WörthseeFledermäuse saP

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung / Aufgabenstellung
2. Fledermäuse 2006
2.1 Bestandsaufnahme und Ergebnisse
2.2 Planungshinweise
3. Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung
3.1 Rechtliche Grundlagen
3.2 Planvorhaben, relevante Wirkfaktoren
3.2.1 Vorhabensbeschreibung
3.2.2 Wirkfaktoren
3.3 Datengrundlage Flora und Fauna
3.4 Artbezogene Konfliktanalyse
3.4.1 Pflanzen
3.4.2 Fledermäuse
3.4.3 Vögel
3.4.4 Kriechtiere
3.4.5 Lurche
3.4.6 Wirbellose
4. Literatur
5. Karte

 

1. Einleitung / Aufgabenstellung

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Artenschutzrecht waren die Unterlagen zur geplanten Verlegung der Ortsdurchfahrt Weßling der St 2068 um eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung [saP] zu ergänzen. Wesentliche Grundlagen der Analysen dazu sind die Ergebnisse verschiedener floristischer und faunistischer Bestandsaufnahmen, die v.a. in den Jahren 1995, 1998-2000 sowie 2005 zum Projekt durchgeführt wurden, sowie Sekundärdaten, i.W. nach Artenschutzkartierung [ASK], Biotopkartierung und der aktuellen Naturschutzfachkartierung im Landkreis [NFK]. Nicht hinreichend abgedeckt werden damit die Fledermäuse, bei denen sämtliche heimischen Arten streng geschützt und europarechtlich relevant sind und bei denen die Ausstattung des Trassenumfeldes signifikante Vorkommen auch im Eingriffsbereich erwarten ließ. Bei dieser Gruppe wurde daher im Jahr 2006 gezielt nachkartiert und die Ergebnisse dieser Arbeiten sind ebenfalls Gegenstand des hiermit vorgelegten Gutachtens.

2. Fledermäuse 2006

2.1 Bestandsaufnahme und Ergebnisse

Ausgangssituation Alle heimischen Fledermausarten werden in Anhang IV der FFH-RL geführt, sind somit streng geschützt und zugleich gemeinschaftsrechtlich relevant. Aktuellere Nachweise für das UG lagen bislang nur aus Ortschaften vor, die mehr als 1 km von der Plantrasse entfernt liegen, und es fehlten dabei überwiegend Angaben zur Artzugehörigkeit. Der Großteil der Fledermausarten jagt aber in bzw. an Wäldern und Gehölzen und viele beziehen auch Quartier in anbrüchigen Bäumen. Da die Trasse Waldbestände sowohl durchschneidet als auch tangiert, erschien es angezeigt, eine systematische Kartierung der Jagdaktivität von Fledermäusen im Plankorridor durchzuführen.

Eigene Untersuchung Es erfolgte eine (Jagdgebiet-)Transektkartierung mit vier Durchgängen während der Wochenstubenzeit, am 13.6., 27.6., 15.7. und 12.8.2006. Untersucht wurden alle Waldrandbereiche im Trassenkorridor, die von der Plantrasse durchschnitten oder berührt werden; die Transekte wurden mit wechselnder Bewegungsrichtung und unterschiedlichem Start der Kartierzeit bearbeitet, um alle Trassenabschnitte auch zu möglichst unterschiedlichen Nachtzeiten zu erfassen:

  • Transekt Nord - Westrand Schluifelder Wald;
  • Transekt Mitte - Westrand Laich/Taxleiten und Ostrand Pfeiferwinkel/Neuschlag;
  • Transekt Süd - Nordostrand Dellinger Buchet.

Die Untersuchung war darauf angelegt, mit vertretbarem Aufwand eine signifikante Raumnutzung von Fledermäusen im engeren Trassenkorridor zu dokumentieren. Vereinzelte Durchflüge nur sporadisch bzw. in allgemein geringer Dichte auftretender Arten (z.B. Zweifarbfledermaus, s.u,) können auf diese Art allenfalls "zufällig" nachgewiesen werden. Dies gilt speziell auch für Arten wie das Große Mausohr, die sehr weite Transferflüge zwischen Kolonie und Jagdgebieten durchführen können.

Die Bestandsaufnahmen erfolgten akustisch, durch Aufzeichnung der Ortungsrufe auf ein Laptop. Als Schnittstelle zwischen Ultraschallmikrofon und PC kam ein hochauflösender 16bit- Analog/Digital-Wandler zum Einsatz (UltraSoundGate). Die Auswertung der aufgezeichneten Fledermausrufe erfolgte mit der Software "SASLab Professional" (beides von Avisoft Bioacoustics, Berlin). Ausgewählte exemplarische Ruffolgen der Myotis-Arten sowie vom Kleinen Abendsegler und der Nordfledermaus wurden von Volker RUNKEL, Universität Erlangen, nachbestimmt, dem hierfür herzlich gedankt sei.

Sekundärdaten Ausgewertet wurde ein aktueller Datenbankauszug der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern (ZAHN in litt. 2006).

Ergebnisse Die eigenen aktuellen Erhebungen erbrachten Nachweise von insgesamt sechs Fledermausarten (Tab. 1). Dabei wurden die im Naturraum am weitesten verbreiteten und allgemein häufigsten Arten Zwergfledermaus und Kleine Bartfledermaus [Fußnote 1: Die beiden heimischen Bartfledermausarten sind akustisch nicht differenzierbar, ein Vorkommen der Großen Bartfledermaus im Untersuchungsgebiet ist aber sehr unwahrscheinlich, weshalb hier im Weiteren nur die Kleine Bartfledermaus betrachtet wird. Für die Große Bartfeldermaus finden sich für den gesamten Naturraum Ammer-Loisach-Hügelland nur zwei Quartiernachweise einzelner Tiere (nördlich des Starnberger Sees: Söcking, Hanfeld) sowie ein Einzelfund (westlich Bad Tölz). Auch aus dem nördlich angrenzenden Fürstenfeldbrucker Hügelland ist nur ein Einzelfund bekannt (s.a. "1:9-Regel" in MESCHEDE & RUDOLPH 2004).] für den Trassenkorridor auch mit den höchsten Abundanzen registriert. Darüber hinaus wurden Wasserfledermaus [Fußnote 2: Die akustische Unterscheidung vieler Myotis-Arten ist nach wie vor problematisch, insbesondere anhand von Rufen, wie sie bei Flügen entlang von Waldwegen abgegeben werden (RUNKEL& MARKMANN, Universität Erlangen, mdl. Mitt. 2006). Ein Großteil der hier vorliegenden Tonbelege entstand aber in dieser Situation. Darüber hinaus konnte eine Reihe von Durchflügen nur aus größerer Distanz und damit nicht optimal aufgezeichnet werden. Die von RUNKEL durchgeführten Nachbestimmungen verweisen jedoch auf das Bartfledermaus-Artenpaar M. brandtii/mystacinus (s. auch Fußnote 1) sowie - in geringerer Häufigkeit - auf die Wasserfledermaus.], Kleiner Abendsegler, Rauhhautfledermaus und Nordfledermaus belegt. In Anbetracht der nach wie vor bestehenden Probleme, Wasserfledermaus und Bartfledermäuse akustisch zu differenzieren, können Stetigkeit und Individuensummen für diese Arten nur summarisch angegeben werden (vgl. Tab. 2; nachfolgend und in Abb. 1, Kap. 5 [Anhang], als Myotis sp. geführt).

Tab.1 Fledermäuse. Artenliste Kartierung 2006
Datenbasis: Vier Kartierungsgänge zur Wochenstubenzeit 2006 im Gesamtverlauf der Plantrasse sowie an durchschnittenen Waldrändern und -wegen. Erläuterung: § - rechtlicher Status nach BNatSchG: s - streng geschützt; FFH-Art des FFH-Anhangs IV; D, BY, AV - Gefährdungsgrad nach Roter Liste Deutschland (D), Bayern (BY) und Alpen/Alpenvorland (AV): 1 - vom Aussterben bedroht, 2 - stark gefährdet, 3 - gefährdet, G - Gefährdung anzunehmen, aber Status unbekannt. Stetigkeit - Anzahl Tansekte mit Nachweisen der Art. Summe - Individuensumme für alle Nachweise und Kartierungsgänge.
§ FFH D BY AV Arten Stetigkeit Summe
s IV 3 - - Kleine Bartfledermaus Myotis mystacinus 3 24
s IV - - - Wasserfledermaus Myotis daubentonii
s IV 2 3 3 Nordfledermaus Eptesicus milsonii 1 1
s IV G 2 1 Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri (cf.) 2 5
s IV - - - Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus 3 24
s IV G 3 3 Rauhautfledermaus Pipistrellus nathusii 3 4

Die häufigste Art im Trassenkorridor ist die Zwergfledermaus. Die Nachweise verteilen sich nahezu über den gesamten Trassenverlauf. Quartierverdacht für diese Gebäudefledermaus, die nur verhältnismäßig geringe Distanzen zwischen Quartier und Jagdgebieten zurücklegt, besteht angesichts der Verteilung der Nachweise für das Anwesen Gut Schluifeld und für Weßling (vgl. oben bzw. Tab. 3 und Abb. 1 im Anhang). Ein Transferflug zwischen Weßling und dem Trassensüdende konnte an der dazwischen liegenden Straßenallee nachgewiesen werden und Durchflüge am Ostende der Zufahrt zum Gut Schluifeld lassen Pendelflüge entlang der die Zufahrt begleitenden Gehölze zwischen dem Anwesen und dem Westrand des Schluifelder Waldes annehmen. Bereits angesichts dieser Situation sind häufigere Trassenquerungen bei Flügen zwischen Quartier und (Wald-)Jagdgebieten für die Art unterstellt.

Zweithäufigste Art im Gebiet ist die Kleine Bartfledermaus, die mehrheitlich auch als wahrscheinlichste Art für die nicht gesichert differenzierbaren Rufe des Taxon "Myotis sp." anzunehmen ist. Bezüglich Quartierpräferenz, Jagdgebietsnutzung und Transferflugweite gilt ähnliches wie bei der Zwergfledermaus. Auch für diese Art sind somit häufigere Querungen der Plantrasse anzunehmen.

Die Wasserfledermaus kann im Unterschied zu den beiden vorgenannten Arten auch weitere Strecken zwischen Quartier und Jagdgebieten zurücklegen. Sie jagt zwar schwerpunktmäßig über Gewässern, fakultativ aber auch in Wäldern bzw. an deren Rändern. Ihre bevorzugten Quartiere sind Baumhöhlen und Nistkästen in Gewässernähe. "Quartierzentren" sind somit vor allem für den engeren Umgriff von Weßlinger und Wörthsee anzunehmen. Auch die Wasserfledermaus ist nach Datenlage zu den Arten zu zählen, bei denen Jagd- oder Transferflüge die Plantrasse queren, jedoch angesichts der geringeren Nachweishäufigkeit im Gebiet und ihrer starken Tendenz zur "Gewässerjagd" mit sicher geringerer Frequenz.

Tab. 2 Fledermäuse. Verteilung der Nachweise auf die Untersuchungsabschnitte
Datenbasis: Drei (repräsentative) von vier Kartierungsgängen zur Wochenstubenzeit 2006 im Verlauf der Plantrasse sowie an durchschnittenen Waldrändern und -wegen.
Erläuterung: Myotis sp.: Überwiegend Kleine Bartfledermaus, daneben Wasserfledermaus; j - Anzahl jagende Individuen; d - Anzahl durchfliegende Tiere. Transekt Nord - Westrand Schluifelder Wald; Transekt Mitte - Laich/Taxleiten und Pfeiferwinkel/Neuschlag; Transekt Süd - Dellinger Buchet.
  Myotis sp. Nordfledermaus Kleiner Abendsegler Zwergfledermaus Rauhautfledermaus
Transekt Nord
Gesamtnachweise
Präsenz bei 3 Beg.

1j / 1d
1x

-
-

3j / 1d
1x

5j / 9d
3x

2j
1x
Transekt Mitte
Gesamtnachweise
Präsenz bei 3 Beg.

1j / 13d
3x

1j
1x

1d
1x

2j / 1d
2x

1j
1x
Transekt Süd
Gesamtnachweise
Präsenz bei 3 Beg.

3j / 5d
3x

-
-

-
-

2j / 5d
3x

1j
1x
Gesamtgebiet
Gesamtnachweise
Präsenz bei 3 Beg.

5j / 19d
3x

1j
1x

3j / 2d
1x

9j / 15d
3x

4j
1x
           

Zumindest bei einem der Kartierungsgänge konnten auch mehrere Individuen des Kleinen Abendseglers anhand eindeutiger Rufsequenzen identifiziert werden. Diese klassische Wald- bzw. Baumfledermaus gilt in Südbayern als ausgesprochen selten (vgl. MESCHmE & RUDOLPH 2004), wurde aber aus methodischen Gründe u.U. vielfach auch übersehen. Im UG findet die Art jedenfalls in den ausgedehnten (Laub-)Mischwaldbereichen von Schluifelder Wald und Taxleiten grundsätzlich gute Quartier- und Jagdhabitatbedingungen. Auch wenn die Art nur bei einer Begehung nachgewiesen wurde, ist die Existenz eines zumindest kleineren Sommerquartiers im Umgebungsbereich des Planvorhabens anzunehmen. Hierfür spricht vor allem der Nachweiszeitpunkt während der Wochenstubenzeit (Mitte Juni, kein Durchzug).

Die fernwandernde Rauhhautfledermaus tritt im Naturraum nur sporadisch auf und ist in Südbayern insgesamt nur zu den Zug- und Überwinterungszeiten häufiger! Bei den im UG Mitte Juni nachgewiesenen Tieren dürfte es sich um einzelne Männchen handeln, die ihr Überwinterungsgebiet nicht verlassen und hier auf die herbstliche Rückkehr bzw. den Durchzug der Weibchen gewartet haben. Die Quartiere der Art befinden sich überwiegend in Bäumen, ersatzweise auch in Nist- bzw. Fledermauskästen und nur gelegentlich in Spalten an Gebäuden.

Von der Nordfledermaus konnte im UG nur einmal ein einzelnes jagendes Tier am Nordrand des Waldgebiets Laich/Taxleiten nachgewiesen werden. Für das Voralpine Hügel- und Moorland liegen nach MESCHEDE & RUDOLPH (2004) überhaupt nur zwei Fortpflanzungsnachweise vor, diese aber gerade im Umgriff des UG. Das aktuell nachgewiesene Tier ist vermutlich der nächstliegenden kleinen Kolonie in Steinebach zuzuordnen (Entfernung > 2 km). Das nach Datenlage offensichtlich sporadische Auftreten der Art im UG wird unter dieser Annahme plausibel, da die Art im Sommer quartiernah jagt (Maximaldistanz 600 m, DE JONG, zit. n. MESCHEDE &HELLER 2000) und allenfalls später im Jahr auch Habitate in Entfernungen aufgesucht werden.

Sekundärdaten

Sekundärdaten wurden für einen Umgebungsbereich von 5 km und die letzten zehn Jahre ausgewertet (vgl. Tab. 3). Danach finden sich für eine Entfernung bis 2,5 km ein Quartiernachweis der Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus, 14 Individuen, Entfernung > 1,8 km) und einer der Nordfledermaus (Eptesicus nilsonii, 9 Individuen, Entfernung > 2 km) sowie Einzelfunde der Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus, n=3). Bei weiteren vier Quartiernachweisen liegen keine eindeutige Artbestimmung und nur in zwei Fällen eine Ausflugszählung vor (30 bis 17 Individuen); bei drei dieser Quartiere besteht jedoch der Verdacht auf Wochenstuben der Zwergfledermaus (z.B. Weßling). In den darüber hinaus reichenden Betrachtungsraum fällt eine Kolonie des Großen Mausohrs (Myotis myotis, 128 Wochenstubentiere, Entfernung > 3,6 km) sowie eine nicht eingehender erfasste Wochenstube mit dem Verdacht auf "Bartfledermäuse" ( Myotis mystacinus/brandtii Entfernung > 4 km).

Großes Mausohr, Breitflügel- und Zweifarbfledermaus könnten von ihren Quartieren aus das UG grundsätzlich erreichen, wurden aber aktuell nicht nachgewiesen. Damit kann unterstellt werden, dass Tiere dieser Arten allenfalls vereinzelt auftreten bzw. durchfliegen, in jedem Fall aber keine häufiger frequentierten Jagdgebiete im Trassenkorridor liegen. Für das sehr weit fliegende Große Mausohr sind Transferflüge durch das UG von der trassennähesten Kolonie in Seefeld aus zwar vorstellbar, allerdings angesichts der doch deutlichen Entfernung und des breiten Angebots von Waldflächen bzw. -komplexen im engsten Umgriff der Wochenstube kaum zu erwarten.

Tab. 3 Fledermäuse. Sekundärnachweise aus den letzten 10 Jahren
(bei Quartieren jeweils letztes Kontrolldatum)
Datenbasis: Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern (ZAHN in lit. 2006)
Erläuterung: k.A. - keine Angabe; WS - Wochenstube, SQ - Sommerquartier (evtl. WS)
Objekt-ID Objekt Art/Taxon Anzahl Datum
Nachweise bis 2,5 km Entfernung
10861 82237 Steinebach, Hauptstraße Nordfledermaus 9 25.06.05
10864 82237 Wörthsee Zweifarbfledermaus (Einzelbeob.) 1 06.05.04
12740 82237 Steinebach, Seestraße Breitflügelfledermaus 14 12.07.98
14513 82234 Weßling Zweifarbfledermaus (Einzelbeob.) 1 09.01.99
17699 82237 Steinebach, Etterschlager Straße Fledermäuse (ev. Zwergfledermaus) 30 08.07.04
18067 82234 Weßling, Gilchinger Weg Fledermäuse (ev. Zwergfledermaus) 17 19.07.05
18103 82234 Weßling, Grünsinkerstraße Fledermäuse (unbestimmt) k.A., SQ 01.01.05
18742 82237 Etterschlag, Münchner Straße Fledermäuse (ev. Zwergfledermaus) k.A., ws 03.06.03
18808 82237 Steinebach Zweifarbfledermaus (Einzelbeob.) 1 30.05.01
Nachweise 2,5 bis 5 km Entfernung
10849 82229 Seefeld-Oberalting, St. Peter. u. Paul Großes Mausohr 128 26.07.05
16466 82229 Seefeld-Oberalting, Aubachstraße Nordfledermaus 23 26.06.03
18122 82229 Hechendorf - Güntering, Leitenhöhe Fledermäuse (ev. "Bartfledermäuse") k.A., WS 19.07.05
18789 82229 Hechendorf Zwergfledermaus (Einzelbeob.) 1 28.06.00
18795 82229 Seefeld-Oberalting Zwergfledermaus (Einzelbeob.) 1 25.06.03
18796 82229 Hechendorf Fledermäuse (unbestimmt) 38 23.06.03
18798 82229 Hechendorf Fledermäuse (unbestimmt) 76 26.06.02
18804 82237 Walchstadt, Oberfeld Fledermäuse (unbestimmt) 87 24.06.98

 

2.2 Planungshinweise

Auf Grundlage der Ergebnisse der aktuellen Untersuchung sollten Konflikte im Zusammenhang mit dem Planvorhaben aufgezeigt und Möglichkeiten zu deren Vermeidung bzw. Minimierung vorgeschlagen werden. In Anbetracht der bereits abgeschlossenen Entwurfsplanung wird im folgenden sowohl auf Planungsdetails eingegangen, die für Fledermäuse als bereits zielführend anzusehen sind, als auch auf solche, die u.U. unter dem Aspekt des Fledermausschutzes in der Ausführungsplanung noch optimierbar sind.

Die angeführten Sperrpflanzungen sollten bereits bei Inbetriebnahme Wirkung zeigen und deshalb i.d.R. durch temporäre technische Zwischenlösungen ergänzt werden (Errichtung von Sperrzäunen bis zum Heranwachsen der Sperrpflanzungen, siehe FGSV 2003). Bei einer erst längerfristig eintretenden Wirkung ist allenfalls eine Eingriffsminimierung zu unterstellen. Nicht weiter eingegangen wird auf Maßnahmen bzgl. Quartiersicherung/-ersatz, die in den Artkapiteln der saP Erwähnung finden.

K1: km 0+000 - 0+360 Trassenabzweigung vom Bestand am Dellinger Buchet

Konflikt: Durchschneidung einer Allee entlang des Bestands, die als Flugleitlinie der Zwerg- und der Kleinen Barifledermaus zwischen den Quartieren und den Waldjagdgebieten fungiert.

Mögliche Maßnahme: Durch einen Kreisverkehr wird die Verkehrsgeschwindigkeit und damit die Kollisionsgefahr stark reduziert. Die Neupflanzung von Alleebäumen mit geringem Fahrbahnabstand bis an den Waldrand erhält mittelfristig eine Leitlinienfunktion in gewohnt hoher Flughöhe, die eine gefahrlose Querung von Kreisverkehr bzw. Abzweigung ermöglicht (G13, G14, G2). Die bestehende Leitlinie zum südlichen Waldrand wird durch weitestmögliche Sicherung des Bestands aufrecht erhalten (S9).

K2: km 0+680 Trasseneintritt in den Dellinger Buchet.

Konflikt: Durchschneidung eines Waldrands mit Laubbäumen und eventuell vorhandenen Nistkästen (potenzieller Quartierverlust); Kollisionsgefahr für die hier jagenden Myotis-Arten und die Zwergfledermaus.

Mögliche Maßnahme: Ergänzende beidseitige Sperrpflanzungen bis zu 40 m vom Waldrand Richtung Osten mit 4 m Wuchshöhe und möglichst mit > 5 m Fahrbahnabstand gemäß FSGV (2003). Verlängerung der straßenparallelen Schutzzäunung (S3) im Pflanzverlauf bis zum Heranwachsen funktioneller Gehölze. Vorsorgliche Ergänzung mit gegenüber stehenden prominenten Einzelbäumen am Ostende der Sperrpflanzung als zusätzliche Überflughilfe für potenziell abgeleitete "Umflieger" gemäß LIMPENS et al. (2005). Verzicht auf (hohe) Gehölzpflanzungen in der nördlichen Maßnahme G2, um die Umfliegung der südlichen Sperrpflanzung zu vermeiden (40 m Abstand zum künftigen Bestandsrand).

K3: km 0+680 - 1+100 Durchfahrung Dellinger Buchet.

Konflikt: Potenzieller Quartierverlust, insbesondere im Bereich von Laubbaumbestand, an Waldwegquerungen und ggf. auch durch vorhandene Nistkästen. Kollisionsgefahr für Myotis-Arten und die Zwergfledermaus bei Trassenüberflügen im Bestand, v.a. an bestehenden Waldwegen; Kollisionsgefahr bei Flügen entlang der neuen Gehölzgrenzen am Fahrbahnrand.

Mögliche Maßnahme: Gestaltung der Unterpflanzung der neuen Bestandsränder (G3) i.S. einer Sperrpflanzung; Einhaltung von möglichst 5 m breiten Pflanzabständen zur Fahrbahn, insbesondere zur Kollisionsvermeidung bei der Zwergfledermaus. Standzeit der Schutzzäunung 53 mit 4 m Höhe bis zum Aufwachsen der Gehölzpflanzungen verlängern; Waldwegenden mit Zäunung schließen und mit höheren Gebüschen zupflanzen.

K4: km 1+100 Trassenaustritt Dellinger Buchet.

Konflikt: Durchschneidung eines Waldrandes mit Laubbäumen und eventuell vorhandenen Nistkästen (potenzieller Quartierverlust); Kollisionsgefahr für die hier jagenden Myotis-Arten und die Zwergfledermaus.

Mögliche Maßnahme: Durchschneidung des Waldrands in Einschnittslage vermeidet Überflüge in geringer Höhe über Fahrbahnniveau. Pflanzungen G4 und G3 am nördlichen Waldrand verhindern ein "Abtauchen" in den breiten Einschnitt beim Überflug oder leiten ab zur Brücke des Kieswanderweges als Überflughilfe.

K5: km 1+500 Trasseneintritt Neuschlag.

Konflikt: Durchschneidung eines Waldrandes mit eventuell vorhandenen Nistkästen (potenzieller Quartierverlust); Kollisionsgefahr für die hier fliegenden Myotis-Arten und die Zwergfledermaus, insbesondere durch die hier eng benachbarte Gehölzbrücke Neuschlag/Taxleiten (Bei einer Begehung 9 [!] Durchflüge von Myotis innerhalb von 15 Minuten).

Mögliche Maßnahme: Ergänzende beidseitige Sperrpflanzungen bis zu 40 m vom Waldrand Richtung Südosten mit 4 m Wuchshöhe und möglichst mit > 5 m Fahrbahnabstand gemäß FSGV (2003). Verlängerung der straßenparallelen Schutzzäunung (S4) im Pflanzverlauf bis zum Heranwachsen funktioneller Gehölze. Vorsorgliche Ergänzung mit gegenüber stehenden, prominenten Einzelbäumen am Südostende der Sperrpflanzung als zusätzliche Überflughilfe für potenziell abgeleitete "Umflieger" gemäß LIMPENS et al. (2005).

K6: km 1+500 - 2+130 Durchfahrung Neuschlag/Pfeiferwinkel.

Konflikt: Potenzieller Quartierverlust, insbesondere im Bereich von Laubbaumbestand, an Waldwegquerungen und ggf. auch durch vorhandene Nistkästen. Kollisionsgefahr für Myotis-Arten und die Zwergfledermaus bei Trassenüberflügen im Bestand, v.a. an den bestehen bleibenden Waldwegen; Kollisionsgefahr bei Flügen entlang der neuen Gehölzgrenzen am Fahrbahnrand.

Mögliche Maßnahme: Gestaltung der Unterpflanzung der neuen Bestandsränder (G6) i.S. einer Sperrpflanzung; Einhaltung von möglichst 5 m breiten Pflanzabständen zur Fahrbahn, insbesondere zur Kollisionsvermeidung bei der Zwergfledermaus. Standzeit der Schutzzäunung (54) mit 4 m Höhe bis zum Aufwachsen der Gehölzpflanzungen verlängern; Waldwegenden mit Zäunung schließen und mit höheren Gebüschen zupflanzen; verbleibende Waldweg-Einmündungen für den Zeitraum der Schutzzäunung mit hohen Gittertoren schließen (ggf. engen Bypass für Fußgänger und Radler offen halten).

K7: km 2+130 Trassenaustritt Pfeiferwinkel.

Konflikt: Durchschneidung eines Waldrandes mit Laubbäumen und eventuell vorhandenen Nistkästen (potenzieller Quartierverlust); Kollisionsgefahr für die hier fliegenden Myotis-Arten und die Zwergfledermaus, insbesondere durch die hier eng benachbarte Gehölzbrücke Pfeiferwinkel/ Laich.

Mögliche Maßnahme: Ergänzende beidseitige Sperrpflanzungen bis zu 40 m vom Waldrand Richtung Norden mit 4 m Wuchshöhe und möglichst mit > 5 m Fahrbahnabstand gemäß FSGV (2003). Verlängerung der straßenparallelen Schutzzäunung (S4) im Pflanzverlauf bis zum Heranwachsen funktioneller Gehölze. Vorsorgliche Ergänzung mit gegenüber stehenden, prominenten Einzelbäumen am Südostende der Sperrpflanzung als zusätzliche Überflughilfe für potenziell abgeleitete "Umflieger" gemäß LIMPENS et al. (2005).

K8: km 2+900 - 3+200 Durchfahrung des Westendes Schluifelder Wald.

Konflikt: Durchschneidung eines Waldrandes mit Laubbäumen und eventuell vorhandenen Nistkästen (potenzieller Quartierverlust); Kollisionsgefahr für die hier fliegenden Myotis-Arten und die Zwergfledermaus, insbesondere durch die Anbindung einer Flugleitlinie Richtung Westen.

Mögliche Maßnahme: Verlängerung der westlichen Sperrpflanzung G9 nach Süden bis km 2+890 mit 4 m Wuchshöhe und möglichst mit > 5 m Fahrbahnabstand gemäß FSGV (2003). Beidseitige Verlängerung der straßenparallelen Schutzzäunung (S6) im Pflanzverlauf bis zum Heranwachsen funktioneller Gehölze. Vorsorgliche Ergänzungspflanzung eines prominenten Einzelbaumes am Südende der östlichen Sperrpflanzung G9 als zusätzliche Überflughilfe für potenziell abgeleitete "Umflieger" von Osten und analog am Nordende der westlichen Sperrpflanzung G9 gemäß LIMPENS et al. (2005).
 

3 Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung

3.1 Rechtliche Grundlagen

Mit Urteil vom 10. Januar 2006 in der Rechtssache C-98/03 wurde vom EuGH die unzureichende Umsetzung gemeinschaftsrechtlicher Vorschriften zum Artenschutz in der nationalen Gesetzgebung gerügt. Im Zusammenhang mit Planungs- und Zulassungsverfahren wird u.a. die Beschränkung der artenschutzrechtlichen Verbote auf absichtliche Handlungen - bei der gegebenen Definition des Absichtsbegriffs, nach der Beeinträchtigungen nicht absichtlich sind, die sich als unausweichliche Konsequenz rechtmäßigen Handelns ergeben - bzw. die nach §43 Abs. 4 BNatSchG vorgesehenen Ausnahmen von den Verboten zugunsten von Handlungen bei der Ausführung eines nach §19 BNatSchG zugelassenen Eingriffs beanstandet. In der Praxis bedeutet das Urteil, dass (zumindest) für die von der FFH-Richtlinie erfassten Arten - und intentionsgemäß sicher auch für die nach Art. 1 der Vogelschutz-Richtlinie geschützten Vogelarten [Fußnote 3:vgl. z.B. auch jüngstes diesbezügliches Urteil des BVerwG vom 21. Juni 2006, 9 A 28.05 ("Stralsund-Urteil")] - auch bei solchen Eingriffen die Verbote nach §42 Abs. 1 BNatSchG greifen und für etwaige Befreiungen §62 Abs. 1 BNatSchG anzuwenden ist, der durch Bezugnahme auf die beiden o.g. Richtlinien den europarechtlichen Bestimmtheitsanforderungen hinreichend Rechnung trägt.

Bei der Beurteilung der gemeinschaftsrechtlichen Belange des Artenschutzes bestehen in der Praxis allerdings noch Unsicherheiten. Insbesondere ist nicht abschließend geklärt, ob es zulässig ist, die europarechtlich besonders geschützten Arten anders zu behandeln als die national besonders geschützten, d.h. für die letztgenannten nach wie vor die Ausnahmeregelung des §43 Abs. 4 Satz 1 BNatSchG anzuwenden. Unter anderem zu diesem Punkt orientieren wir uns an den "Vorläufigen Hinweisen zur Aufstellung der naturschutzfachlichen Angaben zur speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung" bei Straßenbauvorhaben, die kürzlich von der Obersten Baubehörde ausgearbeitet wurden und die jüngste Rechtssprechung berücksichtigen (Stand 27.10.2006). Danach sind die gemeinschaftsrechtlich geschützten Arten in Hinblick auf §42 in Verbindung mit §62 BNatSchG und die nur nach nationalem Recht streng geschützten Arten auf Art. 6a Abs. 2 Satz 2 BayNatSchG zu prüfen. Für die über die genannten Gruppen hinaus gehenden besonders geschützten Arten ist keine gesonderte Prüfung durchzuführen; hier gilt weiterhin die Legalausnahme des §43 Abs. 4 BNatSchG von den Verboten des §42. Rechtlich nach wie vor unklar bleibt auch nach den o.g. aktuellen Ausarbeitungen der Baubehörde, welcher Bezugsraum für die Beurteilung des Erhaltungszustands der Populationen anzusetzen ist.

3.2 Planvorhaben, relevante Wirkfaktoren

[alle technische Angaben nach LBP, GRÜNPLAN GmbH, Tektur 1 vom 5.4.2005; vgl. dazu auch die teils ausführlicheren Darstellungen in den FFH-Verträglichkeitsstudien zu 7933-301 "Schluifelder Moos und Bulachmoos" und 7933-371 "Eichenalleen und Wälder um Meiling und Weßling", GRÜNPLAN & ÖKOKART 2005, 2006]

3.2.1 Vorhabensbeschreibung

Die Maßnahme umfasst die Verlegung der Ortsdurchfahrt Weßling der St 2068, mit einer Neubaulänge von etwa 3,2 km. Die neue westliche Ortsumfahrung soll die bestehende St 2068 südlich Weßling mit der Anschlussstelle Wörthsee verbinden (BAB A 96/St 2349 bzw. St 2348).

Der Anschluss an die alte St 2068 südlich von Weßling wird außerhalb der Waldflächen der Dellinger Höhe auf landwirtschaftlichen Flächen mittels eines Kreisverkehrsplatzes hergestellt.

Zwischen Bau-km 0+675 und Bau-km 1+110 führt die Neubaustrecke randlich durch das Waldgebiet "Dellinger Buchet". Ein wirtschafts- und Kreiswanderweg bei Bau-km 1+133 sowie die S-Bahnlinie München - Herrsching (bei Bau-km etwa 1+150) werden unterquert. Zwischen Bau-km 1+480 bis Bau-km 2+130 wird das zusammenhängende Waldgebiet "Neuschlag/Pfeiferwinkel" randlich durchschnitten. Die St 2068 verläuft dann weiter bis etwa Bau-km 2+900 (kurz vor der Einmündung der St 2349, der Grünsinker Straße) über freie Ackerflur entlang des östlich anschließenden Waldgebiets "Laich/Taxleiten". Hier beginnt ein kurzer Einschnitt, mit dem eine schmale Waldzunge des Waldgebiets "Schluifelder Wald" isoliert wird. Bei Bau-km etwa 3+100 beginnt dann bereits die Rampe über die A 96.

Die St 2068 soll überwiegend in Dammlage verlaufen.

3.2.2 Wirkfaktoren

Flächeninanspruchnahme

Für die Bauwerke werden insgesamt 5,9 ha Fläche dauerhaft in Anspruch genommen. Hinzu kommt ein zusätzlicher Flächenbedarf von über 3 ha während der Bauzeit (Baufelder).

Der LBP gibt die Inanspruchnahme von Waldflächen mit insgesamt rund 4,3 ha an (einschließlich der Baufelder) und befürchtet mittelfristig den Verlust weiterer etwa 1,6 ha aus angrenzenden Beständen (Instabilität durch Windwurf, Rindenbrand etc.). Bezüglich der Inanspruchnahme von Offenlandflächen ergibt sich ein Wert von 4,6 ha (einschließlich Baufelder).

Barrierewirkung, Zerschneidung

Durch die neue Straße entsteht eine Linearstruktur, die durch ihre strukturellen Eigenheiten und den Kfz-Verkehr als Barriere für die Ausbreitung von Tieren und Pflanzen wirkt. Potenziell besonders betroffen sind dabei sich streng bodengebunden fortbewegende Kleintiere, für die der Asphalt aufgrund seiner strukturellen bzw. mikroklimatischen Eigenschaften kaum oder gar nicht überwindbar ist und/oder Arten, die aufgrund ihrer Fortbewegungsweise bzw. bestimmter Verhaltenseigenschaften in besonderem Maße dem Risiko unterliegen, von Kraftfahrzeugen erfasst und getötet zu werden. Mögliche Folgen sind: Unterbindung bzw. Einschränkung von täglichen bis saisonalen Raumwechseln im Gesamtlebensraum des Individuums, von Raumwechseln zur Ausbreitung bzw. Wieder- oder Neubesiedlung von Lebensräumen, mit Aufrechterhaltung des Genflusses innerhalb einer Population oder eines Populationsverbundes.

Lokalklimatische Wirkungen

Bei Waldparzellen, die durch die Maßnahme vom Hauptbestand isoliert werden, besteht die Gefahr der Veränderung des Bestandsklimas, in Abhängigkeit von Größe und Exposition der jeweiligen Restflächen. Folgen v.a. für stenöke, tendenziell hygrophile Waldarten wären dabei zu erwarten (vor allem Montan- und Feuchtwaldarten).

Verkehrsverluste

Wie bereits unter dem Punkt Zerschneidung erwähnt, muss in der Betriebsphase damit gerechnet werden, dass Tiere bei dem Versuch, die Fahrbahn zu queren (oder auch zu nutzen, z.B. zur Thermoregulation, Nahrungssuche Bankette etc.), überfahren bzw. getötet werden. Auch in der Bauphase können natürlich Tiere durch KfZ-Verkehre bzw. Maschinen getötet werden.

Belastungen durch Schadstoffe und Auftausalze

Direkte Immission von Schadstoffen (Abgase, Reifenabrieb) in den Nahbereich wird als Wirkfaktor nicht betrachtet. Selbst im straßennahen Bereich sind keine Konzentrationen zu erwarten, die bei den hier u.U. relevanten Arten signifikante Vitalitätsminderungen oder gar akute Intoxikationen auslösen würden. Auch diffuse bzw. stark vermittelte Belastungen, etwa über die Anreicherung innerhalb der Nahrungskette, dürften weder auf dem Niveau der Individuen noch der Populationen nennenswerte Wirkungen entfalten. Die dazu im konkreten Fall verfügbaren Daten bzw. solche, die mit einem vertretbaren Aufwand hätten erhoben werden können, reichen jedoch in keinem Fall zu einer vertieften Abarbeitung des Sachverhalts aus.

Das Wasser der versiegelten Flächen, das ggf. mit den straßenüblichen Schadstoffen belastet ist (vgl. auch oben), bzw. auch salzhaltige Straßenabwässer versickern nach LBP überwiegend frei im Bereich des Straßenrandes (Böschungsflächen, bewachsene Bodenzone); fallweise werden Sickermulden bzw. Versickerungsschächte angelegt. Hierzu hält der LBP fest: "Nach Aussage des Wasserwirtschaftsamtes München sind bei Dammlage selbst zum Schutz von Grundwassergewinnungsanlagen (hier speziell des 550 m westsüdwestlich gelegenen Brunnens III der Gde. Wörthsee, durch dessen Schutzzone III die neue Straße führen wird) keine weiteren entwässerungstechnischen Auflagen zu beachten." Insgesamt wird - unter Berücksichtigung von Maßnahmen wie Absetzbecken in speziellen Situationen und unter Berücksichtigung der Grundwasserverhältnissen im UG (vgl. unten) - impliziert, dass relevante Negativwirkungen auf die Qualität des Grundwassers bzw. vermittelt über das Grundwasser auch auf Wuchsorte bzw. Habitate geschützter Arten auszuschließen sind.

Zum speziellen Fall des im Nordabschnitt der Trasse benachbart liegenden Schluifelder Mooses vgl. ausführlicher GRÜNPLAN & ÖKOKART (2006) . Danach ist eine "Gefährdung .. [des Moores] ... durch Schadstoffverfrachtungen im Grundwasserstrom auszuschließen. Einzig der Streckenabschnitt zwischen Bau-km 3+050 bis 3+340 ist überhaupt relevant für die Hydrogeologie des Schluifelder Mooses. In diesem Bereich verläuft bereits der derzeitige Autobahnzubringer St 2349. Eine Gefährdung durch den üblichen Straßenverkehr ist bei breitflächiger Versickerung der Straßenabwässer über bewachsenen Boden auszuschließen. Das durch die stark ansteigende Verkehrsbelastung entsprechend erhöhte Risiko durch Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen kann durch geeignete Maßnahmen gemindert werden.

Grundwasser

Eine erhebliche Beeinträchtigung der Grundwasserneubildung durch Versiegelung ist nicht zu erwarten, da eine Versickerung des Straßenwassers im unmittelbaren Straßenrandbereich geplant ist (vgl. oben).

Eine über den unmittelbaren Straßenbereich hinausgehende Beeinflussung der Grundwasserverhältnisse, sei es durch Absenkung oder Anstau, ist nach LBP angesichts der großen Flurabstände von zehn Metern und mehr nicht zu erwarten.

Was das im Nordabschnitt in einiger Entfernung westlich der Trasse liegende Schluifelder Moos anbelangt, so wird in der FFH-Verträglichkeitsstudie (GRÜNPLAN & ÖKOKART 2006) i.W. unter Bezugnahme auf ein Gutachten von BOSCH (2002) und eine ergänzende Stellungnahme des Gutachers aus 2006 festgestellt:

  • "Zwischen Bau-km 3+050 und dem Bauende bei km 3+340 liegen die bereits bestehende Straße und die geplante Trasse der Ortsumgehung im randlichen Einzugsgebiet des Schluifelder Mooses .... Nur dieser Bereich der Umfahrung ist für die Hydrogeologie des Schluifelder Mooses relevant.
  • Erheblich negative Auswirkungen auf den Grundwasserdurchsatz und die Grundwasseramplitude im ... [Moor] .. sind nicht zu besorgen. Auch die Grundwasserneubildung bleibt nahezu unverändert."

Lärm und optische Stimuli

Die Verkehrsbelastung nördlich des Kreisverkehrs Weßling (zur Autobahn) wird laut der Prognose im Jahr 2020 bei 12.120 Kfz/24 h liegen, vom Kreisverkehr (KV) in Richtung Süden bei 17.300 Kfz/24 h bzw. vom KV in Richtung Weßling bei 7.900 Kfz/24 h.

Nachdem sich die einzigen bislang publizierten "Eckwerte zur Eingriffsbewertung" (RECK et al. 2001) bezüglich der Beurteilung der Wirkungen von Straßenlärm auf die Tierwelt auf Daten stützen, die in mehrfacher Hinsicht zweifelhaft sind und eine fundierte Bearbeitung des Themas noch in Vorbereitung ist (MIERWALD mdl. Mitt.), ziehen wir für die Avifauna einen eigenen groben Bewertungsansatz heran, der auf Literaturauswertung und eigenen Geländeerfahrungen beruht. Der Ansatz ist generalisiert, d.h. der im Zusammenhang besonders wichtige Artbezug fehlt; er kennzeichnet aber in besonderem Maße eine "worst case"-Situation, so dass er u.E. auch besonders empfindlichen Arten gerecht wird. Wir orientieren uns bei der Wirkungsanalyse an folgendem Schema:

(1) "mäßig stark befahrene Straßen", DTV 5.000 bis 10.000 KfZ

  • Distanz 0-100 m vom Fahrbahnrand [Offenland und Wald, ident bewertet]: Mäßige Beeinträchtigung möglich, einzelne bis einige Arten können von begrenzten Funktionsverlusten betroffen sein (mäßige Reduktion der Siedlungsdichte, maximal 25-30 %).
  • Distanz 100-250 m vom Fahrbahnrand: Allenfalls geringe Beeinträchtigung möglich, wobei einzelne bis einige Arten von sehr begrenzten Funktionsverlusten betroffen sein können (geringe Reduktion der Siedlungsdichte, maximal 10%).

(2) "stark befahrene Straßen", DTV 10.000 bis 50.000 KfZ

  • Distanz 0-100 m vom Fahrbahnrand [Offenland und Wald, ident zu werten]: Deutliche Beeinträchtigung möglich; hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch wertbestimmende Arten von deutlichen Funktionsverlusten betroffen sind (deutliche Reduktion der Siedlungsdichte 30-50 %).
  •  Distanz 100-250 m vom Fahrbahnrand [Offenland und Wald, Alternativwerte für Wald in eckigen Klammern]: Mäßige [geringe] Beeinträchtigung möglich, wobei auch wertbestimmende Arten von begrenzten Funktionsverlusten betroffen sein können (mäßige [geringe] Reduktion der Siedlungsdichte, maximal 25-30 % [maximal 10 %]).

(3) "sehr stark befahrene Straßen", DTV > 50.000 Kfz

  • Distanz 0-100 m vom Fahrbahnrand [Offenland und Wald, ident zu werten]: Starke Beeinträchtigung der Vogelgemeinschaften möglich; hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch wertbestimmende Arten von deutlichen bis sehr deutlichen Funktionsverlusten betroffen sind (deutliche bis starke Reduktion der Siedlungsdichte > 50 %, ggf. auch Totalausfall).
  • Distanz 100-250 m vom Fahrbahnrand [Offenland und Wald, Alternativwerte für Wald in eckigen Klammern]: Mäßige bis deutliche [geringe bis mäßige] Beeinträchtigung der Vogelgemeinschaften möglich, wobei auch wertbestimmende Arten von begrenzten Funktionsverlusten betroffen sein können (mäßige bis deutliche [geringe bis mäßige] Reduktion der Siedlungsdichte, maximal 50% [maximal 25-30%]).

Bezüglich der artbezogenen Wichtung entsprechender Funktionsverluste für die Avifauna in der saP wurde zwischen Wald- und Offenlandflächen differenziert. Für die beiden Korridore ergibt sich nach den vom Planer zur Verfügung gestellten Unterlagen folgende Bilanz:

  • Rand der geplanten Fahrbahn bis 100 m (abzüglich der Verlustflächen durch Baufelder und - beim Wald - mittelfristige Bestandsbeeinträchtigungen): 25,7 ha Wald bzw. 30,6 ha Offenland;
  • Korridor von 100 bis 200 m vom Rand der geplanten Fahrbahn [Fußnote 4: Der Untersuchungsgebietskorridor, für den entsprechend differenzierte Flächenangaben vorliegen, reicht nur bis in eine Entfernung von 200 m vom Fahrbahnrand. Die Differenz zu der im Wirkschema angesetzten Distanz von 250 m erscheint vernachlässigbar, da die prognostizierte DTV im untersten Bereich der Kategorie "stark befahrene Straßen" liegt und eine Verlärmung in diesem am weitesten von der Fahrbahn entfernten Band für die Bewertung sicher nicht mehr entscheidend ist.]: 32, 6 ha Wald und 36,5 ha Offenland.

Bei den Fledermäusen erscheinen Wirkungen von Verkehrslärm angesichts der emittierten Frequenzen i.W. für solche Arten möglich, die ihre Beutetiere vorrangig passiv oder durch spezielle Niedrigfrequenzlaute orten ("Gleaner" wie Plecotus sp. oder auch das Große Mausohr, im Trassenbereich nicht nachgewiesen). Gemäß der Angaben bei BRINKMANN (et al. 2003: 42, für M. bechsteinii) würde bei solchen Arten vorsorglich ein Korridor von beiderseits 30-50 m entlang einer neuen Straße als nicht bzw. allenfalls bedingt bejagdbar gewertet.

3.3 Datengrundlage Flora und Fauna

Es wurden folgende Unterlagen herangezogen:

  • UVS (GRÜNPLAN 1995) - Zufallsbeobachtungen Vögel, Kriechtiere, Tagfalter, Libellen und Heuschrecken sowie gezielte Erfassung floristischer Besonderheiten im Rahmen der Struktur- und Nutzungstypenkartierung 1994 sowie gezielte Laichpatzkartierung Amphibien mit zwei Begehungen an zehn Gewässern im April 1994. Das Untersuchungsgebiet der UVS umfasste 420 ha und war maximal etwa 1,5 km breit; es wurden drei Wahltrassen und zwei Varianten untersucht;
  • LBP (GRÜNPLAN 2000) - Übersichtskartierungen an Vögeln entlang der Plantrasse und Amphibien in den gleichen Gewässern wie 1995, jeweils mit zwei Begehungen im April und Juni 1998; Ergänzung der avifaunistischen Ergebnisse durch kursorische Nachuntersuchungen in 1999 und 2000. Gezielte Erfassung floristischer Besonderheiten bei den Geländearbeiten zum LBP 1998 und 2000. Das UG des LBP war ein Korridor von beidseits 200 m entlang der Plantrasse;
  • Untersuchung zu Wanderbewegungen von Amphibien im Bereich der Plantrasse, zum LBP (ÖKOKART 1999) - Erfassung von An- und Abwanderung durch Zäunung, v.a. im Bereich des Golfplatzes am Schluifelder Moos;
  • FFH-Studien zum Projekt (GRÜNPLAN & ÖKOKART 2005, 2006) - Eigene Geländearbeiten: Eine Begehung im März 2005 zur Abschätzung der Habitateignung der beidseits der Trasse liegenden Teile des FFH-Gebiets 7933-371 sowie dazwischen liegender Gehölzbestände für den Hirschkäfer; Nachsuche Hirschkäfer im Spätfrühling und Sommer 2005 im Bereich "Dellinger Höhe" und "Kalkofenberg" sowie an den Seitenalleen im südwestlichen Anschluss. Avifaunistische Bestandsaufnahmen am Endmoränenwall im Bereich seiner Querung durch die St 2068 alt, zwischen Südrand Weßling und Gut Delling, 43 ha und vier Kartierungsgänge;
  • K. KUHN (2004), Gutachten zu Hirschkäfer im Raum Wörthsee vs. Umgehungsstraße Weßling sowie K. KUHN, mdl. Mitt. (02/2005);
  • Standarddatenbögen der FFH-Gebiete 7933-301 und 7933-371;
  • Kartierung von FFH-Anhang II-Tierarten 2003, Gelbbauchunke und Kammmolch (Bearbeiter: F. GNOTH-AUSTEN; HANSBAUER, LfU, in litt. 02/2005);
  • Artenschutzkartierung Bayern [= ASK], Datenbankauszug Stand 02/2005;
  • Daten der Naturschutzfachkartierung im Lkr. Starnberg 2003/2004 (BRÄU & OSWALD in litt. und mdl. Mitt., GNOTH-AUSTEN in litt., STELLWAG mdl. Mitt., IFUPLAN 2005);
  • Daten der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern (ZAHN in litt. 02/2005 und 10/2006);
  • Angaben verschiedener im Raum tätiger Kollegen: J. KUHN, Blaubeuren, mdl. Mitt. (Bearbeiter MP FFH-Gebiet 7933-301 Schluifelder Moos und Bulachmoos); R. SCHREIBER, LfU, in litt. 2005 zur aktuellen Libellenfauna des Bulachmooses; S. WERNER, LBV Starnberg, mdi. Mitt. 02/2005, vor allem zum Hirschkäfer;
  • Aktuelle Fledermauskartierung 2006, vgl. oben, Kap. 2.

Für die art- bzw. artengruppenbezogene Eingriffsbewertung im Rahmen der saP muss für die Avifauna, speziell bei den Kleinvögeln, angesichts der nicht verfügbaren Siedlungsdichten ein grober und summarischer Ansatz gewählt werden. Zur Abschätzung der Revierzahlen im Trassenumfeld wird für jede Art ein Mittelwert der Höchstdichte in Mitteleuropa dem Schrifttum entnommen (BAUER et al. 2005). In Abhängigkeit von der Stetigkeit des Auftretens entlang der Trasse wurden dabei die Werte für kleinere Flächen (20-50 ha, bei im Trassenbereich hochstete Arten) oder größere Flächen (50-100 ha, bei geringstete Arten) herangezogen. Durch Umrechnung dieser Siedlungsdichten auf die Hektarwerte der Verlust- bzw. Belastungsflächen kann zumindest die Größenordnung der durch Planvorhaben absehbar verloren gehenden Reviere dargestellt werden. Diese artbezogenen Schätzung der Revierzahlen ist durch die gewählten Vorgehensweise mit verschiedenen Sicherheitsaufschlägen versehen und die darauf basierende Konfliktanalyse entspricht daher einer worst case-Betrachtung. Die Bestandsgrößen, die zur populationsökologischen Wichtung der Verluste herangezogen werden, beziehen sich auf den Naturraum Ammer-Loisach-Hügelland (037) und wurden durch einfache flächenmäßige Umrechnung aus den für Gesamtbayern verfügbaren Bestandssummen der einzelnen Arten (aus BEZZEL et al. 2005) bestimmt.

3.4 Artbezogene Konfliktanalyse

Insgesamt belegen die verfügbaren Daten für das Umfeld der Plantrasse Vorkommen von 79 streng geschützten bzw. besonders geschützten und europarechtlich relevanten Arten. Die folgenden Kapitel dokumentieren die Ergebnisse der artenschutzrechtlichen Betrachtung, der diese Arten unterzogen wurden. Danach Iäßt sich zusammenfassend festhalten:

  • Bei den 79 Arten handelt es sich um eine Pflanzenart, den Frauenschuh, sechs Fledermausarten, darunter so bemerkenswerte wie Kleinabendsegler und Nordfledermaus, 64 Vogelarten, ganz überwiegend bayernweit kommune Kleinvögel, aber auch verschiedene bedrohte Arten, die Zauneidechse, fünf Amphibienarten - Kammmolch, Gelbbauchunke, Laub-, Spring- und Zwergwasserfrosch - sowie zwei Moorlibellenarten.
  • Bei 31 Arten ergab die Analyse, dass die Bestände von den Wirkungen des Planvorhabens nicht beeinträchtigt werden; die Tatbestände der einschlägigen Paragraphen sind nicht erfüllt.
  • Bei 48 Arten ist es dagegen absehbar bzw. nicht auszuschließen, dass Verbotstatbestände erfüllt werden, überwiegend die Tötung durch den Straßenverkehr oder auch ein Verlust von Höhlen- bzw. Quartierbäumen. Eine Befreiung ist bei diesen Arten erforderlich. In allen untersuchten Fällen sind dazu die Ausnahmevoraussetzungen aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

3.4.1 Pflanzen

Frauenschuh (Cypripedium calceolus)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL und Anhang A EG-V0 1332/05, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Die Art wurde bei den eigenen Geländebegehungen in 1994, 1998 und 2000 erfasst. Wuchsorte konnten dabei zum einen für den südöstlichen bis südlichen Teil der Taxleiten (Fundorte P 4, P 8, P 9 und P 10, vgl. den LBKP M 1:5.000 Unterlage 13.1 des Vorentwurfs vom 28.11.2000; Bestätigung der Nachweise nach ASK aus dem Jahr 1984), zum anderen für das Dellinger Buchet, etwa auf Höhe Bau-km 0+900, dokumentiert werden (Fundort P 12 im LBKP vom 28.11.2000).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Die aktuell aufgefundenen Vorkommen im südöstlichen bis südlichen Teil der Taxleiten liegen in einer Entfernung von über 500 m östlich bzw. nordöstlich der Trasse; gleiches gilt für die alten Taxleiten-Fundorte aus 1984, die in der ASK erfasst sind. Der Standort im Dellinger Buchet liegt rund 250 m südwestlich der Plantrasse. Die näher an bzw. auf der Trasse gelegenen Waldflächen wurden im Jahr 2000 in einem Umgriff von 200 m beidseits flächendeckend begangen; der Frauenschuh konnte dabei nicht nachgewiesen werden. Wirkungen auf die Art sind damit auszuschließen.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Eine Beschädigung bzw. Vernichtung von Individuen bzw. Beständen (Satz 2) kann ebenso ausgeschlossen werden wie eine Beeinträchtigung oder Zerstörung der Standorte (Satz 4).

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 13 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des §42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

3.4.2 Fledermäuse

Zwergfledermaus

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Im UG ist die Zwergfledermaus mit 25 von 59 Nachweisen die häufigste Art. Nachweisschwerpunkt mit mehr als der Hälfte aller festgestellten Individuen ist der westliche Rand des Schluifelder Waldes. Für diesen nördlichen Nachweisbereich ist ein bislang noch nicht bekanntes Quartier zu unterstellen (Wochenstube); die registrierten Durchflüge an den Gehölzen am Ostende der Zufahrt zum Gut Schluifeld verweisen auf dieses Anwesen als Quartierstandort. Der Aktionsraum der Kolonie reicht im Trassenkorridor entlang der Waldränder von Laich und Pfeiferwinkel nach Süden bis in die Lichtung Mitterwies, wobei hier die Nachweishäufigkeit reduziert ist. Ein zweiter Nachweisschwerpunkt mit einem Drittel der erfassten Individuen liegt im südlichen Teiltransekt, am Waldrand des Dellinger Buchet. Die hier regelmäßig jagenden Tiere entstammen höchstwahrscheinlich bereits bekannten Quartieren in Weßling, bei denen Verdacht auf Zwergfledermaus besteht. Eine registrierte Flugbewegung an der Allee zwischen Weßling und dem Waldrand erhärtet diese Annahme.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art   Quartierverluste durch Rodungsarbeiten könnten bei der Zwergfledermaus allenfalls Männchenquartiere in Nistkästen betreffen (Gebäudefledermaus). Jagdgebietsbeeinträchtigungen durch die geplanten Rodungen von Wald können zumindest vorübergehend auftreten (Saumverlust), spielen aber bei der Art eine eher untergeordnete Rolle, da sie fast ausschließlich an den Bestandsrändern jagt.

Angesichts des Flugverhaltens und der präferierten Habitatstrukturen sind Verkehrsverluste [Fußnote 5: Die verfügbaren Daten zur Häufigkeit von Verkehrsverlusten divergieren bei der Zwergfledermaus. In der bundesweiten Statistik steht sie an erster Stelle (HAENSEL & RACKOW 1996), wohingegen sie unter den in Bayern erfassten Verkehrsopfern in Anbetracht ihrer Häufigkeit vergleichsweise selten auftritt (MESCHEDE & RUDOLPH 2004). Eine Gefährdungsdisposition ist generell durch ihr strukturgebundenes Flugverhalten in Höhen von i.d.R. 3 bis 8 m gegeben (vgl. SKIBA 2003), womit sie bei Zerschneidung ihrer Bewegungskorridore noch in den kollisionsgefährdeten Bereich geraten kann (LKW-Verkehr oder bei aufgedämmter Fahrbahn). Das Risiko dieser Art ist dabei jedoch geringer einzuschätzen, als das der nachfolgenden Myotisarten. Ein für die Zwergfledermaus hohes Gefährdungspotenzial geht jedoch von ihrer jagdlichen Nutzung straßenbegleitender Gehölze aus. Selbst an Alleen, an denen sie normalerweise im Kronenbereich jagt, kann sie mit gelegentlichen "Sturzflügen" noch in verkehrsgefährdete Höhen kommen. Problematischer dürfte jedoch ihre Jagd an straßenbegleitenden Gehölzrändern sein, da sie in dieser Situation einen Raum mit bis zu 8 m Entfernung von der Vegetation nutzt. Bei der Jagd an Gehölzrändern ist ihre Flughöhe aber immer vegetationsabhängig. Da sie an höheren Gehölzen selten unter 5 m Höhe fliegt, sind für die Zwergfledermaus v.a. niedrige Straßenbegleitgehölze mit zu geringem Fahrbahnabstand problematisch.] in der Betriebsphase nicht auszuschließen. Für den südlichen Aktionsraum im UG sind diesbezüglich vier Konfliktbereiche zu benennen (vgl. Kap. 2.2, Planungshinweise). K1: Durchschneidung der Flugleitlinie Quartier-Jagdgebiet. K2+K4: Durchschneidung eines regelmäßig und in vergleichsweise hoher Nachweishäufigkeit genutzten Waldrandjagdgebietes. K3: Durchfahrung des Dellinger Buchet im Randbereich, der hier zumindest entlang der Waldwege von der Art genutzt wird; im Bereich dieser 420 m langen Trassenschneise entsteht besonders für die Zwergfledermaus zusätzliche Kollisionsgefahr bei zukünftigen Jagd oder Transferflügen entlang der neuen Waldgrenzlinien im Trassenverlauf.

Im mittleren Trassenabschnitt erscheint das Konfliktpotenzial für die Zwergfledermaus aufgrund der geringeren Häufigkeit etwas reduziert. K6: Die Raumnutzung der Art beschränkt sich hier mutmaßlich auf den nördlichen Abschnitt der Durchfahrung im Pfeiferwinkel, für die auf die Aussagen zu K3, oben, verwiesen werden kann. K7: An der Durchschneidung des Waldrandes am Pfeiferwinkel ist zumindest bei geringem Aufkommen regelmäßige Jagdnutzung gegeben; vermutlich kreuzt hier aber auch eine zweite Zuflugtrasse durch die Richtung Gut Schluifeld führende Gehölzleitlinie.

Im nördlichen Verbreitungsschwerpunkt der Art sind mit Sicherheit die höchsten Fahrbahnquerungsraten mit entsprechendem Kollisionsrisiko gegeben. K8: Die Trasse kreuzt eine Flugleitlinie für regelmäßige Quartier-Jagdgebiets-Pendelflüge (hohe Nachweishäufigkeit) und zum anderen wird ein stark frequentiertes Waldrandjagdgebiet angeschnitten.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Ein erhöhtes verkehrsbedingtes Tötungsrisiko ist anzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Da möglicherweise von Männchen im Sommer belegte Nistkästen außerhalb der Nutzungszeit kleinräumig umgehängt werden können, kann dieser Tatbestand vermieden werden.

Satz 3 [Störung] Nicht gegeben.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussehungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

In der Betriebsphase ist ein erhöhtes Tötungsrisiko zu unterstellen. Insofern ist auch Art. 12 Abs. 1 lit. a der FFH-RL einschlägig und eine Befreiung gem. Art. 16 FFH-RL erforderlich.

Die Zwergfledermaus zählt zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Arten Bayerns. Speziell im Voralpinen Hügel- und Moorland ist für diese Art die höchste Dichte an Fortpflanzungshabitaten innerhalb Südbayerns und die zweithöchste für Bayern belegt. Es ist daher nicht anzunehmen, dass die Verluste, die für das UG zu erwarten bzw. nicht auszuschließen sind, sich erheblich auf den Erhaltungszustand der Population des Naturraums auswirken. Die Ausnahmevoraussetzungen sind damit aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Unabhängig davon ist festzuhalten, dass lokale Effekte auf den Bestand keinesfalls auszuschließend sind (u.U. vorübergehender bis dauerhafter Rückgang der Bestandsgrößen in zwei Quartieren). Vorsorglich werden daher die in Kap. 2.2 für die Zwergfledermaus aufgeführten Maßnahmen zur Minimierung empfohlen.

Kleine Bartfledermaus

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   Die schwere Differenzierbarkeit mehrerer Rufsequenzen gegenüber der Wasserfledermaus lässt eine zweifelsfreie Zuordnung der entsprechenden Nachweispunkte nicht zu, weshalb sie in Tab. 1 und Tab. 2 sowie Abb. 1 (Anhang) mit dieser Art zusammengefasst als Myotis sp. dargestellt wird. Von diesen insgesamt 24 Einzelnachweisen dürften jedoch gut 34 auf die Kleine Bartfledermaus entfallen, womit sie sich nach der Zwergfledermaus als zweithäufigste Art des UG darstellt. Als synanthrope Art mit verhältnismäßig geringem Aktionsradius zeigt sie eine ähnliche Raumnutzung wie die Zwergfledermaus (vgl. Abb. 1 im Anhang). Dies lässt gleichermaßen auf ein Quartier im Bereich des nördlichen sowie des südlichen Teiltransektes schließen. Im Süden - mit hoher Nachweishäufigkeit am Dellinger Buchet - kommt hierfür erneut der Ort Weßling mit Quartiernachweis einer unbestimmten kleineren Art in Betracht. Im Norden könnte dies ebenfalls im Gut Schluifeld, aber auch in Grünsink zu finden sein. Der Schwerpunkt der Nachweise liegt jedoch im mittleren Teiltransekt, was i.W. auf eine Serie von neun unmittelbar aufeinander folgenden Durchflügen an einem Punkt zurückzuführen ist. Dieser liegt an der "Laubwaldbrücke" zwischen Taxleiten und Neuschlag.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art   Quartierverluste durch das Bauvorhaben könnten allenfalls Sommerquartiere in Nistkästen betreffen, da sich in Bayern die Wochenstuben zu 98 § in bzw. an Gebäuden befinden. Jagdgebietsbeeinträchtigungen durch die geplanten Rodungen von Wald können zumindest vorübergehend auftreten (Saumverlust), spielen aber auch bei der Kleinen Bartfledermaus eine eher untergeordnete Rolle, da die Art ebenfalls fast ausschließlich an den Bestandsrändern jagt.

Angesichts des Flugverhaltens und der präferierten Habitatstrukturen ist mit Verkehrsverlusten in der Betriebsphase zu rechnen (vielfach geringe Flughöhen von 1,5 bis 6 m). Aufgrund der ähnlichen Raumnutzung wie bei der Zwergfledermaus sind für den südlichen und den nördlichen Aktionsraum im UG zunächst folgende Konfliktbereiche zu benennen (vgl. Kap. 2.2 Planungshinweise). K1: Durchschneidung der Flugleitlinie Quartier-Jagdgebiet. K2+K4: Durchschneidung eines regelmäßig und mit vergleichsweise hoher Nachweishäufigkeit belegten Waldrandjagdgebietes. K3: Durchfahrung des Dellinger Buchet im Randbereich, der hier zumindest entlang der Waldwege von der Art genutzt wird. K8 (im Norden): Durchschneidung eines Waldrandjagdgebietes mit geringerer Nutzungsintensität und möglicherweise auch einer Flugleitlinie für regelmäßige Quartier-Jagdgebiet-Pendelflüge. Im mittleren Trassenabschnitt tritt ein gegenüber der Zwergfledermaus mutmaßlich stärker frequentierter Bewegungskorridor zwischen Taxleiten und Neuschlag hinzu, der gut 100 m südwestlich des o.g. Nachweispunktes von der Trasse durchschnitten wird (Bereich K5/Anfang K6).

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Ein erhöhtes verkehrsbedingtes Tötungsrisiko ist anzunehmen.

Satz 1 [Nist/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Da potenziell von Einzeltieren oder kleineren Kolonien im Sommer belegte Nistkästen außerhalb der Nutzungszeit kleinräumig umgehängt werden können, kommt dieser Tatbestand nicht zum Tragen.

Satz 3 [Störung] Nicht gegeben: Eine Störung in Jagdhabitaten kann ausgeschlossen werden, eine Störung in Quartieren ist nicht anzunehmen.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

In der Betriebsphase ist ein erhöhtes Tötungsrisiko zu unterstellen. Insofern ist auch Art. 12 Abs. 1 lit. a der FFH-RL einschlägig und eine Befreiung gem. Art. 16 FFH-RL erforderlich.

Die Kleine Bartfledermaus ist in Südbayern weit verbreitet und häufig. Speziell im Voralpinen Hügel- und Moorland ist sie mit der bayernweit höchsten Dichte an Fortpflanzungsnachweisen vertreten; hier weist sie wiederum im östlichen und mittleren Teil - einschließlich des Ammer- Loisach-Hügellandes - die höchste Nachweisdichte auf. Es ist daher nicht anzunehmen, dass die Verluste, die für das UG zu erwarten bzw. nicht auszuschließen sind, sich erheblich und nachhaltig auf den Erhaltungszustand der Population des Naturraums auswirken. Die Ausnahmevoraussetzungen sind damit aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Unabhängig davon ist festzuhalten, dass lokale Effekte auf den Bestand nicht auszuschließen sind. Vorsorglich werden daher die in Kap. 2.2 aufgeführten Maßnahmen zur Minimierung entsprechender Belastungen empfohlen.

Wasserfledermaus

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet  Im UG ist die Art mutmaßlich eher spärlich verbreitet. Es ist aber davon auszugehen, dass etwa 1/4 der in Tab. 1 bzw. Tab. 2 dokumentierten 24 Nachweise von Myotis sp. (Kap. 2.1) auf diese Art zu beziehen sind und sie über den gesamten Trassenverlauf verbreitet ist. Ihr Vorkommen steht prinzipiell mit den größeren Gewässern der Umgebung im Zusammenhang, in deren Nähe sich ihre bevorzugten Quartiere, Baumhöhlen und Nistkästen, in erster Linie befinden dürften. Als flugstärkere Art kann sie jedoch auch aus entfernteren "Waldquartieren" ihre Gewässerjagdgebiete anfliegen bzw. größere Gebiete im Umgriff von Weßlinger und Wörthsee bei ihrer Waldjagd durchstreifen. Bei der Waldjagd jagt auch diese Art i.W. entlang der Waldwege und -ränder und orientiert sich beim Raumwechsel streng an Gehölzleitlinien.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art   Quartierverluste durch das Bauvorhaben können nicht ausgeschlossen werden, v.a. durch Rodung randständiger Hohlenbäume. Die geplanten Rodungen sind bezüglich etwaiger Jagdgebietsverluste für die Wasserfledermaus von untergeordneter Bedeutung, da die Waldjagd bei dieser Art gegenüber der Gewässerjagd insgesamt eine geringere Rolle spielt und i.d.R. auch nicht in den Beständen, sondern an deren inneren und äußeren Grenzlinien erfolgt.

Durch den stark leitlinienorientierten Flug in geringer Höhe [Fußnote 6: maximale Jagdflughöhe an Gehölzrändern 5 m (AHLEN 1990), bei Flügen entlang von Waldwegen häufig auch < 3 m] auf festen Routen besteht ein grundsätzlich hohes Kollisionsrisiko, wenn die Flugwege durch Straßen zerschnitten werden. Trassenquerungen sind prinzipiell an allen Konfliktbereichen gemäß Kap. 2.2 zu erwarten, wobei die Kontaktbereiche der Waldgebiete, z.B. K5/K6 zwischen Taxleiten und Pfeiferwinkel/Neuschlag, vermutlich stärker genutzt werden.

d) Verbotstatbestände nach § 42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Die Fällung potenzieller (Sommer-)Quartierbäume kann zur Vermeidung einer Tötung von Tieren im Winter erfolgen. Notfalls könnten die Arbeiten aber auch mit Unterstützung einer Fachkraft durchgeführt werden, um eine Tötung von Tieren zu vermeiden, diese ggf. zu bergen und artgerecht zu versorgen. Ein erhöhtes verkehrsbedingtes Tötungsrisiko durch das Vorhaben ist anzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Ein Verlust von Quartierbäumen kann nicht ausgeschlossen werden.

Satz 3 [Störung] Nicht gegeben.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

In der Betriebsphase ist ein erhöhtes Tötungsrisiko zu unterstellen und auch der Verlust von Quartierbäumen (Ruhestätten) kann nicht ausgeschlossen werden. Insofern ist auch Art. 12 Abs. 1 lit. a und d der FFH-RL einschlägig und eine Befreiung gem. Art. 16 FFH-RL erforderlich.

Von der Wasserfledermaus liegt für das Voralpine Hügel- und Moorland die bayernweit zweithöchste Dichte an Fortpflanzungsnachweisen vor. Innerhalb Südbayerns weist sie in diesem Großnaturraum die stärkste Verbreitung auf und fehlt (nach eigener Erfahrung) an den für sie geeigneten Gewässern nur selten. Es ist damit nicht anzunehmen, dass die Verluste, die für das UG zu erwarten bzw. nicht auszuschließen sind, sich erheblich und nachhaltig auf den Erhaltungszustand der Population des Naturraums auswirken. Die Ausnahmevoraussetzungen sind damit aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Unabhängig davon ist festzuhalten, dass lokale Effekte auf den Bestand nicht auszuschließen sind. Vorsorglich werden daher die in Kap. 2.2 aufgeführten Maßnahmen zur Minimierung entsprechender Belastungen empfohlen.

Kleiner Abendsegler

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   Im Untersuchungsgebiet trat der Kleine Abendsegler nur in der Nordhälfte des Trassenverlaufs, mit Schwerpunkt am Westrand des Schluifelder Walds, auf (fünf Nachweise). Ein weiterer Nachweispunkt liegt am Nordostrand des Pfeiferwinkels. Insbesondere für den zuerst genannten Laubwaldbereich ist die Existenz eines Sommerquartiers in Höhlenbäumen oder Nistkästen anzunehmen.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art    Quartierverluste sind in erster Linie durch die geplanten Rodungen am Westrand des Schluifelder Waldes prinzipiell möglich. Vorhabensbedingte Jagdgebietsverluste treten in diesem Bereich sowie bei den Beständen des Pfeiferwinkels sicher nicht in nennenswertem Umfang auf, da die Art ohnehin i.W. Randbereiche und Schneisen nutzt.

Nach den unterschiedlichen Angaben zu den bevorzugten Fluggewohnheiten wird eine Mindesthöhe von 4 bis 15 m wohl nicht unterschritten. Der Kleine Abendsegler ist damit generell nicht zu den verkehrsgefährdeten Arten zu rechnen, was sich sowohl in der bayerischen als auch in der bundesweiten Statistik widerspiegelt, in denen er nur 1-2 % aller erfassten Fledermaus- Kollisionsopfer stellt.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Die Fällung potenzieller (Sommer-)Quartierbäume kann zur Vermeidung einer Tötung von Tieren außerhalb der Nutzungszeit erfolgen. Notfalls müssten die Arbeiten von einer Fachkraft begleitet werden, um eine Tötung von Tieren zu vermeiden und diese artgerecht zu versorgen. Ein erhöhtes verkehrsbedingtes Tötungsrisiko durch das Vorhaben ist nicht anzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Ein Verlust von Quartierbäumen kann nicht ausgeschlossen werden.

Satz 3 [Störung] Nicht gegeben.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Durch die Fällungsarbeiten kann ein Verlust von Quartierbäumen nicht ausgeschlossen werden. Insofern ist auch Art. 12 Abs. 1 lit. d der FFH-RL einschlägig und eine Befreiung gem. Art. 16 FFH-RL erforderlich.

Das Quartierangebot für die Art ist speziell im Bereich des Schluifelder Waldes mit Sicherheit nicht defizitär. Es ist daher nicht anzunehmen, dass einzelne Quartierverluste, die für das UG zu erwarten bzw. nicht auszuschließen sind, sich nennenswert auf den Erhaltungszustand der Population des Naturraums auswirken. Die Ausnahmevoraussetzungen sind damit aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert). Es wäre zu erwägen vorsorglich geeignete künstliche Quartiere auszubringen, die von der Art angenommen werden (Spezialkästen).

Rauhhautfledermaus

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet    Die Rauhhautfledermaus trat - vermutlich aufgrund ihrer weitläufigeren Jagdflüge - im engeren Untersuchungskorridor zwar nicht kontinuierlich und auch nicht häufig, jedoch im gesamten Trassenverlauf auf (vier Nachweise). Sie zählt damit zu den selteneren Arten im Gebiet. In aller Regel tritt die Art in ganz Südbayern nur zu den Zugzeiten und als Wintergast häufiger in Erscheinung. Bei den im UG Mitte Juni nachgewiesenen Tieren dürfte es sich um eine kleinere Männchenkolonie oder auch um Einzeltiere gehandelt haben, die das Überwinterungsgebiet nicht verlassen haben und auf die Rückkehr bzw. den Durchzug von Weibchen warteten. Ihre Quartiere (Sommer-, Winter-, Einzelquartiere) befinden sich überwiegend in Bäumen, ersatzweise auch in Nist- bzw. Fledermauskästen.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art   Die Rauhhautfledermaus könnte durch die vorgesehenen Rodungen Quartierverluste erleiden, wobei neben den hier zu unterstellenden Sommerquartieren auch Zugzeit-/Balzquartiere sowie Winterquartiere in Betracht kommen. Jagdgebietsverluste durch Rodungen erscheinen wenig bedeutsam, da die Art i.W. im freien Luftraum entlang der Grenzlinien von Gehölzbeständen jagt.

Entsprechend der Flugweise und -höhe (4-15 m) sind verkehrsbedingte Verluste bei der Rauhhautfledermaus allgemein kaum bekannt und auch für das UG wird keine diesbezügliche Risikosituation erkennbar.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Da die Fällung potenzielle Quartierbäume mit Sommer-, Winter- und Balz- bzw. Zugzeitquartieren betreffen kann, wäre prinzipiell zu allen Jahreszeiten eine Tötung von Tieren denkbar. Insofern muss zur Vermeidung eine qualifizierte Nachsuche erfolgen und ggf. eine Fachkraft die Rodungsarbeiten begleiten, kritische Höhlen untersuchen, die Tiere bergen und artgerecht versorgen. Ein erhöhtes verkehrsbedingtes Tötungsrisiko durch das Vorhaben ist nicht erkennbar.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten]   Ein Verlust von Quartierbäumen kann nicht ausgeschlossen werden; prinzipiell können Sommer-, Winter- und Balz- bzw. Zugzeitquartiere betroffen sein.

Satz 3 [Störung] Nicht gegeben bzw. nicht anzunehmen.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Durch die Fällungsarbeiten kann ein Verlust von Quartierbäumen nicht ausgeschlossen werden. Insofern ist auch Art. 12 Abs. 1 lit. d der FFH-RL einschlägig und eine Befreiung gem. Art. 16 FFH-RL erforderlich.

Das Quartierangebot für die Art ist im UG, speziell im Bereich des Schluifelder Waldes, mit Sicherheit nicht defizitär. Es ist daher nicht anzunehmen, dass einzelne Quartierverluste, die für das UG zu erwarten bzw. nicht auszuschließen sind, sich nennenswert auf den Erhaltungszustand der Population des Naturraums auswirken. Die Ausnahmevoraussetzungen sind damit aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert). Es wäre zu erwägen, vorsorglich geeignete künstliche Quartiere auszubringen, die von der Art angenommen werden (Spezialkästen).

Nordfledermaus

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Im UG war nur einmal ein einzelnes jagendes Tier am Nordrand des Waldgebiets Laich/Taxleiten nachzuweisen, das vermutlich zur nächstliegenden kleinen Kolonie in Steinebach gehört (Entfernung > 2 km). Mit einem häufigeren bzw. kontinuierlicheren Auftreten der Art ist kaum zu rechnen, da eine kleinräumigere Jagdgebietsnutzung des engeren Quartierumgriffs am Wörthsee unterstellt werden kann.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art     Die Nordfledermaus ist durch die vorgesehenen Fällungsarbeiten hinsichtlich Quartierverlust nicht betroffen. Die Quartiere der Art befinden sich immer in bzw. an Gebäuden; selbst Nistkastennachweise fehlen und nur ein einziger Fund aus Bayern bezieht sich auf eine Baumhöhle. Essentielle Jagdgebietsverluste sind bereits durch die sicher nur sporadische Nutzung des Planungsraumes auszuschließen.

Die Art jagt im freien Luftraum und minimal in 5-10 m Höhe. Sie zählt dadurch zu den am wenigsten durch den Straßenverkehr gefährdeten Arten. Dementsprechend rangiert sie unter den in Bayern erfassten Verkehrsopfern gemeinsam mit dem Kleinabendsegler an letzter Stelle.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände sind nicht erfüllt.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des !j 42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

3.4.3 Vögel

Überwiegend gefährdete Feuchtgebietsarten aus dem Schluifelder/Bulachmoos

[Bekassine, Beutelmeise, Blaukehlchen, Braunkehlchen, Kiebitz, Kornweihe, Rohrammer, Rohrschwirl, Rohrweihe, Schilfrohrsänger, Schwarzkehlchen, Teichrohrsänger, Tüpfelsumpfhuhn, Wasserralle, Wiesenpieper, Wiesenweihe]

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt, teils auch streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   In der ASK sind für das Schluifelder und das Bulachmoos 16 Vogelarten genannt, die eine mehr oder weniger deutliche Bindung an Feuchtgebiete (mit Kleingewässern) aufweisen und die überwiegend in der Roten Liste Bayern geführt werden. Es handelt sich in erster Linie um mögliche Brutvögel, zum Teil sicher aber auch um Gäste (z.B. Kornweihe). Das Gros der Arten ist nur durch alte Daten für das Schluifelder Moos belegt (1986) und die Bestände sind zum Teil mittlerweile wohl erloschen (KUHN mdl. Mitt.). Die jüngsten verfügbaren Nachweise stammen aus dem Jahr 1995; J. KUHN meldete Bekassine, Wasserralle und Wiesenpieper für das Schluifelder Moos sowie Bekassine und Wiesenpieper für das Bulachmoos.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten

Der minimale Abstand zwischen Straße und dem Schluifelder Moos beträgt 440 m. Da der Raum zwischen dem Gebiet und der Plantrasse aufgrund seiner Ausstattung von den o.g. Feuchtgebietsarten nicht genutzt werden kann, d.h. auch nicht Teil ihres potenziellen Aktionsraumes ist und Funktionsbezüge über die Trasse hinweg auszuschließen sind, Feuchtgebiete sind hier nicht vorhanden, ist nicht von vorhabensbedingten Verkehrsverlusten auszugehen. Gemäß Kap. 3.2.2 können Fernwirkungen auf das Moorgebiet durch projektbedingte Veränderungen des Grundwasserdargebots bzw. der Grundwasserqualität ausgeschlossen werden.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände können damit ausgeschlossen werden.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 ,Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des §42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

Streng geschützte, häufige Greifvögel

Turmfalke, Mäusebussard

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, streng geschützt nach BNatSchG (WA)

b) Vorkommen im Gebiet Aus dem UG liegen für den Mäusebussard Daten zu zwei Brutrevieren im nordöstlichen Randbereich von Dellinger Höhe bzw. Dellinger Buchet vor (B1, B3/4), in verschiedenen anderen Abschnitten wurde die Art als Nahrungsgast beobachtet. Vom Turmfalken existiert nur ein Hinweis auf ein Brutrevier am Rand des Dellinger Buchet südlich der Bahnlinie München-Herrsching (B5).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten

Die Horststandorte sind nicht bekannt. In zwei von drei Fällen (jeweils ein Revier Mäusebussard und Turmfalke) ist aber nicht auszuschließen, dass auch der Horststandort selbst von den geplanten Rodungen getroffen wird.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Da sich die neue Straße im Umfeld der potenziellen Horststandorte befindet, besteht grundsätzlich ein erhöhtes Tötungsrisiko. Zur Vermeidung einer Vernichtung von Eiern sollen die erforderlichen Rodungen in diesem Bereich außerhalb der Brutzeit vorgenommen werden.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Eine projektbedingte Rodung der Horstbäume ist nicht auszuschließen.

Satz 3 [Störung] Letztlich ist auch eine Störung des Nahbereichs um den Horststandort nicht auszuschließen (Baubetrieb, nach Trasseneröffnung), jedoch wäre für diesen Fall eine rasche Gewöhnung zu erwarten bzw. ein Ausweichen in den Bestand möglich.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Nach Datenlage ist weder eine Tötung von Individuen noch eine Vernichtung von Nestern der beiden Arten auszuschließen, womit Art. 5 lit. a und b der VS-RL einschlägig ist; eine Zerstörung von Eiern kann durch Durchführung der Rodungsarbeiten außerhalb der Brutzeit vermieden werden. Unabhängig davon, dass die genannten Tatbestände nur der Möglichkeit nach bestehen, wären durch den allenfalls gelegentlichen Verlust von Einzeltieren bzw. den Verlust eines Horststandorts bei umfassenden Ausweichmöglichkeiten bei diesen beiden bayernweit und im Naturraum häufigen Arten populationsökologische Folgen des Vorhabens in jedem Fall auszuschließen (Naturraumbestand Schätzwerte: Turmfalke 350-700 BP, Mäusebussard mind. 200 bis 350 BP , max. > 500 BP). Entsprechend ist auch der Tatbestand von Art. 5 d VS-RL nicht erfüllt, da bezüglich der Auswirkungen etwaiger Störungen analoges gilt (vgl. auch oben).

Art. 5 und 9 der VS-RL stehen daher aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Große Spechte

Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, streng geschützt nach BArtSchV

b) Vorkommen im Gebiet   Es liegen mehrere Nachweise der drei Arten vor, mit Schwerpunkt im Bereich Dellinger Buchet/Dellinger Höhe [B1 bis B5], aber auch aus dem Waldgebiet Taxleiten (nach Daten ASK, 1990). Für den Grünspecht existieren darüber hinaus zwei Nachweise aus dem südlichen Schluifelder Wald, einer davon auch im Eingriffsbereich (B10, Nahrungsgast). Trotz der Anzahl von Beobachtungen liegen keine Hinweise darauf vor, dass die engeren Revierzentren bis in den näheren Trassenumgriff reichen oder hier sogar Bruthöhlenbäume existieren. Dazu ist festzuhalten, dass alle drei Arten sehr große Brutreviere aufbauen, die von minimal 100 ha beim Grauspecht bis hin zu 500-1.500 ha bei Grünspecht und Schwarzspecht reichen.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten Die lokalen Bruthöhlenbäume der drei Arten sind nicht bekannt und es ist zumindest für Grau- und Schwarzspecht, die stärker in das Innere der Bestände orientiert leben, wenig wahrscheinlich, dass sich solche Höhlenbäume im Eingriffsbereich befinden und mithin die Gefahr besteht, dass diese gerodet werden. Beim Grünspecht ist dies aber nicht auszuschließen. Südlich der Bahnlinie, potenziell aber auch nördlich davon im Bereich Neuschlag/Pfeiferwinkel, werden Flächen in Anspruch genommen, die mit einiger Wahrscheinlichkeit zum Aktionsraum der Arten gehören. In diesen Abschnitten muss zumindest vorübergehend - während der Bau- und zu Beginn der Betriebsphase mit Störungen der Art gerechnet werden; eine rasche Gewöhnung kann jedoch unterstellt werden. Angesichts der Lebensraumnutzung und anderer Verhaltenseigenschaften erscheint das Risiko, dass es durch die neue Trasse zu erhöhten Verkehrsverlusten kommt, sehr gering.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Das Tötungsrisiko erscheint sehr gering. Zur Vermeidung einer Vernichtung von Eiern sollen die erforderlichen Rodungen in den Vorkommensbereichen außerhalb der Brutzeit vorgenommen werden.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Eine projektbedingte Rodung der Höhlenbäume des Grünspechts ist nicht auszuschließen; bei den beiden anderen Spechtarten ist sie äußerst unwahrscheinlich.

Satz 3 [Störung] Letztlich ist auch eine Störung des Nahbereichs um die Höhlenbäume des Grünspechts nicht auszuschließen (Baubetrieb, nach Trasseneröffnung), jedoch wäre für diesen Fall eine rasche Gewöhnung zu erwarten bzw. u.U. auch ein Ausweichen möglich.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist für den Grünspecht erforderlich; bei den beiden anderen Arten sind die Tatbestände nicht erfüllt.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V, mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Nach Datenlage ist eine Tötung von Individuen sehr unwahrscheinlich und eine Zerstörung von Eiern kann durch Durchführung der Rodungsarbeiten außerhalb der Brutzeit vermieden werden. Der Tatbestand von Art. 5 lit. a VS-RL ist damit nicht erfüllt; Art. 5 lit. b ist zwar bezüglich der Eier ebenfalls nicht einschlägig, eine Zerstörung von "Nestern" (hier Bruthöhlen) des Grünspechts ist jedoch nicht auszuschließen.

In jedem Fall ist unter Berücksichtigung der Gesamtheit aller möglichen Wirkungen auf die lokalen Artvorkommen u.E. - insbesondere in Anbetracht der erheblichen Reviergrößen und umfassenden Ausweichmöglichkeiten im Verhältnis zur relativen Kleinflächigkeit der Eingriffsbereiche bzw. Verlustflächen - nicht damit zu rechnen, dass besetzte Reviere aufgegeben werden. Auswirkungen auf Populationsniveau sind auszuschließen; damit ist zugleich auch Art. 5 d nicht einschlägig, selbst wenn die oben konzedierten vorübergehenden Störungen in die Brut- und Aufzuchtszeit fallen würden. Art. 5 und 9 der VS-RL stehen daher aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Im Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die geplanten Ersatzaufforstungen nördlich der S-Bahnlinie München-Herrsching (3,8 ha) angesichts der zu erwartenden Ausstattung und der räumlichen Anbindung dem Grünspecht einen neuen Nahrungslebenraum zur Verfügung stellen werden.

Häufige (Klein-)Vögel, die ausschließlich als Gäste auftreten

Rauch- und Mehlschwalbe, Bachstelze, Weidenmeise, Tannenhäher (Nahrungsgäste), Grauschnäpper (Zuggast)

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Die sechs hier subsumierten Arten wurden an einzelnen Stellen des Trassenverlaufs in wenigen Individuen festgestellt, z.B. am Nordostrand Dellinger Buchet [B3/4] und im Offenland westlich des Waldgebiets Laich/Taxleiten [B9]. Eine besondere Bedeutung der Nachweisorte wird dabei nicht erkennbar.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Es besteht die Möglichkeit, dass durch das Planvorhaben Teile von (phasenweise genutzten) Nahrungslebensräumen der Arten in Anspruch genommen werden. Essentielle Bestandteile der Gesamtlebensräume werden sicher nicht getroffen, womit auch etwaige Störungen nicht relevant wären (keine Wohn- oder Zufluchtstätten). Ein erhöhtes Tötungsrisiko wird nicht erkennbar.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände sind nicht erfüllt.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des 3 42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

Häufige höhlenbrütende (Klein-)Vögel der (lichten) Wälder

In Klammern = Stetigkeit, d.h. Anzahl Nachweisabschnitte, Maximalwert 10: Sumpfmeise (4), Tannenmeise (5), Blaumeise (6), Kohlmeise (6), Kleiber (5), Gartenbaumläufer (3), Waldbaumläufer (1) zzgl. Buntspecht (4); Arten, die Teile ihrer Nahrungslebensräume im angrenzenden Offenland haben: Star (4), Feldsperling (2)

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   Die überwiegende Mehrzahl der hier subsumierten Arten ist in den vom Eingriff betroffenen Waldrandbereichen und den daran angrenzenden Beständen weiter verbreitet, insbesondere im Bereich Pfeiferwinkel, Neuschlag und Dellinger Buchet (B5, B7, B8, teils auch B1 und B3/4). Für einige dieser Arten liegen zusätzlich noch Nachweise vom Westrand des Schluifelder Walds vor (B10: Blau- und Kohlmeise, Star). Nur die beiden Baumläufer und der Feldsperling scheinen entlang der Trasse spärlicher aufzutreten (Gartenbaumläufer bzw. Waldbaumläufer nur im Süden: Abschnitte B1, B3 bzw. B3/4; Feldsperling: B5, B10).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten    Durch das Planvorhaben wird es bei allen genannten Arten absehbar zu Brutrevierverlusten durch Rodung von Waldflächen und u.U. auch durch Maskierung von Reviergesängen in der Betriebsphase (Lärm) kommen. Gemäß der in Kap. 3.3 erläuterten Vorgehensweise und der in Kap. 3.2.2 bilanzierten Flächeninanspruchnahmen und -belastungen ist im ungünstigsten Fall von folgenden Revierverlusten auszugehen:

Buntspecht, 2 bis 5 Brutpaare [BP]
Sumpfmeise, 1 bis 2 BP
Tannenmeise, 2 bis 6 BP
Kohlmeise, 9 bis 25 BP
Blaumeise, 9 bis 25 BP
Kleiber, 4 bis 10 BP
Gartenbaumläufer, 1 bis 3 BP
Waldbaumläufer, 1 bis 2 BP
Star, 9 bis 25 BP
Feldsperling, 8 bis 22 BP

Schließlich ist für die genannten Arten, insbesondere in Bereichen, in denen beidseits Waldbestände an die neue Straße angrenzen, in der Betriebsphase auch mit Verkehrsverlusten zu rechnen. Ein etwas erhöhtes Risiko weisen dabei Star und Feldsperling auf, da diese Arten sich nicht nur regelmäßig innerhalb der Waldbestände bewegen, sondern zusätzlich auch noch zur Nahrungssuche in das Offenland einfliegen.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Eine betriebsbedingte Tötung von Tieren kann bei keiner der subsumierten Arten ausgeschlossen werden. Zur Vermeidung einer Beschädigung oder Vernichtung von Eiern bzw. der Tötung von nicht flüggen Jungvögeln sind die erforderlichen Rodungen außerhalb der Brutzeit vorzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Ebenfalls für alle Arten ist von einer projektbedingten Rodung von Höhlenbäumen und Verlusten von Brutrevieren, im ungünstigsten Fall in der o.g. Größenordnung, auszugehen.

Satz 3 [Störung] Bei allen Arten sind darüber hinaus Funktionsverluste durch Verlärmung des Nahbereichs der künftigen Straße nicht auszuschließen (Singvögel, auch Buntspecht [Instrumentallaute zur Revierabgrenzung]). Entsprechenden Reduktionen bei der Revierzahl sind in den o.g. Schätzwerten enthalten.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist für alle hier subsumierten Arten erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Wie oben ausführlicher erläutert ist eine Tötung von Individuen der genannten Arten nicht auszuschließen und insofern Art. 5 lit. a VS-RL einschlägig. Da die projektbedingten Rodungen absehbar auch zur Entfernung von Bruthöhlen führen werden, ist auch ein Tatbestand von Art. 5 lit. b erfüllt; die Zerstörung von Eiern kann jedoch durch Beschränkung der Rodungsmaßnahmen auf einen Zeitraum außerhalb der Brutzeit vermieden werden. Bezüglich Art. 5 lit. d ist anzumerken, dass zwar in der Betriebsphase mit Störungen auch zur Brutzeit zu rechnen ist, dadurch aber bei den hier subsumierten häufigen Arten keine populationsökologischen Folgen zu befürchten sind (vgl. auch unten). Insofern ist der Verbotstatbestand von Art. 5 d nicht erfüllt.

Unter Berücksichtigung der Gesamtheit aller möglichen Wirkungen auf die lokalen Brutbestände sind in Anbetracht der im ungünstigsten Fall zu erwartenden Revierverluste einerseits und der weiten Verbreitung bzw. Häufigkeit der entsprechenden Arten im Naturraum andererseits Rückwirkungen auf den Erhaltungszustand der Populationen auszuschließen, Im schlechtesten Fall belaufen sich die wie oben abgeschätzten potenziellen Revierverluste auf einen Anteil von etwa 0,2 bis 0,3 % des für den Naturraum anzusetzenden Gesamtbrutbestands (Gartenbaumläufer, Blaumeise, Kleiber und Feldsperling), im günstigsten Fall, bei der Tannenmeise, liegen die entsprechenden Werte bei deutlich < 0,1 %.

Im Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass abgesehen vom Buntspecht alle Arten dieser Gruppe auch Nistkästen als Bruthöhlen akzeptieren und entsprechende Verluste von Höhlenbäumen auf diese Weise relativ leicht und zeitnah kompensiert werden können.

Art. 5 und 9 der VS-RL stehen daher aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Häufige freibrütende Arten der Wälder und Gebüsche, überwiegend Kleinvögel

In Klammern = Stetigkeit, d.h. Anzahl Nachweisabschnitte, Maximalwert 10: Ringeltaube (6), Zaunkönig(7), Heckenbraunelle (5), Rotkelchen (6), Amsel (7) , Misteldrossel (6), Gartengrasmücke (2), Mönchsgrasmücke (5), Waldlaubsänger (1), Zilpzalp (6), Fitis (3), Wintergoldhähnchen (3), Sommergoldhähnchen (1), Eichelhäher (3), Buchfink (6), Grünling (5), Kernbeißer (3), Gimpel (2); Arten, die Teile ihrer Nahrungslebensräumen im angrenzenden Offenland haben: Wacholderdrossel (1), Singdrossel (7), Rabenkrähe (2)

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Die Mehrzahl der hier subsumierten Arten ist in den Waldrandbereichen und daran angrenzenden Beständen nachweislich über den gesamten Trassenverlauf hinweg verbreitet (Ringeltaube, Zaunkönig, Heckenbraunelle, Rotkelchen, Amsel, Misteldrossel, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Buchfink, auch Singdrossel). Grundsätzlich ebenfalls entlang der ganzen Strecke, jedoch offensichtlich stärker zerstreut verbreitet sind weitere fünf Arten (Fitis, Wintergoldhähnchen, Eichelhäher, Grünling, Kernbeißer). Einzelne Arten sind ausschließlich aus den Waldflächen südlich der Bahnlinie, Dellinger Höhe und/oder Dellinger Buchet, und hier teilweise nur aus einem einzigen Trassenabschnitt bekannt (Gartengrasmücke, Sommergoldhähnchen, Gimpel, Wacholderdrossel, Waldlaubsänger).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten Durch das Planvorhaben wird es bei allen genannten Arten absehbar zu Revierverlusten durch Rodung von Waldflächen und u.U. auch durch Maskierung von Reviergesängen in der Betriebsphase (Lärm) kommen. Gemäß der in Kap. 3.3 erläuterten Vorgehensweise und der in Kap. 3.2.2 bilanzierten Flächeninanspruchnahmen und -belastungen ist im ungünstigsten Fall von folgenden Revierverlusten auszugehen:

Ringeltaube, 2 bis 5 Brutpaare [= BP]
Zaunkönig, 6 bis 16 BP
Heckenbraunelle, 4 bis 12 BP
Rotkehlchen, 7 bis 20 BP
Amsel, 15 bis 42 BP
Wacholderdrossel, 3 bis 8 BP
Singdrossel, 6 bis 17 BP
Misteldrossel, 1 bis 2 BP
Gartengrasmücke, 3 bis 8 BP
Mönchsgrasmücke, 8 bis 22 BP
Waldlaubsänger, 1 bis 3 BP
Zilpzalp, 7 bis 20 BP
Fitis, 4 bis 12 BP
Wintergoldhähnchen, 1 bis 4 BP
Sommergoldhähnchen, 1 bis 4 BP
Eichelhäher, 1 bis 2 BP
Rabenkrähe, 1 bis 2 BP
Buchfink, 12 bis 25 BP
Grünling, 11 bis 30 BP
Gimpel, 1 bis 2 BP
Kernbeißer, 1 bis 2 BP

Schließlich ist für die genannten Arten, insbesondere in Bereichen, in denen beidseits Waldbestände an die neue Straße angrenzen, in der Betriebsphase auch mit Verkehrsverlusten zu rechnen. Ein etwas erhöhtes Risiko weisen dabei Wacholderdrossel, Singdrossel und Rabenkrähe auf, da diese Arten sich nicht nur regelmäßig innerhalb der Waldbestände bewegen, sondern zusätzlich auch noch zur Nahrungssuche in das Offenland einfliegen.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Eine betriebsbedingte Tötung von Tieren kann bei keiner der subsumierten Arten ausgeschlossen werden. Zur Vermeidung einer Beschädigung oder Vernichtung von Eiern bzw. der Tötung von nicht flüggen Jungvögeln sind die erforderlichen Rodungen außerhalb der Brutzeit vorzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Durch vorübergehende wie auch dauerhafte FIächeninanspruchnahmen und -belastungen ist im ungünstigsten Fall von den oben abgeschätzten Revierverlusten auszugehen. Der Verbotstatbestand ist damit für alle Arten grundsätzlich erfüllt.

Satz 3 [Störung] Bei allen Arten sind darüber hinaus Funktionsverluste durch Verlärmung des Nahbereichs der künftigen Straße nicht auszuschließen (mit Ausnahme der Ringeltaube, die aber ihre Reviere auch akustisch abgrenzt, Singvögel). Entsprechende Reduktionen bei der Revierzahl sind in den o.g. Schätzwerten enthalten.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist damit für alle hier subsumierten Arten erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Verkehrsverluste sind bei keiner Art auszuschließen, so dass Art. 5 lit. a VS-RL einschlägig ist. Eine Zerstörung von Nestern und Eiern kann jedoch durch Baufeldräumung außerhalb der Brutzeit vermieden werden, da alle hier zusammengefassten Arten ihre Nester jedes Jahr neu bauen; Art. 5 lit. b VS-RL kommt somit nicht zum Tragen. Obwohl für alle Arten im Nahbereich der künftigen Straße begrenzte bis geringe Funktionsverluste durch Störungen auch zur Brut- und Aufzuchtszeit zu unterstellen sind, ist der Verbotstatbestand von Art. 5 lit. d nicht erfüllt, da Auswirkungen auf Populationsniveau in keinem Fall zu erwarten sind, weder durch die Störungen noch durch die anderen möglichen Wirkungen des Planvorhabens. Bei den Arten handelt es sich durchweg um bayernweit wie auch im Naturraum häufige und sehr häufige Arten, die ganz überwiegend auch in klassischen Nutzwäldern oder im Siedlungsbereich Möglichkeiten finden. Im schlechtesten Fall belaufen sich die wie oben abgeschätzten potenziellen Revierverluste auf einen Anteil von etwa 0,4 bis 0,5 % des für den Naturraum anzusetzenden Gesamtbrutbestands (Heckenbraunelle, Zaunkönig), ganz überwiegend auf etwa 0,1 bis 0,3 % und im günstigen Fall, bei Amsel und Misteldrossel, auf unter O,1 %.

Im Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die vorgesehenen Ersatzaufforstungen, da mit diesen standortgerechte, strukturreiche Laubbestände angestrebt werden, mittel- bis langfristig de facto von allen hier zusammengefassten Arten genutzt werden können, wobei nach einer gewissen Entwicklungszeit durchaus auch Revierdichten in der Größenordnung der realistisch anzusetzenden Verluste erreichbar erscheinen. Einschränkend wirkt diesbezüglich allerdings die Lage der Fläche im unmittelbaren Anschluss an die neue Straße (vgl. Wirkfaktor Straßenlärm). Art. 5 und 9 der VS-RL stehen damit aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Vögel des Offenlands, Acker und Grünland

Wachtel, Feldlerche

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Die einzigen Nachweise von Wachtel und Feldlerche im Untersuchungsgebiet stammen aus dem Bereich Eichenäcker/Eichenwiesen (Abschnitt B6). Bei dem Nachweisbereich handelt es sich um einen Offenlandabschnitt zwischen den Waldrandbereichen von Dellinger Buchet und Neuschlag. Die Wachtel ist hier nach Datenlage gelegentlicher Brutvogel: 1998 wurde ein rufendes Männchen festgestellt, in den beiden Folgejahren ergab sich kein Brutverdacht. Die Feldlerche ist als möglicher Brutvogel in dem vollständig durch Äcker- und Wirtschaftsgrünland verlaufenden Trassenabschnitt einzustufen.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten Für die Trasse werden im gegebenen Abschnitt B6 überwiegend Ackerflächen in Anspruch genommen, vor Eintritt in die angrenzenden Wälder jedoch auf kleineren Flächen auch Wirtschaftsgrünland. Für beide Arten sind damit begrenzte Lebensraumverluste durch Überbauung und in Zusammenhang mit den Baumaßnahmen und dem späteren Verkehrsbetrieb auch durch Lärmimmissionen im trassennahen Bereich zu unterstellen. Bei der Wachtel wären die Verluste mit einem Brutpaar, bei der Feldlerche mit maximal zwei bis drei Brutpaaren anzusetzen.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Da die Wachtel im Bereich ohnehin nur gelegentlicher Brutvogel ist, ist hier eher von einer Verlagerung des Brutplatzes und damit auch nicht von einem tatsächlich bzw. nennenswert erhöhten Tötungsrisiko auszugehen. Gleiches gilt für die Feldlerche, in diesem Fall aber vor allem aufgrund des Flugverhaltens, durch das die Art ganz allgemein nur wenig kollisionsgefährdet ist. Eine Zerstörung von Eiern ist durch Durchführung der Baumaßnahme außerhalb der Brutzeit zu vermeiden; beide Arten bauen jedes Jahr neue Nester.

Satz 1 [ Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Bei der Wachtel ist in Folge der Überbauung im ungünstigen Fall vom Verlust eines Brutreviers, bei der Feldlerche von maximal zwei bis drei Revieren auszugehen.

Satz 3 [Störung] Im Zuge von Bau und Betrieb der neuen Straße kann es durch Lärmimmissionen im Trassennahbereich zur Maskierung von Reviergesängen und damit zu begrenzten Funktionsverlusten des straßenbegleitenden Korridors kommen; diese Funktionsverluste sind bei den oben angegeben potenziellen Revierverlusten bereits mit berücksichtigt.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Eine Tötung von Individuen ist aus den o.g. Gründen sehr unwahrscheinlich, eine Vernichtung von Eiern oder Zerstörung von Nestern kann durch Durchführung der Maßnahmen außerhalb der Brutzeit bzw. vollständige Baufeldräumung vorab vermieden werden. Insofern sind Art. 5 lit. a und b der VS-RL nicht einschlägig. Wenngleich mit lärmbedingten Störungen im Trassennahbereich auch zur Brutzeit gerechnet werden muss, ist angesichts der oben angesetzten sehr begrenzten Verluste bei den beiden Arten ein negativer Einfluss auf den Erhaltungszustand der Arten im Naturraum und in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet auszuschließen. Der Tatbestand von Art. 5 lit. d VS-RL ist damit ebenfalls nicht erfüllt.

Da Verbotstatbestände des Art. 5 VS-RL nicht einschlägig sind, sind die Befreiungsvoraussetzungen des §62 Abs. 1 BNatSchG aus naturschutzfachlicher Sicht erfüllt.

Häufige Kleinvögel der Säume und Lichtungen

In Klammern = Stetigkeit, d.h. Anzahl Nachweisabschnitte, Maximalwert 10: Feldschwirl (4), Sumpfrohrsänger (1)

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Vom Feldschwirl liegen aus insgesamt vier Trassenabschnitten Bruthinweise vor: Dellinger Buchet, Neuschlag, Schluifelder Wald. Der Sumpfrohrsänger wurde nur punktuell, im Dellinger Buchet, festgestellt.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten Durch das Planvorhaben wird es bei den beiden Arten absehbar zu Revierverlusten durch Rodung von Waldflächen, die auch lichte Bereiche und Saumstrukturen erfassen, und u.U. auch durch Maskierung von Reviergesängen in der Betriebsphase (Lärm) kommen. Daneben ist durch den Straßenneubau auch ein erhöhtes Tötungsrisiko für die auch trassennah siedelnden Vögel gegeben.

Gemäß der in Kap. 3.3 erläuterten Vorgehensweise und der in Kap. 3.2.2 bilanzierten Flächeninanspruchnahmen und -belastungen wäre im ungünstigsten Fall grundsätzlich von folgenden Revierverlusten auszugehen:

Feldschwirl, 1 bis 3 Brutpaare
Sumpfrohrsänger, 3 bis 11 Brutpaare,

die insbesondere beim Feldschwirl jedoch überzeichnet sein dürften: Zum Zeitpunkt der Aufnahmen, überwiegend 1998, waren im Gebiet relativ große Flächen mit jungen Aufforstungen, Schlagfluren etc. vorhanden, mit besonders günstigen Bedingungen für den SukzessionsspeziaIisten, der mit zunehmendem Aufwachsen der Gehölze wieder zurückgedrängt wird. Es ist davon auszugehen, dass entsprechende Flächen im Eingriffskorridor heute nicht mehr in diesem Umfang vorhanden sind.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Eine betriebsbedingte Tötung von Tieren kann bei beiden Arten nicht ausgeschlossen werden. Zur Vermeidung einer Beschädigung oder Vernichtung von Eiern bzw. der Tötung von nicht flüggen Jungvögeln sind die erforderlichen Abräumarbeiten der Vegetation außerhalb der Brutzeit vorzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Bei beiden Arten ist von Brutplatzverlusten in der oben mit den entsprechenden Einschränkungen angegebenen Größenordnung auszugehen.

Satz 3 [Störung] Ebenfalls bei beiden Arten sind darüber hinaus Funktionsverluste durch Verlärmung des Nahbereichs der künftigen Straße nicht auszuschließen (Singvögel). Entsprechende Reduktionen bei der Brutpaarzahl sind in den o.g. Schätzwerten enthalten.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist damit für Feldschwirl und Sumpfrohrsänger erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Verkehrsverluste sind bei beiden in Trassennähe nachgewiesenen Arten nicht auszuschließen, so dass Art. 5 lit. a VS-RL einschlägig ist. Eine Zerstörung von Nestern und Eiern kann jedoch durch vollständige Baufeldräumung in den Wintermonaten vor Beginn der Brutzeit vermieden werden, womit Art. 5 lit. b VS-RL nicht zum Tragen kommt. Obwohl für beide Arten im Nahbereich der künftigen Straße begrenzte bis geringe Funktionsverluste durch Störungen auch zur Brut- und Aufzuchtszeit zu unterstellen sind, ist der Verbotstatbestand von Art. 5 lit. d nicht erfüllt, da Auswirkungen auf Populationsniveau dadurch bzw. auch allgemein durch andere Wirkfaktoren des Vorhabens nicht zu erwarten sind: Die wie oben abgeschätzten Revierverluste belaufen sich im schlechtesten Fall beim Sumpfrohrsänger auf 0,1 bis 0,2 % des für den Naturraum anzusetzenden Gesamtbrutbestands und beim Feldschwirl auf einen Anteil von etwa 0,7 bis 1,1% , wobei die vergleichsweise hohen Werte beim Feldschwirl aus den o.g. Gründen zu relativieren sind. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass insbesondere durch die vorgesehene Ersatzaufforstung an der Bahnlinie zumindest vorübergehend für den Feldschwirl wieder gute Möglichkeiten entstehen. Dies gilt grundsätzlich auch für die bei den "Waldvögeln" zu den Verlustflächen addierten
Flächen, die in ihrer Waldfunktion absehbar durch Windwurf etc. beeinträchtigt werden (vgl. Kap. 3.2.2).

Art. 5 und 9 der VS-RL stehen damit aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Gefährdete Kleinvögel der kleinstrukturreichen Agrarlandschaft

In Klammern = Stetigkeit, d.h. Anzahl Nachweisabschnitte, Maximalwert 10: Hänfling (2), Goldammer (5)

a) Schutzstatus Art. 1 VS-RL, besonders geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Die Goldammer konnte in mehreren und über den gesamten Trassenverlauf verteilten Abschnitten des Plankorridors festgestellt werden: Dellinger Höhe und Dellinger Buchet, Neuschlag und Schluifelder Wald. Vom Hänfling liegen nur Beobachtungen aus dem Randbereich des Dellinger Buchet vor.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Arten Durch das Planvorhaben wird es bei den beiden Arten absehbar zu Revierverlusten durch Inanspruchnahme von Waldsäumen und angrenzenden Offenlandflächen und u.U. auch durch Maskierung von Reviergesängen in der Betriebsphase (Lärm) kommen. Daneben ist durch den Straßenneubau auch ein erhöhtes Tötungsrisiko gegeben. Gemäß der in Kap. 3.3 erläuterten Vorgehensweise und der in Kap. 3.2.2 bilanzierten Flächeninanspruchnahmen und -belastungen wäre im ungünstigsten Fall von folgenden Revierverlusten auszugehen:

Goldammer, 2 bis 9 Brutpaare,
Hänfling, 1 bis 4 Brutpaare.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung, Beschädigung/Zerstörung Entwicklungsformen] Eine betriebsbedingte Tötung von Tieren kann bei beiden Arten nicht ausgeschlossen werden. Zur Vermeidung einer Beschädigung oder Vernichtung von Eiern bzw. der Tötung von nicht flüggen Jungvögeln ist die Baufeldräumung außerhalb der Brutzeit vorzunehmen.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Bei beiden Arten ist von Revierverlusten in der oben angegebenen Größenordnung auszugehen.

Satz 3 [Störung] Ebenfalls bei beiden Arten sind darüber hinaus Funktionsverluste durch Verlärmung des Nahbereichs der künftigen Straße nicht auszuschließen (Singvögel). Entsprechende Reduktionen bei der Brutpaarzahl sind in den o.g. Schätzwerten enthalten.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist damit für beide Arten erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 5, 9 und 13 Vogelschutz-Richtlinie

Verkehrsverluste sind bei beiden Arten nicht auszuschließen, so dass Art. 5 a VS-RL einschlägig ist. Eine Zerstörung von Nestern und Eiern kann jedoch durch vollständige Baufeldräumung vor Beginn der Brutzeit vermieden werden, womit Art. 5 lit. b VS-RL nicht zum Tragen kommt. Obwohl für beide Arten im Nahbereich der künftigen Straße begrenzte bis geringe Funktionsverluste durch Störungen auch zur Brut- und Aufzuchtszeit zu unterstellen sind, ist der Verbotstatbestand von Art. 5 lit. d nicht erfüllt, da Auswirkungen auf Populationsniveau dadurch bzw. auch allgemein durch andere Wirkfaktoren des Vorhabens angesichts der im Verhältnis zum Gesamtbestand des Naturraums relativ geringen Revierverluste nicht zu erwarten sind (Verluste im wie oben angegebenen ungünstigen Fall bei der Goldammer um 0,1%, beim Hänfling 0,2 bis 0,4 % des anzusetzenden Gesamtbrutbestands).

In Anbetracht der Tatsache, dass beide Arten im Voralpenland mittlerweile als gefährdet gelten sind jedoch zusätzlich Maßnahmen zur Stützung der lokalen Bestände angezeigt, um einer Beförderung des regionalen Gefährdungstrends im weiteren Planungsraum entgegen zu wirken. Diesbezüglich erscheinen die im Rahmen der Ersatzaufforstung südlich der Bahn vorgesehene Entwicklung breiter südexponierter Säume (Maßnahme E1, Länge der entsprechenden Saumstrukturen > 200 m mit begrenzten bis geringen Funktionseinschränkungen aufgrund der Straßennähe) und die Entwicklung der das geplante Ersatzlaichgewässer südlich Taxleiten umgebenden Strukturen, u.a. strauchreiche Hecken und Krautsäume (Maßnahme A1) durchaus zielführend. Die Maßnahmen dürften auch von ihrem Umfang her ausreichen, um die entstehenden Verluste relativ rasch kompensieren zu können.

Art. 5 und 9 der VS-RL stehen damit aus naturschutzfachlicher Sicht einer Befreiung gemäß §62 Abs. 1 BNatSchG nicht entgegen (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

3.4.4 Kriechtiere

Zauneidechse (Lacerta agilis)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   Nachweise liegen nur aus dem Jahr 1995 vor (GRÜNPLAN 1995). BURBACH konnte die Art
an südostexponierten Waldrändern westlich Weßling feststellen und speziell auch auf einer Extensivwiese im Bereich des Naturdenkmals am Südrand der Taxleiten (vgl. I.c., Karte 9, M 1: 5000).

Weitere Vorkommen sind auch aus dem Umgebungsbereich des UG nicht bekannt. Die nächsten dokumentierten Fundstellen liegen etwa 7 km südwestlich, südlich des Pilsensees, bzw. 7 km südöstlich bei Söcking sowie 5 km östlich - bereits im Naturraum 050 Fürstenfeldbrucker Hügelland - im bzw. am Unterbrunner Holz (nach Daten ASK, ÖKOKART 2006).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Die konkreten Nachweisorte liegen im Minimum > 150 m von der Trasse entfernt und damit außerhalb möglicher Negativeinflüsse von Bau und Betrieb. Obwohl keine weiteren Beobachtungen verfügbar sind, kann - da eine gezielte Erhebung nicht erfolgte - das Auftreten der Zauneidechse auch in Strukturen, die durch den Bau getroffen werden, nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Entsprechende Verdachtsflächen, zumeist Abschnitte schmaler und vielfach eher suboptimaler Linearstrukturen, sind

  • die Allee entlang der bestehenden St 2068 am Beginn der Plantrasse, Anschluss Weßling,
  • der ostexponierte Rand einer Schlagflur/Aufforstung mit Einzelbäumen bei Bau-km 0+700,
  • der Kreuzungsbereich mit der S-Bahnlinie München-Herrsching bei Bau-km 1+140,
  • ein südostexponierter Waldrand (Fichtenforst) bei Bau-km 1+500 und
  • verschiedene Säume und eine Fläche zwischen Bau-km 2+900 und dem Ende der Planfeststellung.

In allen Fällen erfolgen vorübergehende (Baufelder) und dauerhafte Verluste potenzieller Lebensräume bzw. Ausbreitungskorridore.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Eine Tötung einzelner Tiere im Zuge der Bauarbeiten oder auch in der Betriebsphase durch den Straßenverkehr kann nicht ausgeschlossen werden.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Es ist zu unterstellen, dass die o.g. potenziellen Lebensräume im unmittelbaren Überbauungsbereich nicht nur als Wohnstätten fungieren, sondern auch Eiablageplätze und Verstecke umfassen.

Satz 3 [Störung] Eine Störung wäre allenfalls während der Bauphase vorstellbar; die Zauneidechse nutzt in hohem Maße Straßenböschungen und z.B. auch Eisenbahndämme, nicht nur als Bewegungskorridor, sondern auch zur Reproduktion. Eine rasche und umfassende Gewöhnung ist damit zu unterstellen.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Es ist weder eine Tötung noch eine Zerstörung von Eiern bzw. eine Vernichtung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten durch die vorgesehenen Maßnahmen auszuschließen, weshalb Art. 12 Abs. 1 lit. a, c und d der FFH-RL einschlägig ist. Eine Befreiung gemäß Art. 16 FFH-RL ist damit erforderlich.

Eine nennenswerte Negativwirkung der Eingriffe auf den Bestand der Art im Naturraum ist auszuschließen, vor allem auch aufgrund des begrenzten Umfangs und des teilweise eher suboptimalen Zustands der potenziellen Lebensräume, die vom Planvorhaben berührt werden. Die Zauneidechse wird für das Jungmoränenland zwar auf der Vorwarnstufe geführt, jedoch sind aufgrund langjähriger eigener Erfahrungen ihre Populationen hier noch als relativ robust anzusehen. Die Art ist tendenziell eurytop und kann vor allem auch anthropogene Strukturen nutzen, die in der modernen Kulturlandschaft noch verbreitet vorhanden sind. Sie ist insbesondere in der Lage, entlang verschiedenster gängiger Linearstrukturen, wie Straßenböschungen, Eisenbahndämme, Graben- und Bachufer, sowie schmaler Randstrukturen von Wäldern und Forsten teils weitgreifende Ausbreitungsbewegungen durchzuführen. Dies ermöglicht ihr die zügige Besiedlung auch neu entstehender Biotope, wie etwa in aufgelassenen Abgrabungen, auf Kahlschlägen und Industriebrachen. Durch das Planvorhaben selbst werden unter den im LBP niedergelegten Vorgaben absehbar und relativ rasch mit den teils breiten Straßenböschungen solche Strukturen neu entstehen.

Die naturschutzfachlichen Befreiungsvoraussetzungen sind damit gegeben (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

3.4.5 Lurche

Kammmolch (Triturus cristatus)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet   In der ASK ist eine Meldung für das "Dellinger Buchet NW Delling" erfasst - etwa 750 m SW der Plantrasse -, die auf das Jahr 1989 zurückgehen soll. Nach den aktuellen Erhebungen und Recherchen von GNOTH-AUSTEN (zit. n. IFUPLAN 2005) befinden sich aber in dem durch die Koordinaten bezeichneten Bereich und dessen Umgriff keine Gewässer. Der in der ASK als Beobachter genannte Herr VOLKMANN aus Schlagenhofen gab bei Nachfrage an (mdl., n. GNOTH-AUSTEN I.c.), dass der Nachweis nicht von ihm stammt. Vermutlich handelt sich um eine Eingabe nach "Hörensagen".

Weder im Rahmen der Amphibien-Landkreiskartierung 1990/91 noch im Zuge der aktuellen Bestandserhebungen im Landkreis (Nachsuche Anhang II-FFH-Amphibienarten 2003, Fachkartierung 2004) konnten im engeren wie weiteren Plantrassenumgriff Kammmolche festgestellt werden. Die nächsten aktuell belegten Vorkommen der Art befinden sich

  • im südöstlichen Randbereich des Mauerner Waldes sowie
  • in einer ehemaligen Kiesgrube nordwestlich und einem neu angelegten Tümpel westlich von Etterschlag, beides nördlich der BAB A96, und
  • über 7 km südöstlich der Plantrasse im Raum Söcking (vgl. auch ÖKOKART 2006).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Nachdem sich der einzige (alte) Nachweis der Art im weiteren Umfeld der Trasse als zweifelhaft erwiesen hat, liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das Planvorhaben die Art berühren könnte.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände können damit ausgeschlossen werden.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des §42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

Gelbbauchunke (Bombina variegata)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Von der Gelbbauchunke ist nur ein Vorkommen aus dem Trassenumfeld bekannt, etwa 850 m west-südwestlich in einer Kiesgrube an der S-Bahnlinie im Dellinger Buchet. Dort wurde die Art bereits 1990 von DEHN in Pfützen mit Grundwasseranschluss festgestellt (40 Adulte) und im Zuge der Arbeiten zu UVS und LBP 1995 und 1998 durch BURBACH bestätigt (> 50 bzw. 2 Adulte, GRÜNPLAN 1995, 2000). In 2003 konnte dann GNOTH-AUSTEN an gleicher Stelle erneut vier Tiere auffinden. Insgesamt kann damit davon ausgegangen werden, dass hier eine kleine bis maximal mittelgroße, beständige Population existiert, deren Individuen aus den umgebenden  Waldungen zum Ablaichen in die Grube einwandern. Die Lebensräume der Art im Grubenbereich werden vom LBV Starnberg gepflegt (C. WERNER, mdl. Mitt.). Der Bestand repräsentiert den südöstlichen Randpunkt eines Vorkommensgebietes rund um Etterschlag und dabei den einzigen noch verbliebenen Fundort südlich der BAB A 96.

GNOTH-AUSTEN beschreibt auf Grundlage seiner Kartierungsergebnisse aus den Jahren 1990/91 und 2003/2004 für den Landkreis Starnberg insgesamt drei Vorkommensbereiche der Gelbbauchunke. Neben dem o.g. nennt er noch das Moränenhügelland zwischen Herrsching und Traubing und den Raum Söcking-Maising südwestlich von Starnberg.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art  Angesichts der erheblichen Distanz zur Plantrasse sind Wirkungen des Vorhabens auf das Vorkommen der Art im westlichen Dellinger Bucht auszuschließen.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände können damit ausgeschlossen werden.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des §42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

Laubfrosch (Hyla arborea)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Im Umfeld der Trasse sind folgende Laichplätze der Art bekannt:

  • Rückhaltebecken in der Autobahnauffahrt Wörthsee (GNOTH-AUSTEN, zit. nach IFUPLAN 2005), Südseite, etwa 50 m nördlich des Endes der Plantrasse [1];
  • Gewässer auf dem Golfplatz bzw. westlich des Gut Schluifeld (GRÜNPLAN 1995, 2000, GNOTH-AUSTEN in 2004, zit. nach IFUPLAN 2005), etwa 300 bis > 600 m von der Trasse entfernt [2];
  • Waldweiher im südlichen Anschluss von [2], bereits > 500 bis > 800 m westlich der Trasse, westlich des Pfeiferwinkels und westlich des Neuholzes (nach Daten ASK, Nachweise GNOTH-AUSTEN, 1990) [3];
  • Abgrabung im Dellinger Buchet (Nachweis nur 1994, nicht 1998, GRÜNPLAN 2000), fast 600 m südwestlich der Trasse [4];
  • Wasserbecken am Westrand von Weßling in einer Distanz von etwa 700 m östlich der Trasse (nach Daten ASK, Nachweise GNOTH-AUSTEN, 1990) [5].

Der Laubfrosch ist nach GNOTH-AUSTEN (zit. nach IFUPLAN 2005) im Landkreis Starnberg weit verbreitet und zeigt hier, ganz im Unterschied zu vielen anderen Regionen Bayerns, keine Rückgangstendenz. Aktuelle Verdichtungsgebiete im Landkreis finden sich nach I.c. "östlich von Erling (Seachtenweiher und benachbarte Gewässer), im Bereich Starnberg zwischen Perchting und bis hinauf nach Leutstetten sowie im Raum Etterschlag".

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Laichgewässer und deren engerer Umgriff werden vom Planvorhaben sicher nicht berührt. In der Mehrzahl der Fälle ist auch eine Überbauung oder Abschneidung potenzieller Landlebensräume de facto auszuschließen. Dies gilt für die oben unter [3] bis [5] aufgeführten Bestände, bei denen die hohen Distanzen gegen derartige Funktionszusammenhänge sprechen; bei den Beständen [3] und [4] kommt hinzu, dass der Raum zwischen Trasse und Gewässern weitgehend von geschlossenen Waldungen eingenommen wird, die von der wärmeliebenden Offenland- und Saumart in aller Regel gemieden werden.

Auch der trassennahe Bestand [1] erfährt sicher keine grundsätzliche Veränderung seiner An- bzw. Einbindung. Das Objekt wurde rasch nach Neuanlage von einer relativ individuenreichen Laichgemeinschaft besetzt (GNOTH-AUSTEN zit. nach IFUPLAN 2005), wobei die Anwanderung offensichtlich vom Golfplatz und seinem Umgriff ausging und dabei die mit Amphibienleiteinrichtungen versehene Wirtschaftswegunterführung genutzt werden konnte. Nicht vollständig auszuschließen ist, dass nach Etablierung des Laichplatzes Individuen versuchten, sich geeignete Gehölzränder und Staudenfluren im südlichen Anschluss, d.h. über die Autobahnauffahrt hinweg, zu erschließen. Ein Teil dieser Strukturen würde durch das Planvorhaben in Anspruch genommen.

Angesichts der Distanzen und der strukturellen Ausstattung a priori ebenfalls nicht auszuschließen und tatsächlich auch durch Funde einzelner Tiere bei der Zäunung 1999 belegt (ÖKOKART 1999) sind in jedem Fall Wanderbewegungen von Tieren zwischen ihren Laichgewässern auf dem Golfplatz [2] und den west- und südexponierten Waldrändern bzw. vorgelagerten Strukturen des Schluifelder Waldes und der Waldungen Laich/Taxleiten. Entsprechend muss damit gerechnet werden, dass zum einen gelegentlich Tiere bei ihren saisonalen Raumwechseln überfahren werden und andererseits einzelnen Tieren auch Landlebensraum durch Überbauung entzogen wird.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Ein Tötung kann nicht ausgeschlossen werden, sowohl in der Bauphase beim Abräumen der Vegetationsstruktur als auch in der Betriebsphase durch den Straßenverkehr. Die vorgesehenen Amphibienschutzeinrichtungen (vgl. LBP) können die Verluste bei der Straßenquerung zwar mindern, nicht jedoch zur Gänze verhindern. Es gibt derzeit keine Leitsysteme, die von der gut kletternden und springenden Art nicht überwunden werden könnten.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Laichplätze werden nicht berührt. Es ist aber nicht auszuschließen, dass Landlebensräume und Versteckplätze (z.B. auch Winterquartiere) durch vorübergehende und/oder dauerhafte Flächeninanspruchnahmen verloren gehen.

Satz 3 [Störung] Eine Störung ist nicht vorstellbar. Den Autoren ist mindestens ein Fall einer großen Rufgemeinschaft bekannt, die unmittelbar neben einer stark befahrenen Autobahn offensichtlich unbeeinflusst konzertierte und in dem betreffenden Gewässer auch erfolgreich reproduzierte.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Es ist weder eine Tötung noch eine Vernichtung von Ruhestätten durch die vorgesehenen Maßnahmen auszuschließen, weshalb Art. 12 Abs. 1 Iit. a und d der FFH-RL einschlägig ist. Eine Befreiung gemäß Art. 16 FFH-RL ist damit erforderlich.

Der Laubfrosch weist im Bereich der Endmoränenzüge des Landkreises Starnberg starke und vitale Bestände auf; er zählt hier zu den häufigsten Amphibienarten und seine Bestandssituation hat sich auch in den letzten zehn bis 15 Jahren hier nicht verschlechtert. Für das UG wird die Vitalität z.B. eindrucksvoll durch die rasche und starke Besiedlung des im Autobahnkleeblatt der Auffahrt Wörthsee neu geschaffenen Gewässers belegt.

Der Schwerpunkt der Landlebensräume der Laichpopulationen des Golfplatzgeländes liegt mit Sicherheit eindeutig in dessen engerem und vor allem westlichen Umgriff (Randbereich Schluifelder Moos: Röhrichte, Feuchtgebüsche, Hochstaudenfluren). Deshalb sind die oben beschriebenen Beziehungen, die über die Plantrasse hinweg reichen, als stark untergeordnet einzuschätzen. Allfällige Individuenverluste dürften damit grundsätzlich nur ein sehr geringes Ausmaß erreichen, zumal sie bis zu einem gewissen Grad auch durch die vorgesehenen Leiteinrichtungen begrenzt werden. Auch die geringen Landlebensraumverluste spielen sicher bezüglichdes Erhaltungszustands selbst der lokalen Population keine nennenswerte Rolle.

Die naturschutzfachlichen Befreiungsvoraussetzungen sind damit gegeben (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert).

Springfrosch (Rana dalmatina)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Vom Springfrosch sind aus vier Bereichen im Umfeld der Trasse Laichplätze bekannt:

  • Gewässer auf dem Golfplatz bzw. westlich des Gut Schluifeld (GRÜNPMN 1995, 2000), etwa 300 bis > 600 m von der Trasse entfernt [1];
  • Waldweiher aus dem südlichen Anschluss, > 500 bis > 800 m westlich der Trasse, westlich des Pfeiferwinkels und westlich des Neuholzes (nach Daten ASK, Nachweise GNOTH-AUSTEN, 1990 und 1991, auch Nachweise GNOTH-AUSTEN in 2004) [2];
  • Zwei ehemalige Abbaustellen im Dellinger Buchet (GRÜNPLAN 1995, 2000; Nachweise GNOTH-AUSTEN in 2004), fast 900 bzw. etwa 550 m westlich der Trasse [3];
  • ein Gewässer am Westrand von Weßling, SO Waldgebiet Taxleiten, in einer Distanz von etwa 700 m von der Trasse (nach Daten ASK, Nachweise GNOTH-AUSTEN, 1990, GRÜNPLAN 1995, 2000) [4];

Verdichtungsbereiche von Laichgewässern im weiteren Umgebungsbereich, die durch aktuelle Nachweise dokumentiert sind (GNOTH-AUSTEN zit. nach IFUPLAN 2005), finden sich nördlich und westlich von Etterschlag (nördlich der Autobahn) und um Walchstadt (südlich der Autobahn), südlich Weßling bis östlich Delling (östlich der bestehenden St 2086) und im südlichen - Anschluss daran im Raum Oberalting/Seefeld sowie weiter südöstlich davon um Söcking (vgl. dazu auch ÖKOKART 2006).

Allgemein besiedelt die Art im Landkreis Starnberg "die durch die Jungmoränen überformten Landschaften der Naturräume 050, Fürstenfeldbrucker Hügelland, und 037, Ammer-Loisach-Hügelland, wohingegen die Münchner Ebene (Naturraum 051) für die Art kaum eine Rolle spielt. .. Die größten Vorkommen liegen im Bereich der Endmoräne. .. [Das Areal im Lkr. Starnberg] .. ist nach heutigem Kenntnisstand eines der, wenn nicht das wichtigste Schwerpunktvorkommen dieser gefährdeten Froschlurchart im Freistaat. ... Auch wenn der Springfrosch damit nach wie vor eine der häufigsten Lurcharten im Landkreis ist, bestehen Indizien für Rückgangstendenzen, die mittelfristig auch zu Bestandsgefährdungen führen können. Während die Art in den mittleren und nördlichen Bereichen noch über kopfstarke Vorkommen verfügt, sind insbesondere in den südlichen Regionen des Naturraumes 037 Bestandseinbrüche zu verzeichnen. Insgesamt gesehen ist daher der Status "potenziell gefährdet" ... [für den Landkreis Starnberg] angemessen." (GNOTH-AUSTEN zit. nach IFUPLAN 2005).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Laichgewässer werden von Trasse und Baufeldern nicht berührt. An mehreren Stellen werden jedoch Waldflächen überbaut, die den regionalen Ansprüchen des Springfroschs an seinen Landlebensraum genügen und die fast durchweg im Einzugsgebiet bekannter Laichgewässer liegen und daher sicher auch mehr oder weniger regelmäßig genutzt werden (Verlustfläche Wald insgesamt etwa 4,3 ha, mittelfristig u.U, weitere 1,6 ha). Die Flächen weisen teilweise keine besonderen Qualitäten für die Art auf, doch werden in signifikantem Umfang auch günstig erscheinende Altbestände getroffen, so

  • bei Bau-km 1+100, Laubwald Dellinger Buchet;
  • bei Bau-km 1+600 und 1+750, Laubwald Neuschlag/Pfeiferwinkel;
  • bei Bau-km 2+000 bis 2+100, Laub- und Mischwald bei Lichtung Mitterwies;
  • bei Bau-km 3+050, Mischwald Schluifelder Wald.

Weiterhin ist aufgrund des breiten Vorkommens des Springfroschs im Raum unbedingt davon auszugehen, dass zumindest einzelne Individuen immer wieder an verschiedenen Stellen im Trassenverlauf, speziell in Waldquerungs- und Berührungssituationen, die Fahrbahn erreichen und dabei u.U. überfahren werden.

Von der Trasse werden weiterhin Bereiche neu durchschnitten, die für den Raumwechsel der Art von Bedeutung sind. Hier sind zum einen die konkret belegten saisonalen Migrationen zwischen den Laichplätzen in den Gewässern des Golfplatzgeländes (vgl. oben, [1]) und den westlichen Randzonen des Schluifelder Waldes und des Waldgebietes Laich/Taxleiten anzuführen (vgl. ÖKOKART 1999). Zum anderen durchschneidet die Trasse auch einen noch großflächig zusammenhängenden Endmoränen-Waldzug und erschwert damit den Austausch innerhalb dieses bedeutsamen Lebensraumkomplexes. Entsprechende Bewegungen dürften heute noch vor allem über Kontakt- bzw. Näherungszonen der Waldgebiete erfolgen: Pfeiferwinkel <-> Laich, Neuschlag <-> Taxleiten.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Satz 1 [Tötung] Eine Tötung von Individuen kann nicht ausgeschlossen werden, sowohl in der Bauphase beim Abräumen der Vegetationsstruktur als auch in der Betriebsphase durch den Straßenverkehr. Die vorgesehenen Amphibienschutzeinrichtungen (vgl. LBP) können die Verluste bei der Straßenquerung zwar mindern, sie decken jedoch nur einen Teil der Gefahrenstrecken ab.

Satz 1 [Nist-/Brut-/Wohn-/Zufluchtstätten] Laichplätze werden nicht berührt. Landlebensräume und dabei sicher auch Wohn- und Zufluchtstatten (z.B. Tagverstecke, Winterquartiere) gehen aber durch vorübergehende und/oder dauerhafte Flächeninanspruchnahmen absehbar verloren. Die Landlebensräume werden weiterhin durch Zerschneidung bzw. Abschneidung von geeigneten Laichgewässern in ihrer Habitateignung reduziert.

Satz 3 [Störung] Eine relevante Störung der Art ist nicht vorstellbar.

Eine Befreiung nach §62 BNatSchG ist erforderlich.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V, mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 1 FFH-Richtlinie

Eine Tötung von Individuen ist nicht auszuschließen, eine Vernichtung von Ruhestätten durch die vorgesehenen Maßnahmen absehbar, weshalb Art. 12 Abs. 1 lit. a und d der FFH-RL einschlägig ist. Eine Befreiung gemäß Art. 16 FFH-RL ist damit erforderlich.

Keine der beschriebenen Belastungen, die der lokale Springfroschbestand durch das Planvorhaben absehbar erfahren wird, dürfte zu einer signifikanten Verschlechterung des Erhaltungszustands der Art in ihrem Starnberger Jungmoränenareal führen. Die Landlebensraumverluste erscheinen gegenüber dem lokalen Gesamtangebot eher gering und es werden auch keine im Raum defizitären Ausprägungen besonders herausragender Eignung getroffen (v.a. warmtrockene und flachgründige Orchideen-Buchenwälder). Weiterhin ist hervorzuheben, dass der Durchschneidung saisonaler Migrationen zwischen Landlebenraum und Laichhabitat zumindest für den wichtigsten Abschnitt (Bau-km 2+900 bis Ende Planfeststellung) durch ein Amphibien- Leit- und -Durchlasssystem sowie auch die Neuanlage eines geeigneten Gewässerkomplexes am Südrand der Taxleiten Rechnung getragen wird. Beide Maßnahmen dürften unmittelbar bzw. rasch ihre Wirkungen auf den Bestand entfalten. Das Leit- und Durchlasssystem ermöglicht zugleich den allgemeinen Austausch zwischen den Teilpopulationen des Schluifelder Waldes und denen des westlich angrenzenden Umfelds des Schluifelder Moos. Nicht entschärft wird nach Planungsstand dagegen die Trennwirkung der neuen Straße gegenüber dem Dellinger Buchet mit Neuschlag und Pfeiferwinkel. Auch wenn durch diese neue Barriere angesichts der Dimensionen der unzerschnitten erhalten bleibenden Waldgebiete keine relevanten Bestandbelastungen zu prognostizieren sind, empfiehlt der Gutachter aus übergreifender und langfristiger Sicht vorsorglich eine Nachrüstung der Planung um zumindest ein weiteres Durchlasssystem im Bereich des Wald-Isthmus Neuschlag -Taxleiten (Bau-km 1+600). Weiterhin sind zwar Ersatzaufforstungen für die Waldverluste empfohlen und diese können grundsätzlich der Art langfristig zugute kommen, es ist aber bislang nicht festgeschrieben, dass diese auf Endmoränenstandorten und hier bevorzugt in südexponierten Hanglagen erfolgen sollen: Wärme und durchlässige Böden mit den entsprechenden Trockenklemmen im Sommer begünstigen die Art gegenüber dem konkurrierenden Grasfrosch und gewährleisten so die artbezogene Effizienz der Maßnahmen.

Die naturschutzfachlichen Befreiungsvoraussetzungen sind u.E. gegeben (unter der Voraussetzung, dass keine andere zufriedenstellende Lösung existiert)

Kleiner Teichfrosch oder Zwergwasserfrosch (Rana lessonae)

a) Schutzstatus Anhang IV FFH-RL, streng geschützt

b) Vorkommen im Gebiet Nachweise für das UG liegen nur aus dem Jahr 1989 und nur aus dem Schluifelder Moos vor (Daten ASK, Bearbeiter J. KUHN). Die von GNOTH-AUSTEN im Rahmen der Naturschutzfachkartierung ermittelten Vorkommensschwerpunkte im Lkr. Starnberg liegen nördlich des UG nördlich der Autobahn in den Wäldern westlich Gilching sowie östlich der bestehenden St 2068 zwischen Weßling im Norden und Oberalting im Süden (Wälder S Weßling, v.a. Klausbühl, Wälder 0 Oberalting). Die Art zeigt im Jungmoränenland eine enge Bindung an Kleingewässer(-komplexe) in Mooren und anmoorigen Waldungen.

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Der minimale Abstand zwischen Straße und dem Schluifelder Moos beträgt 440 m. Da darüber hinaus der Raum zwischen dem FFH-Gebiet und der Plantrasse aufgrund seiner Ausstattung von den charakteristischen Moor- bzw. Feuchtgebietsarten des Schutzgebietes, wie hier dem Zwergwasserfrosch, kaum bzw. überhaupt nicht genutzt werden kann - d.h. auch nicht Teil ihres potenziellen Aktionsraumes ist - sind Verkehrsverluste nicht zu erwarten.

d) Verbotstatbestände nach §42 Abs. 1 BNatSchG

Verbotstatbestände sind damit nicht erfüllt.

e) Naturschutzfachliche Befreiungsvoraussetzungen nach §62 Abs. 1 BNatSchG i.V. mit Art. 12 Abs. 1 und Art. 16 Abs. 3 FFH-Richtlinie

Die Verbotstatbestände des §42 Abs. 1 BNatSchG sind nicht erfüllt, eine Befreiung ist nicht erforderlich.

3.4.6 Wirbellose

Moorlibellen Nehalennia speciosa und Aeshna subarctica elisabethae

a) Schutzstatus streng geschützt nach BArtSchVO

b) Vorkommen im Gebiet Nachweise aus dem Umfeld der Plantrasse liegen nur für das FFH-Gebiet 7933-301 "Schluifelder Moos und Bulachmoos" und dort auch nur für das Bulachmoos vor. Der Bestand der Zwerglibelle (Nehalennia speciosa) wird mit maximal 200 Imagines angegeben (1990, ASK); der letzte nach ASK verfügbare Nachweis stammt aus 1995 (Bearbeiter J. KUHN). Für die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna s. elisabethae) liegt überhaupt nur der Fund einer einzelnen Exuvie aus dem Jahr 1990 vor (Daten ASK, Nachweis durch J. KUHN).

c) Mögliche Wirkungen des Planvorhabens auf die Art

Das Bulachmoos liegt minimal etwa 1.500 m westlich der Trasse. Es sind keine Projektwirkungen vorstellbar, die das Gebiet und die beiden hier siedelnden stenöken Moorlibellenarten beeinflussen könnten.

d) Verbotstatbestand nach §6a Abs. 2 Satz 2 BayNatSchG

Es werden keine Biotope der Arten zerstört.

4 Literatur

ARTEN- UND BIOTOPSCHUTZPROGRAMM LKR. STARNBERG, Stand Juni 1993.

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GRÜNPLAN (1995): St 2068 Westumgehung Weßling. Str.-km 29,380 bis Str.-km 30,600. Umweltverträglichkeitsstudie, Variantenvergleich (Wahltrasse I bis III, Variante I und II). - Unpubl. Gutachten im Auftrag des Straßenbauamtes München. Bearbeiter: NEUMAIR, A. & K. BURBACH; Freising.

GRÜNPLAN (2000): St 2068 BAB A 96 - Herrsching, Umfahrung Weßling von Bau-km 0+000 bis Bau-km 3+290, von Str.-km 28+870 der St 2068 bis Str.-km 30+530 der St 2349. Landschaftspflegerischer Begleitplan (Vorentwurf, 28.1.2009). Unpubl. Gutachten im Auftrag des Straßenbauamtes München. Bearbeiter: NEUMAIR, A.; SCHUH-HOFER, C. & K. BURBACH; Freising.

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5 Karte

Verteilung der Fledermausnachweise nach den Kartierungsarbeiten 2006

 

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