenumfang der Ausgleichs- und Ersatzflächen für unvermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft wird entsprechend der Gemeinsamen Bekanntmachung StMi/StMLU vom 21.06.1993 ermittelt.
Zur Anwendung kommen nachfolgende Grundsätze:

Grundsatz 1: Unmittelbare Veränderung von Biotopflächen

Für die unmittelbare Veränderung von Biotopflächen beträgt die Ausgleichsfläche für die veränderte Biotopfläche B:

Grundsatz 1.2: für wiederherstellbare, den Kriterien der Biotopkartierung entsprechende Biotope mit längerer Entwicklungszeit (Wälder mit hoher Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere) Bx1,1.
Gemäß der "Synopse - Erläuterungen und Hinweise zur Anwendung der Grundsätze" der OBB vom 25.01.1996 ist bei der Zuordnung betroffener Biotope zu Grundsatz 1 allein maßgebend, ob die qualitativen (= fachlichen) Kriterien der Kartieranleitung zugrunde liegen. Ungeachtet der Streichung in der Kartierungsanleitung des LfU sind auch für Wälder die aufgeführten Kriterien der Biotopkartierung. anzuwenden.
Einige Waldflächen im Gebiet weisen hohe bis sehr hohe Anteile an naturnahen Elementen auf: charakteristische Alters- und Bestandsstruktur, Unterwuchs aus standorttypischen und gesellschaftstypischen Arten, hoher Totholzanteil, gut ausgebildeter Waldmantel; die Flächen haben eine hohe Bedeutung für den Artenschutz.

Grundsatz 1.3: für nicht wiederherstellbare Biotope (Wälder mit sehr hoher Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere) Bx2,0.
Als naturnahe Wälder mit hohem Biotopwert wurden die Altbestände gewertet, da Alter und Strukturreichtum schon allein aus zeitlichen Gründen nicht ausgleichbar ist. Altbestände sind darüber hinaus generell selten und von besonders hoher Bedeutung für die Tierwelt.

In Anbetracht des hohen Waldanteils im Umgriff des Untersuchungsgebietes wurden bei der Eingriffsbewertung nach den Grundsätzen 1.2 und 1.3 jeweils der untere Wert des Ausgleichsfaktors angesetzt, da in der Gegend grundsätzlich weitere und flächenmäßig beachtliche wertvolle Wälder existieren und insofern keine unersetzlichen und einmaligen Mangelbiotope bzw. Sonderstandorte beansprucht werden.

Die unmittelbare Beeinträchtigung von nicht wiederherstellbaren Biotopen gemäß Grundsatz 1.3 (also auch von Altwäldern) führt zu einem nicht ausgleichbaren Eingriff und damit zur Notwendigkeit von Ersatzmaßnahmen.

Grundsatz 1.4: Bei Biotopflächen, die bereits vorher in der Beeinträchtigungszone einer bestehenden Straße lagen, verringern sich die in den Grundsätzen 1.2 und 1.3 genannten Faktoren um 0,5.
Die Beeinträchtigungszone ist an der St 2068 alt - wegen der hohen Verkehrsbelastung gemäß Grundsatz 5.1 50 m breit, an der St 2349 - wegen der geringen Verkehrsbelastung - nur 10 m.

Grundsatz 2: Verlust des Biotopwertes durch Verkleinerung

Wird eine Waldfläche ( als Biotopfläche) so verkleinert, dass die verbleibende ( sehr viel kleinere) Restfläche ihren Biotopwert weitgehend verliert (z.B. durch Besonnung, Durchblasung, Einwandern nicht standorttypischer Arten), so soll auch für diese Restfläche Ausgleich gemäß Grundsatz 1 geleistet werden.

Grundsatz 3: Versiegelung  land- bzw. forstwirtschaftlich intensiv genutzter Flächen

Grundsatz 3.1: Für die Versiegelung (Fahrbahnen, Parkplätze, Seitenwege, auch mjt wassergebundener Decke, u.ä.) von Äckern und intensiv genutztem Grünland (Versiegelungsfläche V) soll die Ausgleichs- bzw. Ersatzfläche V x 0,3 betragen.

Grundsatz 3.2: Für die Versiegelung von Flächen in Wäldern, die nicht von Grundsatz 1 erfasst werden, soll die Ausgleichs- bzw. Ersatzfläche V x 1,0 betragen.

Grundsatz 3.3: Für die Versiegelung der Sukzessionsflächen südlich der A 96 als Teil der Gestaltungsmaßnahmen der Autobahndirektion wird ebenfalls V x 1,0 angesetzt, da die Flächen einer intensiven Nutzung dauerhaft entzogen sind.

Grundsatz 4: Vorübergehende unmittelbare Beeinträchtigung

Der Grundsatz wird angewendet auf Baufelder im Wald, wenn der Wald als wiederherstellbares Biotop gemäß Grundsatz 1.2 bzw. als nicht wiederherstellbares Biotop gemäß Grundsatz 1.3 einzustufen ist. Die Faktoren betragen dann 0,6 bzw. 1,5.
Die Lage in Beeinträchtigungszone gemäß Grundsatz 1.4 wird mit einem Abschlag von 0,5 berücksichtigt.

Grundsatz 5: Mittelbare Beeinträchtigung straßennaher Biotope

Grundsatz 5.1: Für die mittelbare Beeinträchtigung straßennaher Biotope, die den Kriterien der Biotopkartierung entsprechen, soll Ausgleich auf einer Fläche geschaffen werden, deren Größe 50 % der beeinträchtigten Biotopfläche beträgt, soweit diese vom Fahrbahnrand entfernt ist:

bei einem prognostizierten Verkehrsaufkommen DTV (Kfz/Tag) weniger als (=Beeinträchtigungszone )
500 - 2. 000/St 2349 10 m
> 10.000/St 2068 50m

Grundsatz 5.3: Beim Ausbau bestehender Straßen ist Ausgleich bzw. Ersatz nach diesem Grundsatz nur zu leisten für die Beeinträchtigung von Biotopflächen, die bisher außerhalb der für die bestehenden Straßen St 2068 bzw. 2349 geltenden Beeinträchtigungszone bzw. erweiterten Beeinträchtigungszone lagen.

Grundsatz 6: Abstand der Ausgleichsflächen vom Fahrbahnrand

Grundsatz 6.1: Ausgleichsmaßnahmen in Form der Neu- oder Wiederschaffung von Biotopen sollen außerhalb der Beeinträchtigungszone von 50 m Breite liegen.

Grundsatz 6.2: Soweit Maßnahmen in begründeten Ausnahmefällen innerhalb der Beeinträchtigungszone liegen, ist die verminderte Qualität durch eine Verdoppelung der Ausgleichsflächen auszugleichen.

Der Kompensationsflächenbedarf liegt bei insgesamt 6,46 ha - siehe hierzu die Tab. 1.

4.5.2 Ausgleichsmaßnahmen

3,6 ha Ausgleichsflächen werden für die Kompensation ausgleichbarer Eingriffen benötigt

  • für die Versiegelung von land- oderforstwirtschaftlich intensiv genutzten FIächen
  • für die Überbauung und Beeinträchtigung von Misch- und Laubwäldern mit natur nahen Elementen
  • für die mittelbaren Beeinträchtigungen von naturnahen Laub- und Mischwäldern mit hohem Biotopwert
  • für die Zerschneidung der Teillebensräume des Springfrosches sowie
  • für die Versiegelung der Gestaltungsmaßnahmen der Autobahndirektion Südbayern im Bereich der Anschlußstelle zur BAB 96.

4.5.3 Ersatzmaßnahmen

Nicht ausgleichbar sind die Eingriffe in naturnahe Laubwälder mit hohem Biotopwert:

  • Konflikt Nr. 3 - Bau-km 0+080 bis Bau-km 0+130 rechts der St 2068: Überbauung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit
  • Konflikt Nr. 6 - Bau-km 0+280 bis Bau-km 0+450 mit Anschluß der St 2068 alt und mit Unterführung Geh- und Radweg: Überbauung, Verlust des Biotopwertes durch Verkleinerung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit
  • Konflikt Nr. 8 - Bau-km 0+930 bis Bau-km 1+020: Überbauung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit
  • Konflikt Nr. 9 - Bau-km 1+540 bis Bau-km 1+750: Überbauung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit.
  • Konflikt Nr. 10 - Bau-km 1+980 bis Bau-km 2+130: Überbauung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit
  • Konflikt Nr. 14 - Bau-km 2+890 bis Bau-km 3+290: Überbauung und unmittelbare Beeinträchtigung während der Bauzeit.

Insgesamt werden für die Kompensation nicht ausgleichbarer Eingriffe 2,9 ha Ersatzflächen benötigt.

5. Landschaftspflegerische Maßnahmen

Die Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege umfassen Gestaltungs- sowie Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Inhalt und Ausgestaltung der Maßnahmen richten sich im wesentlichen nach dem landschaftspflegerischen Leitbild für den Raum südwestlich von Weßling.

Das Arten- und Biotopschutzprogramm des Lkrs. Starnberg empfiehlt für das Gebiet v.a. den Umbau monostrukturierter Fichtenwälder in Laub- und Mischwälder sowie die Entwicklung naturnaher Wälder. Besonders zu fördernde Tierarten sind der Springfrosch und bei den Fledermäusen als charakteristische Art das Große Mausohr.

5.1 Ausgleichskonzept Naturhaushalt/Landschaftsbild

Insgesamt ergibt sich eine naturschutzfachliche Ausgleichs- und Ersatzflächenerfordernis von 6,46 ha. Da sich aus der Art der Eingriffe (nämlich Inanspruchnahme von überwiegend Waldflächen) inhaltlich v.a. die Forderung nach Aufforstungen/Bestandsgründungen naturnaher Laub- bzw. Mischwälder ergibt, sind im Rahmen der naturschutzrechtlichen Kompensation ebenfalls die forstrechtlich gebotenen Erstaufforstungen möglich.

Die Lage der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ist überwiegend abhängig von den Grunderwerbsmöglichkeiten, sollte aber auf die nähere Umgebung des Eingriffsgebietes (Gemeinden Weßling, Seefeld oder Wörthsee) beschränkt bleiben.

Mit Umsetzung aller Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in dem naturschutzrechtlich notwendigen Flächenumfang von mind. 6,46 ha (ermittelt nach den Gemeinsamen Grundsätzen von 1993) sind in Verbindung mit den notwendigen Amphibienschutz- bzw. leiteinrichtungen im nördlichen Streckenabschnitt alle erheblichen oder nachhaltigen Eingriffe in Natur und Landschaft kompensiert, d.h. ausgeglichen bzw. im Rahmen von Ersatzmaßnahmen gleichartig ersetzt.

Die Gestaltungsmaßnahmen sollen einerseits die Straße in die Landschaft einbinden sowie andererseits die Verkehrssicherheit erhöhen. Dabei sind sowohl die Belange der Verkehrssicherheit und der Verkehrsteilnehmer (Innensicht) als auch die Belange der Anwohner und Erholungssuchenden (Außensicht) zu berücksichtigen. Die Innensicht erfordert eine optische Führung insbesondere in Außenkurven, aber auch eine abwechslungsreiche, auf die Umgebung und den Naturraum abgestimmte Grüngestaltung, die die erforderlichen Sichtfelder freihält und ausreichende Ausblicke in die umgebende Landschaft zulässt.

5.2 Ausgleichsmaßnahmen

Die 1,0 ha große Ausgleichsmaßnahme A1 am südlichen Waldrand von Taxleiten dient vorwiegend dem Ausgleich der nicht weiter minimierbaren Eingriffe in die Wander- und Austauschbeziehungen des Springfrosches, aber auch anderer Amphibienarten, zwischen den geschlossenen Waldgebieten östlich der Neubaustrecke und den Laichgewässern am Golfplatz Schluifeld.

Ideal für die vorrangig relevanten Arten Springfrosch und Erdkröte sind mittelgroße Weiher mit mäßig steilen sowie flachen Uferausbildungen und einer Tiefe von 40 bis 70 cm , auf Teilflächen bis unter 1 m. Die einzelnen Gewässerflächen sollen laut ÖKOKART (1999) mind. 15x20 m betragen.

In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde ist nur diese Maßnahme A1 am Südrand des Waldgebietes Taxleiten in der Geländesenke nordwestlich des neuen Aussiedlerhofes vorgesehen. Weiter westlich gelegene Bereiche am Waldrand sind nur bedingt geeignet, da sich dort wegen des abfallenden Geländes erhebliche Geländebewegungen ergeben würden.

Von einer Anlage von Ersatzlaichgewässern innerhalb von Waldflächen wird Abstand genommen, da für die im Frühjahr notwendige sehr frühzeitige und starke Erwärmung der Wassertemperatur eine volle Besonnung notwendig ist. Um diese volle Besonnung zu erreichen, müssten aber unverhältnismäßig große Hochwaldbestände eingeschlagen werden. Für die Ausgleichsmaßnahme A1 "Ersatzlaichgewässer" kommt folglich nur die Geländesenke nordwestlich des Aussiedlerhofes in Frage. Um störende Randeinflüsse ausreichend zu minimieren, empfiehlt sich eine Flächengröße von mind. 1 ha.

Geplant sind hier vier Ersatzlaichgewässer mit einer Gesamtgröße von 0,15 ha, 0,20 ha strauchreiche Hecken, 0,55 ha extensive Krautfluren und 0,10 ha Sukzessionsfläche.

Die Ausgleichsmaßnahmen Nr. A2 und A3 dienen vorwiegend der Kompensation ausgleichbarer Eingriffe in Laub- und Mischwälder mit naturnahen Elementen sowie der Kompensation der mittelbaren (indirekten) Beeinträchtigungen von (alten) Laub- und Mischwäldern mit hohem Biotopwert.

Die Maßnahme A2 südlich der Bahnlinie ist auf einer 0, 77 ha großen Restfläche, die an zwei Seiten bereits an Wald grenzt, geplant. Nachdem sich 0,07 ha Fläche - innerhalb der Beeinträchtigungszone der St 2068 neu befinden, beträgt die naturschutzrechtlich anrechenbare Fläche nur 0,73 ha.

Die Maßnahme A3 südlich von Weßling ist auf 1,80 ha Flächen, die im Süden und teilweise auch im Osten bereits an Wald grenzen, geplant. Nachdem sich 0,35 ha Fläche innerhalb der Beeinträchtigungszone der St 2068 alt befinden, beträgt die naturschutzrechtlich anrechenbare Fläche nur 1,62 ha.

5.3 Ersatzmaßnahmen

Nicht ausgleichbar sind die Eingriffe in naturnahe Laubwälder mit hohem Biotopwert. Aufgrund des hohen Bestandsalters der Bäume ist eine Wiederherstellung in planungsrelevanten Zeiträumen nicht gesichert; daher wird Ersatz notwendig.

Die Ersatzmaßnahme E1 nördlich der Bahnlinie ist auf einer 3,65 ha großen Fläche, die im Westen bereits an Wald grenzt, geplant. Vorgesehen ist die Neubegründung eines naturnahen Mischwaldes aus standortheimischen Baumarten. Da sich 1,07 ha Fläche innerhalb der Beeinträchtigungszone der St 2068 neu befinden, beträgt die naturschutzrechtlich anrechenbare Fläche nur 3,11 ha.

5.4 Ersatzaufforstungsflächen

Übersicht:

  naturschutzrechtlich anrechenbare  Fläche Aufforstungsfläche
Ausgleichsmaßnahme A 1 1,00 ha

3,35 ha

--
Ausgleichsmaßnahme A 2 0,73 ha 0,7 ha
Ausgleichsmaßnahme A 3 1,62 ha 1,2 ha
Ersatzmaßnahme E 1 3,11 ha   3,0 ha
Summe 6,46 ha   4,9 ha

Im Rahmen der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden etwa 4,9 ha aufgeforstet bzw. sonstwie zu gehölzbestockten Flächen entwickelt.

Somit können damit auch ausreichend Ersatzflächen für die Waldflächenverluste in Höhe von 3,1 ha zur Verfügung gestellt werden.

5.5 Gestaltungsmaßnahmen

Die Ziele der Gestaltungsmaßnahme lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • eine geländenahe Gradientenführung der bestmöglichen Anpassung der Straße an das natürliche Relief
  • Erhalt landschaftspflegender Elemente und Strukturen
  • optische Linienführung in den Außenkurven
  • Sichtschutz für die Anwohner
  • Erhalt von freien Ausblicken in die Landschaft und Erlebbarmachung landschaftsprägender Elemente und Strukturen.

Im Bereich der alten Anschlussstelle mit der St 2349 hat die Autobahndirektion Südbayern in den letzten Jahren umfangreiche Gestaltungsmaßnahmen durchgeführt: Aufforstungen, Sukzessionsflächen bzw. Krautfluren, Einzelbaumpflanzungen. Die Versiegelung von Sukzessionsflächen sowie von Aufforstungsflächen wird durch zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen (vgl. Tab. 1) ausgeglichen. Die übrigen Flächenverluste werden im Rahmen der Gestaltungsmaßnahme der St 2068 kompensiert. Die vor kurzem gepflanzten Einzelbäume werden verpflanzt in die Gestaltungsfläche der St 2068 und bleiben somit erhalten.

Die neu zu bauenden Feldwege sollen mit einer ortsüblichen wassergebundenen Decke (Kieswalzdecke) ausgebildet werden.

Die Lage und Ausbildung der Maßnahmen im einzelnen ist den Maßnahmenplänen sowie der Tabelle in Anhang 7 zu entnehmen.

5.6 Hinweise zur Umsetzung

Gehölzpflanzungen

Gehölzstreifen an den Böschungen und auf Rest- und Zwickelflächen eignen sich hervorragend zur Einbindung der Straße in die Landschaft. Innerhalb der Waldflächen dienen Pflanzmaßnahmen dem Vorbau von strauchreichen Waldmänteln, um die dahinter liegenden Hochwaldflächen zu stabilisieren.

Zur Verwendung kommen folgende Gehölzarten:

Bäume

20 % Quercus robur Stieleiche
20 % Carpinus betulus Hainbuche
15 % Betula pendula Sandbirke
15 % Sorbus aucuparia Eberesche
10 % Fraxinus excelsior Esche
10 % Acer pseudoplatanus Bergahorn
10 % Ulmus glabra Bergulme

Sträucher

15 % Crataegus monogyna Weißdorn
15 % Corylus avellana Hasel
15 % Lonicera xylosteum Heckenkirsche
15 % Salix caprea Salweide
10 % Viburnum lantana Wolliger Schneeball
10 % Rhamnus cathartica Kreuzdorn
10 % Ligustrum vulgare Liguster
5 % Cornus sanguinea Hartriegel
5 % Euonymus europaeus Pfaffenhütchen

Für flächige Pflanzungen werden dreijährig verpflanzte Sämlinge und leichte Sträucher verwendet. In Gehölzstreifen sollen verpflanzte Heister sowie verpflanzte Sträucher eingesetzt werden. Die Pflanzabstände betragen in den flächigen Pflanzungen 1x1,5 m, in den schmäleren Gehölzstreifen 1 x1 m.

Gestalterisch hervorgehobene Gehölze werden als Hochstämme oder Stammbüsche mit einem Stammumfang von mindestens 16-18 cm gepflanzt.

Ansaaten

Sofern die Böschungen nicht bepflanzt werden, sollen sie zur Sicherung gegen Oberflächenerosion angesät werden. Es empfiehlt sich die Verwendung der RegeI-Saatgut-Mischungen (RSM) für normale, trockene (höhere Dammböschungen) oder auch feuchte Lagen (Mulden, Regenrückhaltebecken). Die Ansaat erfolgt im Trocken- oder Nasssaatverfahren. Das maschinelle Anspritzverfahren (Nassansaat) hat drei Vorteile: Auf einen Oberbodenauftrag kann verzichtet werden, große und schwer zugängliche Böschungen werden leichter erreicht, ohne Oberboden ist der Aufwuchs i.d.R. magerer bei geringeren Pflegekosten und höherem naturschutzfachlichen Wert. Ob eine oberbodenlose Begrünung sinnvoll bzw. möglich ist, sollte nach Standsicherheitsbetrachtngen der Böschungen festgelegt werden.

Ebene Flächen, z.B. Rest- und Zwickelflächen werden trocken angesät. Zur Verwendung kommen Regelsaatgutmischungen für normale Lagen; in den Geländesenken eine Regelsaatgutmischung für Feuchtlagen.

5.7 Pflegehinweise

Die Pflanzungen an den Böschungen sind abschnittsweise zur Verjüngung auf den Stock zu setzen. Dabei sollen Überhälter soweit möglich erhalten werden.

Die Krautsäume sind einmal jährlich im Spätsommer zu mähen.

Die Durchlässe und die Amphibienleiteinrichtungen sind durch regelmäßige Kontrollen zu Beginn des Frühjahrs auf ihre Funktionsfähigkeit zu prüfen. Dabei müssen insbesondere Wanderhindernisse beseitigt werden. Die Funktionsfähigkeit der Durchlässe soll durch faunistische Begleituntersuchungen überwacht und dokumentiert werden. Ebenso sind gelegentliche Stichproben an den Ersatzlaichgewässern notwendig, um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können und die Funktionsfähigkeit als Laichgewässer aufrecht zu erhalten.

6. Abschätzung der FFH-Verträglichkeit

Die Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 über die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen - kurz: FFH-Richtlinie - will das Europäische Biotopverbundnetz "Natura 2000" mit einer repräsentativen Auswahl aller Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse zum Schutz der biologischen Vielfalt in Europa aufbauen. Erhaltungsmaßnahmen sind notwendig für speziell ausgewählte Tier- und Pflanzenarten, die in der EU in ihrem Bestand bedroht sind und dementsprechend besonders geschützt werden sollen. Darüber hinaus sind spezielle Lebensraumtypen aufgeführt, die ebenfalls gesichert werden sollen. Vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten sowie besonders gefährdete Lebensräume sind als prioritär gekennzeichnet und genießen einen verstärkten Schutz.

Für alle FFH-Gebiete gilt ein Verschlechterungsverbot, das sich auf die Erhaltungsziele bezieht. Bei möglichen Auswirkungen auf die Erhaltungsziele ist eine Verträglichkeitsprüfung durchzuführen.

Im Planungsgebiet zur Westumfahrung von Weßling liegen Natura 2000-Gebiete.

Nachfolgend werden Grundlagen für eine Verträglichkeitsabschätzung erarbeitet. Falls eine erhebliche Beeinträchtigung der Erhaltungsziele ernsthaft in Betracht kommt, ist nachfolgend eine Verträglichkeitsprüfung durchzuführen.

6.1 Bestandserfassung

Gebiet Nr. 7933/301 Schluifelder Moos und Bulachmoos

Lage zum Projekt

Das FFH-Gebiet mit einer Größe von 74 ha liegt im nördlichen Abschnitt der Westumfahrung von Weßling jenseits des Golfplatzes Schluifeld in einer Entfernung von etwa 450 bis 600 m zur Neubaustrecke.

Erhaltungsziele

Das Toteiskessel-Moorgebiet bietet mit dem Schluifelder Moos einen der großflächigsten und vielgestaltigsten Übergangsmoor- und Schwingrasenkomplexe Bayerns sowie das Bulachmoos mit bedeutsamen Kolken. Das FFH-Gebiet Schluifelder Moos und Bulachmoos ist Lebensraum zahlreicher sehr seltener Tier- und Pflanzenarten. Hervorzuheben sind die prioritären Lebensräume kalkreiche Sümpfe und Moorwälder; weitere Lebensraumtypen sind dystrophe Seen, Pfeifengraswiesen, Übergangs- und Schwingrasenmoore sowie kalkreiche Niedermoore. Tierarten gemäß Anhang 4 der FFH-Richtlinie sind der Springfrosch und der kleine Wasserfrosch.

Ausprägung der Lebensräume und Arten

Aus den amphibienkundlichen Untersuchungen (vgl. Anhang 2 des Erläuterungsberichts zum LBP - Unterlage 12.0) liegen für das Untersuchungsgebiet u.a. Nachweise von Springfrosch (siehe hierzu auch die Untersuchung von ÖKOKART aus dem Jahr 1999) und "Wasserfrosch" (darunter vermutlich auch der Kleine Wasserfrosch) vor.

Der Springfrosch hat im Gebiet südwestlich von München einen landesweiten Verbreitungsschwerpunkt. Nachweise liegen vor von den Laichgewässern am Golfplatz Schluifeld, von einem Laichgewässer östlich des Aussiedlerhofes in etwa 700 m Entfernung zur Neubaustrecke sowie von den beiden Laichplätzen im Dellinger Buchet in 550 bzw. 850 m Entfernung westlich der St 2068 neu. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor. Der Springfrosch nutzt verschiedene Gewässertypen zur Laichablage. Als Landlebensraum bevorzugt er lichte Laubwälder (in wärmebegünstigten Lagen), Waldränder, Schonungen und ähnliche lichtere Stellen. Die Sommerlebensräume können über einen Kilometer vom Laichgewässer entfernt sein.

Die Nachweise des Wasserfrosches beschränken sich auf die Laichgewässer am Golfplatz sowie den Laichplatz östlich des Aussiedlerhofes. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor. Der Wasserfrosch bevorzugt dauerhaft wasserführende Laichgewässer, im Gebiet sind dies v.a. Weiher. Die adulten Tiere bleiben überwiegend ganzjährig am Laichgewässer, die Jungtiere sind aber sehr wanderfreudig.

Gebiet Nr. 7833/301 Kessellandschaft und Buchenwälder westlich Gilching und um Weßling

Lage zum Projekt

Das FFH-Gebiet umfasst insgesamt fünf Teilflächen auf den Messtischblättern TK 25 Nr. 7833 bzw. 7933 in den Landkreisen Starnberg und Fürstenfeldbruck. Die fünf Teilflächen zusammen weisen eine Fläche von 1.034 ha auf.

Das Teilgebiet 301.03 umfasst auf einer Fläche von 64 ha den südlichen Teil des Schluifelder Waldes nördlich von Weßling bis hin zur Staatsstraße 2349 bei Grünsink. Das Gebiet liegt damit etwa 500 m östlich der Neubaustrecke. Die Teilfläche 301.04 umfasst mit einer Flache von 62 ha den Südteil des Dellinger Buchet und schließt unmittelbar westlich an die alte St 2068 nördlich von Delling an. Das Teilgebiet Nr. 301.05 umfasst mit einer Fläche von 139 ha die Waldflächen am Kalkofenberg nördlich von Delling und schließt unmittelbar östlich an die alte St 2068 an.

Erhaltungsziele

Im FFH-Gebiet geschützt sind insbesondere die Buchenwälder und die zahlreichen Toteiskesselmoore. Bemerkenswert sind die Vorkommen zahlreicher und teilweise sehr seltener Reliktarten.

Hervorzuheben sind die prioritären Lebensräume naturnahe Kalktrockenrasen und ihre Verbuschungsstadien sowie artenreiche montane Borstgrasrasen; hinzu kommen als prioritäre Lebensraumtypen Moorwälder und Auenwälder. Prioritäre Lebensräume kommen im Einwirkungsbereich der St 2068 neu nicht vor.

Weitere Lebensräume sind natürliche eutrophe Seen, Pfeifengraswiesen, feuchte Hochstaudenfluren, degradierte Hochmoore, Übergangsmoore, kalkreiche Niedermoore und - mit dem weitaus größten Flächenanteil - Waldmeister-Buchenwälder neben Orchideen-Kalkbuchenwäldern. Die Laub- und Mischwälder innerhalb des Untersuchungsgebietes der landschaftspflegerischen Begleitplanung sind überwiegend als WaIdmeister-Buchenwälder anzusprechen.

Bei den Tier- und Pflanzenarten von Bedeutung im Sinne der Anhänge 2 bzw. 4 der FFH-Richtlinie sind die Gelbbauchunke, der Frauenschuh, der Laubfrosch, der Springfrosch, der Kleine Wasserfrosch und der Kammmolch. Vogelarten (nach Anhang 1 der Vogelschutzrichtlinie) sind Brachpieper, Schwarzspecht, Neuntöter und Grauspecht.

Ausprägung der Lebensräume und Arten

Der an die St 2068 angrenzende Waldbestand - Code "WM 3" der Bestandsaufnahme (vgl. LBkP-Unterlage 12.1, Blatt 1) - ist ein Laubwald mittleren Bestandsalters.

Für den Frauenschuh liegen keine Nachweise für das Eingriffsgebiet an der Dellinger Höhe vor; Vorkommen finden sich im Bereich Taxleiten.

Die Neubaustrecke ist bezüglich der Vogelvorkommen untersucht worden (vgl. Anhang 3 des Erläuterungsberichtes zum LBP-Unterlage 12.0).

Der Schwarzspecht ist Nahrungsgast. Nachweisorte sind Dellinger Höhe, Dellinger Buchet und auch der Bereich Taxleiten. Er benötigt als Bruthöhe alte Waldbestände, v.a. Buchenwälder. Eine Bruthöhle ist gemäß den vogelkundlichen Erhebungen (Anhang 3 der Unterlage 12.0) im Eingriffsbereich der St 2068 neu höchstwahrscheinlich nicht vorhanden.

Vom Brachpieper liegt für das Untersuchungsgebiet der landschaftspflegerischen Begleitplanung kein Nachweis vor.

Der Neuntöter wurde als Brutvogel südlich der Neubaustrecke an der Meilinger Breite und damit außerhalb des Einwirkungsbereiches der Ortsumfahrung nachgewiesen.

Der Grauspecht wurde für den Bereich Taxleiten und für die östlich anschließenden Hutebestände als Brutvogel nachgewiesen. Als Nahrungslebensraum wird auch der Westrand des Schluifelder Waldes genutzt, die Bruthöhle befindet sich höchstwahrscheinlich außerhalb des Einwirkungsbereiches der St 2068 neu.

Aus den amphibienkundlichen Untersuchungen (vgl. Anhang 2 des Erläuterungsberichts zum LBP - Unterlage 12.0) liegen für das Untersuchungsgebiet Nachweise von Gelbbauchunke, Laubfrosch, Springfrosch (siehe hierzu auch die Untersuchung von ÖKOKART aus dem Jahr 1999) und "Wasserfrosch" (darunter vermutlich auch der Kleine Wasserfrosch) vor.

Die Gelbbauchunke besiedelt v.a. kleinere Pioniergewässer; ein Nachweis liegt von einem Flachgewässer im Wald südlich der Bahnlinie in etwa 850 m Entfernung zur St 2068 neu vor. Weitere Vorkommen in tieferen Fahrspuren oder Tümpeln in den Wäldern des Untersuchungsgebiets sind möglich. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor.

Beim Laubfrosch liegen mehrere Nachweisorte vor: Neben den Laichgewässern auf dem Gelände des Golfplatzes Schluifeld ca. 300 m westlich der Neubaustrecke gibt es auch Laichplätze im Dellinger Buchet ca. 550 bzw. 850 m westlich der St 2068 neu. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor. Der Laubfrosch entfernt sich bis zu 600 m vom Laichgewässer. Er bevorzugt nicht oder nur extensiv genutztes Offenland als Landlebensraum.

Der Springfrosch hat im Gebiet südwestlich von München einen landesweiten Verbreitungsschwerpunkt. Nachweise liegen vor von den Laichgewässern am Golfplatz Schluifeld, von einem Laichgewässer östlich des Aussiedlerhofes. In etwa 700 m Entfernung zur Neubaustrecke sowie von den beiden Laichplätzen im Dellinger Buchet in 550 bzw. 850 m Entfernung westlich der St 2068 neu. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor. Der Springfrosch nutzt verschiedene Gewässertypen zur Laichablage. Als Landlebensraum bevorzugt er lichte Laubwälder (in wärmebegünstigten Lagen), Waldränder, Schonungen und ähnliche lichtere Stellen. Die Sommerlebensräume können über einen Kilometer vom Laichgewässer entfernt sein.

Die Nachweise des Wasserfrosches beschränken sich auf die Laichgewässer am Golfplatz sowie den Laichplatz östlich des Aussiedlerhofes. Aus dem Bereich der Anschlussstelle südlich von Weßling liegt kein Nachweis vor. Der Wasserfrosch bevorzugt dauerhaft wasserführende Laichgewässer, im Gebiet sind dies v.a. Weiher. Die adulten Tiere bleiben überwiegend ganzjährig am Laichgewässer, die Jungtiere sind aber sehr wanderfreudig.

Vorn Kammmolch liegt für das Untersuchungsgebiet kein Nachweis vor.

6.2 Abschätzung der Auswirkungen auf das Schluifelder Moos

Das FFH-Gebiet liegt etwa 450 bis 600 m westlich der Neubaustrecke. Direkte Beeinträchtigungen sind auszuschließen. FFH-Lebensräume und die Standorte von Pflanzen im Schluifelder Moos werden weder überbaut noch sonstwie direkt beeinträchtigt.

Abschätzung der Auswirkungen auf den Wasserhaushalt

Abzuschätzen sind mögliche mittelbare Beeinflussungen des Wasserhaushaltes mit evtl. Folgen für die Erhaltungsziele. Der freie Wasserspiegel im Moos liegt bei etwa 574 m üNN. Das Moorbecken ist mit tonig-schluffigen Sedimenten ausgekleidet und somit als dicht anzusehen. Das Schluifelder Moor ist ein Verlandungsmoor. Offene Hochmoorbildungen westlich des Bulach-Baches werden im Osten und Nordosten von Übergangsmooren umgeben. Der äußere Streifen des Mooses wird überall von Niedermoor gebildet. Dieses zeigt sogleich den höchsten Wasserstand an. Angesichts der hohen Gebietsniederschläge ist das Schluifelder Moos nicht von einer Einspeisung von Grundwasser abhängig. Das Gebiet des Schluifelder Beckens speist im Gegenteil in das Grundwasser ein, da die Gebietsverdunstung wesentlich niedriger als der mittlere Jahresniederschlag ist.

Die Neubaustrecke berührt nach vorliegende Erkenntnissen aus dem hydrogeologischen Gutachten zur Einzugsgebietsermittlung für den Brunnen III der Gde. Wörthsee (Verfasser: Dr. Blasy + Mader, Eching a. Ammersee, 17.01.2000) sowie aus den Erkundungsbohrungen für die St 2068 im Bereich der Bahnkreuzung am 28.10.1999 die Grundwasserverhältnisse des Schluifelder Mooses nicht. Bei den Erkundungsbohrungen wurde Grundwasser erst in 10,5 m Tiefe erbohrt; die Mächtigkeit des Grundwasserstockes ist mit 0,5 m gering; über das Jahr sind keine großen Schwankungen zu erwarten.

Abschätzung der Auswirkungen auf die Wasserqualität

Beeinträchtigungen der Wasserqualität im Schluifelder Moos sind nicht zu erwarten. Die Neubautrasse ist weitestgehend in Dammlage angeordnet. Das Oberflächenwasser wird über die Böschungsflächen abgeleitet und breitflächig versickert. Das anfallende Regenwasser in den Einschnittsbereichen wird ebenfalls in den Untergrund versickert. Die Grundwasserqualität bleibt erhalten. Im Dammbereich sind selbst im Wasserschutzgebiet keine bautechnischen Maßnahmen notwendig. Im Bereich der Unterführung der S-Bahnlinie wird das Oberflächenwasser in begrünten Mulden versickert. Überschüssiges Wasser wird zunächst zur Reinigung in ein Absetzbecken mit Tauchwand gepumpt und fließt dann in ein Versickerbecken.

Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Verminderung von Beeinträchtigungen sowie Minderung der Gebietsbeeinträchtigung durch Ausgleichsmaßnahmen nach der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung

Indirekte Beeinträchtigungen der Lebensräume durch mittelbare Auswirkungen des Straßenbauvorhabens sind auszuschließen. Es sind weder direkte noch indirekte Beeinträchtigungen an Standorten für Pflanzen im Schluifelder Moos zu erwarten.

Lebensraumverluste für die Populationen der FFH-Arten Springfrosch und Wasserforsch sind nicht zu erwarten. Nicht auszuschließen sind hingegen mögliche Beeinträchtigungen durch Zerschneidungeffekte.

Die adulten Wasserfrösche bleiben überwiegend ganzjährig am Laichgewässer und sind somit kaum von der Neubaustrecke betroffen. Eine Auswirkung auf die Wasserfroschpopulation im FFH-Gebiet ist auszuschließen. Die sehr wanderfreudigen Jungtiere sind allerdings bei der Querung der St 2068 gefährdet. Als Minimierungsmaßnahme ist der Einbau von Leiteinrichtungen und Amphibiendurchlässen vorgesehen, so dass grundsätzlich ein weiträumiger Austausch zwischen den Wasserfroschpopulationen des Gebietes möglich bleibt. Die Population der Art östlich der Neubaustrecke wird ferner durch die Ersatzlaichgewässer der Ausgleichsmaßnahme Nr. A 1 gefördert.

Der Springfrosch nutzt verschiedene Gewässertypen zur Laichablage. Die bedeutendsten Laichplätze sind auf dem Gelände des Golfplatzes. Als Landlebensraum bevorzugt er lichte Laubwälder, Waldränder, Schonungen und ähnliche lichtere Stellen. Die Sommerlebensräume können über einen Kilometer vom Laichgewässer entfernt sein. Daher kommt es zwischen dem Golfplatz und den östlich der St 2068 gelegenen Waldgebieten zu erheblichen Verkehrsgefährdungen und Zerschneidungseffekten. Zur Minimierung der Eingriffe werden von Bau-km 2 + 900 bis Bauende werden 6 Durchlässe im Abstand von ca. 30 - 50 m vorgesehen. Ebenso werden feste Leiteinrichtungen in den Böschungsfuß des Fahrbahndammes eingebaut. Ein Umwandern der Leitsysteme wird verhindert. Somit bleibt grundsätzlich ein weiträumiger Austausch zwischen den Springfroschpopulationen des Gebietes möglich. Ein Teil der bisherigen jährlichen Wanderungen zwischen Landlebensraum und Laichplatz wird sicherlich behindert. Die Beeinträchtigung der Population im Schluifelder Moor ist vermutlich aber nicht erheblich, weil die Querungsmöglichkeit grundsätzlich bleibt und es zu keiner Isolierung kommt. Die Lebensräume im direkten Umfeld der Laichgewässer am Golfplatz bleiben erhalten.

Fazit für das FFH-Gebiet Schluifelder Moos und Bulach-Moos

Es sind weder bei den Lebensräumen noch bei den Arten mögliche Auswirkungen zu erwarten, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensräume bzw. auf die Arten führen. Eine erhebliche Beeinträchtigung der Erhaltungsziele ist somit nicht zu erwarten.

6.3 Abschätzung der Auswirkungen auf die Buchenwälder

Von Bau-km 0+100 bis 0+190 wird der randliche Teil des FFH-Gebietes Nr. 7833-301.04 überbaut bzw. mittelbar beeinträchtigt. Betroffen ist ein Laubwald-Bestand mit naturnahen Elementen an der Dellinger Höhe:

  • Der Wald bei Bau-km 0+170 muss an die geänderte Lage und Gradiente der St 2068 angepasst werden. Daher müssen ca. 50 m² Wald gerodet und überbaut werden.
  • Die St 2068 beeinträchtigt eine gemäß Grundsatz 5.1 (Gemeinsame Bekanntmachung OBB und StMLU) pauschal mit 50 m Breite angesetzte Zone entlang der Straße. Diese Zone einer "mittelbaren Beeinträchtigung" ist demnach durch verkehrsbedingte Immissionen, Zerschneidungseffekte und Benachbarungswirkungen, bezogen auf Vegetation und Tierwelt einschl. der verkehrsbedingten Tierverluste, vorbelastet. Durch die geänderte Lage der St 2068 verschiebt sich diese beeinträchtigte bzw. vorbelastete Zone um bis zu 15 m nach Westen. Die neu "mittelbar beeinträchtigte" Fläche beträgt rund 370 m².

Indirekte Beeinträchtigungen der Tiere und Pflanzen

Für den Frauenschuh liegen keine Nachweise für das Eingriffsgebiet an der Dellinger Höhe vor; Vorkommen finden sich im Bereich Taxleiten. Auswirkungen sind auszuschließen, da die St 2068 dort keine Waldflächen berührt und die Fundorte abseits der St 2068 neu liegen.

Bei den maßgebenden Tierarten ist zu überprüfen, ob indirekte Beeinträchtigungen auszuschließen sind. Zu betrachten sind hierbei die Teilgebiete 301.04 sowie 301.03. Für das Teilgebiet 301.05 ergeben sich keine Veränderungen gegenüber der bisherigen Situation.

Der Schwarzspecht ist Nahrungsgast. Nachweisorte sind Dellinger Höhe, Dellinger Buchet und auch der Bereich Taxleiten. Er benötigt als Bruthöhe alte Waldbestände, v.a. Buchenwälder. Eine Bruthöhle ist gemäß den vogelkundlichen Erhebungen (Anhang 3 der Unterlage 1.2.0) im Eingriffsbereich der St 2068 neu höchstwahrscheinlich nicht vorhanden. Eine erhebliche Beeinträchtigung ist nicht zu erwarten. Der Schwarzspecht wird mittel- und langfristig von der umfangreichen Wiederaufforstungen im Zuge der naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen profitieren.

Der Neuntöter wurde als Brutvogel südlich der Neubaustrecke an der Meilinger Breite und damit außerhalb des Einwirkungsbereiches der Ortsumfahrung nachgewiesen. Eine erhebliche Beeinträchtigung ist nicht zu erwarten. Die Art wird von den breiten WaIdmänteln, die im Zuge der naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen angelegt werden, profitieren.

Der Grauspecht wurde für den Bereich Taxleiten und für die östlich anschließenden Hutebestände als Brutvogel nachgewiesen. Als Nahrungslebensraum wird auch der Westrand des Schluifelder Waldes genutzt, die Bruthöhle befindet sich höchstwahrscheinlich außerhalb des Einwirkungsbereiches der St 2068 neu. Eine erhebliche Beeinträchtigung ist nicht zu erwarten. Der Grauspecht wird mittel- und langfristig von den umfangreichen Wiederaufforstungen im Zuge der naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen profitieren.

Die Gelbbauchunke besiedelt v.a. kleinere Pioniergewässer; ein Nachweis liegt von einem Flachgewässer im Wald südlich der Bahnlinie in etwa 850 m Entfernung zur St 2068 neu vor. Weitere Vorkommen in tieferen Fahrspuren oder Tümpeln in den Wäldern des Untersuchungsgebiets sind möglich. Aus dem Eingriffsgebiet innerhalb des FFH-Gebietes liegen allerdings keine Nachweise vor. Erhebliche Beeinträchtigungen sind nicht zu erwarten.

Beim Laubfrosch liegen mehrere Nachweisorte vor: Neben den Laichgewässern auf dem Gelände des Golfplatzes Schluifeld ca. 300 m westlich der Neubaustrecke gibt es auch Laichplätze im Dellinger Buchet ca. 550 bzw. 850 m westlich der St 2068 neu. Erhebliche Beeinträchtigungen sind nicht zu erwarten.

Nachweise vom Springfrosch liegen vor von den Laichgewässern am Golfplatz Schluifeld, von einem Laichgewässer östlich des Aussiedlerhofes in etwa 700 m Entfernung zur Neubaustrecke sowie von den beiden Laichplätzen im Dellinger Buchet in 550 bzw. 850 m Entfernung westlich der St 2068 neu.

Die Nachweise des Wasserfrosches beschränken sich auf die Laichgewässer am Golfplatz sowie den Laichplatz östlich des Aussiedlerhofes.

Springfrosch und - in geringerem Umfang - der Wasserfrosch können durch die Verlegung der St 2068 in ihren Wanderungen und Lebensraumbeziehungen beeinträchtigt werden. Die Amphibien nutzen verschiedene Gewässertypen zur Laichablage. Die bedeutendsten Laichplätze sind auf dem Gelände des Golfplatzes. Als Landlebensraum bevorzugt werden teilweise Waldflächen östlich der Neubaustrecke. Daher kommt es zwischen dem Golfplatz und den östlich der St. 2068 gelegenen Waldgebieten zu erheblichen Verkehrsgefährdungen und Zerschneidungseffekten.

Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Verminderung von Beeinträchtigungen

Beim FFH-Gebiet Nr. 7833-301.04 werden randlich durch die Anpassung eines Wirtschaftweges ca. 50 m² Wald überbaut, der als Waldmeister-Buchenwald (FFH-Code Nr. 9130) einzustufen ist. Weitere Lebensräume werden nicht überbaut. Dieser Wirtschaftsweg erschließt die Waldflächen westlich der St 2068. Steigung, Breite und Baufeld für diesen Wirtschaftsweg wurden auf das absolut unumgängliche Maß beschränkt.

Zur Minimierung der Eingriffe in die Wanderwege der Amphibien werden von Bau-km 2 + 900 bis Bauende 6 Durchlässe im Abstand von ca. 30 - 50 m vorgesehen. Ebenso werden feste Leiteinrichtungen in den Böschungsfuß des Fahrbahndammes eingebaut. Ein Umwandern der Leitsysteme wird verhindert. Somit bleibt grundsätzlich ein weiträumiger Austausch zwischen den Amphibienpopulationen des Gebietes möglich.

Minderung der Gebietsbeeinträchtigung durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nach der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung .

Die geringflächige direkte Überbauung von rd. 50 m² sowie die geringfügige Verschiebung der Beeinträchtigungszone um rd. 370 m² werden durch naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen ausgeglichen. Es können großflächig neue und naturnahe Laubwälder - vorwiegend als Waldmeister-Buchenwälder - entstehen.

Als Ausgleich für die schwierigere Erreichbarkeit der Laichplätze im Schluifelder Moos ist die Anlage von Ersatzlaichgewässern im Zuge der Ausgleichsmaßnahme A 1 östlich der Strecke vorgesehen. Damit stehen dann gut geeignete Laichgewässer östlich der St 2068 neu zur Verfügung; der Querungsdruck hin zum Golfplatz wird mittel- und langfristig deutlich abnehmen. Durch die günstige Lage zum Landlebensraum werden die Amphibien östlich der St 2068 neu vermutlich über das derzeitige Niveau hinaus gefördert.

Fazit für das FFH-Gebiet Buchenwälder um Weßling

Es sind weder bei den Lebensräumen noch bei den Arten mögliche Auswirkungen zu erwarten, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensräume bzw. auf die Arten führen. Eine erhebliche Beeinträchtigung der Erhaltungsziele ist somit nicht zu erwarten.

6.4 Ergebnis der FFH-Verträglichkeitsabschätzung

Für die beiden relevanten FFH-Gebiete Schluifelder Moos und Buchenwälder um Weßling sind erhebliche Beeinträchtigungen der Erhaltungsziele auszuschließen. Die direkten Lebensraumverluste sind mit 50 m² Buchenwald geringfügig; sie werden durch Wiederaufforstungsmaßnahmen ausgeglichen. Lebensraumverluste der maßgebenden Tier- oder Pflanzenarten sind nicht zu erwarten.

Indirekte Beeinträchtigungen der beiden Amphibienarten Springfrosch und - in geringerem Umfang - Wasserfrosch durch Zerschneidungseffekte werden mit Amphibiendurchlässen und Leiteinrichtungen gemindert sowie durch Ersatzlaichgewässer ausgeglichen.

Die Kohärenz des Natura 2000 -Schutzgebietsystems wird nicht gefährdet.

gez. A. Neumair

 

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