WörthseePlanungsverband

Hier lesen Sie die

Stellungnahme des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München

zum Raumordnungsverfahren

 

Punkte, die unserer Meinung nach Beachtung verdienen, sind folgende:

  1. Auch hier wird bemängelt, daß alle geplanten Trassen die Ortsmitte von Weßling nur um max. 25% entlasten. Das wird als  grundsätzlich unbefriedigend empfunden, ja selbst 43% würden im kaum hörbaren Bereich liegen. 

  2. Bisher gering bis gar nicht zerschnittene Erholungsräume werden zerschnitten.

  3. Es wird mehrfach bemängelt, daß eine Betrachtung der S-Bahn nirgends vorkommt; siehe Stelle1, Stelle2, Stelle3.

  4. Wörthsee darf durch eine Entlastung von Weßling keine Mehrbelastung erfahren.

  5. Das Trinkwasserschutzgebiet war zu dem Zeitpunkt nicht ausgewiesen und fehlt daher leider auch in dieser Stellungnahme.

 

 

PLANUNGSVERBAND ÄUSSERER
WIRTSCHAFTSRAUM MÜNCHEN

An die
Regierung von Oberbayern
80534 München

07.01.1997

Raumordnungsverfahren
für die Verlegung der Staatsstraße 2068 westlich Weßling
mit Anschluß an die BAB A 96

A) Projektbeschreibung

1. Verkehrsbelastung

Die Staatsstraße 2068 verläuft durch die Ortsmitte von Weßling. Dort hat sich lt. Gutachten Prof. Kurzak die Verkehrsbelastung von 1970 bis 1995 auf fast 18.000 Kfz/Tag verdreifacht (vgl. Beilage 1 der RO-Unterlagen). An Sonntagen mit starkem Ausflugsverkehr ergeben sich sogar Belastungen von über 20.000 Kfz/Tag. Die St 2349 (Grünsinker Straße) hat demgegenüber nur eine untergeordnete Bedeutung.

Der Durchgangsverkehr auf beiden Staatsstraßen macht 70 %, der auf der St 2068 allein rd. 85% aus. Diese 85% teilen sich zu rd. 50 % auf die A 96 Richtung München und zu rd. 35% auf die St 2068 Richtung Gilching auf.

Im Prognose-Nullfall für das Jahr 2010 steigt die mittlere Jahres-Belastung der St 2068 in der Ortsdurchfahrt Weßling um weitere rd. 10 % auf 20.000 Kfz/Tag, an Sommerwochenenden sogar auf über 23.000 Kfz/Tag an. Es ist zu vermuten, daß sich der Verkehr aus Richtung Herrsching insbesondere in den Sommermonaten, eine Ausweichstrecke über die St 2348 durch Steinebach zur bis dahin ausgebauten A 96 suchen wird, was sich dort in einer 40- bis 50-%igen Zunahmen des Kfz-Aufkommens niederschlagen würde.

Mit den vorgelegten Wahltrassen (mit einer Variante) soll eine direkte Verbindung von der St 2068/Süd zur A 96 unter Umfahrung des Ortsbereiches Weßling hergestellt werden. Die bisherige St 2068 zwischen dem Anschluß an die geplante Umfahrung Weßling und der Einmündung des östlichen Astes der St 2349, sowie der westliche Ast der St 2349 zwischen der BAB A96 (B 12) und der St 2068 alt verlieren durch diese Verlegung ihre Verkehrsbedeutung für den Durchgangsverkehr und sind in eine niedrigere Straßenklasse abzustufen. Bei der ortsfernen Trasse (Wahltrasse I) der Umfahrung Weßling würde die bestehende St 2349 (Grünsinker Straße), westlich Weßling, aufgelassen, bei der ortsnahen Trasse (Wahltrasse II) eine zusätzliche Anbindung der Grünsinker Straße vorgesehen.

2. Verkehrswirksamkeit einer Westumfahrung

Die Entlastungswirkung durch die St 2068 neu gegenüber dem Prognose-Nullfall liegt auf der St 2068 alt zwischen 4.300 Kfz/Tag und 6.700 Kfz/Tag, auf der St 2349 zwischen 2.700 Kfz/Tag und einer Zunahme um 700 Kfz/Tag. Bezogen auf einzelne Straßenabschnitte bringt die ortsnahe Trasse auf der St 2068 - bis auf die Ortsmitte - größere Entlastungswirkungen (zwischen 200 und 2.200 Kfz) als die ortsferne Trasse: lediglich in der Ortsmitte selbst ergibt sich für die ortsnahe Trasse eine etwas geringere (200 Kfz) als für eine ortsferne. Grundsätzlich ist die Entlastung in der Ortsmitte bei beiden Wahltrassen deutlich geringer (max. 25%) als an Ortsein-/ Ortsausgängen (max. 43 %).

Für Steinebach/Wörthsee (im Zuge der St 2348) ist in beiden Umfahrungsalternativen von Weßling ein Rückgang der Kfz um 28% zu vermerken.

Durch die Auflassung der Grünsinker Straße im Falle der ortsfernen Trassierung ergibt sich dort natürlich ein Rückgang der Kfz-Belastung um 2.500 Kfz (100 %) gegenüber der ortsnahen Wahltrasse.

Die Variante 1 zur Wahltrasse I entspricht in ihrer Verkehrswirksamkeit der Wahltrasse I.

3. Natur und Umwelt

Die vorgelegten Wahltrassen werden sehr ausführlich im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Schutzgüter Boden, Wasser, Klima/Luft, Pflanzen und Tiere, Landschaft, Erholung, Mensch, Kulturgüter und Land- und Forstwirtschaft beschrieben.

Beide Wahltrassen verlaufen in Gänze im Landschaftsschutzgebiet "Fünf-Seen-Gebiet" und, aus regionalplanerischer Sicht, im landschaftlichen Vorbehaltsgebiet bzw. regionalen Grünzug. Beide zerschneiden - einmal ortnäher, einmal ortsferner - für die Naherholung bedeutsame, bisher gering bis gar nicht zerschnittene Erholungsräume der Gemeinden Weßling und Wörthsee.

Die Hauptunterschiede zwischen beiden Wahltrassen bestehen in ihrer unterschiedlichen Beeinträchtigung der Schutzgüter. Der effektive Neubau und die neu zu versiegelnden Flächen liegen bei der ortsfernen Trasse deutlich höher als bei der ortsnahen. Auch ist die Gefahr einer Grundwasserverschmutzung bei Wahltrasse I höher, weil der anstehende Boden durchlässiger ist als bei Trasse II. Darüber hinaus schneidet die ortsferne Trasse hinsichtlich des Schutzgutes Pflanzen und Tiere ungünstiger ab als die ortsnahe: im Bereich der Dellinger Höhe mit ihren Alteichen und wertvollen Buchenbeständen, im Abschnitt Mitterwies mit dem angrenzenden Biotop (102) und den Wechselbeziehungen für Vögel und andere Tiere (zwischen Pfaffenwinkel und Taxleiten), besonders aber im Bereich Schluifeld, wo starke Wanderbeziehungen für Amphibien zwischen dem Schluifelder Moos und den östlichen und südlichen Waldgebieten unterbrochen werden.

Aber auch im Falle der Wahltrasse II sind westlich des Sportplatzes wertvolle Alteichenbestände tangiert, werden zwischen Weßling und Taxleiten (Toteisfelder) wertvolle alte Hute-Bäume zumindest beeinträchtigt und Wechselbeziehungen von Vögeln und Amphibien gestört, bringt der Ausbau der St 2349 Waldverluste mit sich und werden beim Verlassen der St 2349 wertvolle Laubholzbestände durchfahren.

Allerdings wirkt sich die ortsnahe Trasse deutlich negativ auf die Siedlungsbereiche Weßlings und die Tagesnaherholungsraume aus.

Variante 1 würde, unter allen 3 Alternativen, die längste effektive Neubaustrecke, den längsten Verlauf in Waldgebieten, den bei weitem höchsten Grundbedarf, und den höchsten neu versiegelten Flächenbedarf haben.

Ein Bezug der Wahltrasse bzw. der Variante zur S-Bahn wird nicht hergestellt. Über Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wird nichts gesagt.

B) Beurteilung

Die Geschäftsstelle des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München gibt zu dem vorgelegten Vorhaben folgende Stellungnahme ab:

1. Lage im Raum

Die St 2068 ist zwischen Herrsching und der A 96 bis auf die Durchfahrt durch Weßling gut befahrbar und vergleichsweise wenig beeinträchtigend. Eine Entlastung über die St 2348 scheidet wegen deren langer Ortsdurchfahrt durch Steinebach aus. Es ist daher folgerichtig, möglichst viel Verkehr auf der St 2068 zu bündeln, wenn es gleichzeitig gelingt, den Ort Weßling zu entlasten. Eine Entlastung dieser Ortsdurchfahrt ließe sich nur bewerkstelligen, wenn es gelänge, deutlich mehr Verkehr auf die Schiene zu verlegen (leider fehlen integrierende Betrachtungen von Schiene und Straße immer noch in Raumordnungsverfahren), ansonsten nur mit einer Umfahrung von Weßling.

2. Verkehrswirksamkeit

Die Entlastungswirkung der Wahltrasse II ist im Verlauf der St 2068 zwar bis auf die Ortsmitte selbst durchwegs höher als die der Wahltrasse I, jedoch bleibt sie mit max. 43% in beiden Fällen im kaum hörbaren Bereich. Dem Vorteil der höheren Entlastungswirkung der ortsnahen Trasse für die St 2068 steht der Nachteil gegenüber, daß sich für die St 2349 (Grünsinker Straße) praktisch keine Entlastung ergibt, demgegenüber aber die Entlastung dieser Straße im Falle der Wahltrasse I (als Folge ihrer Auflassung) höher ausfällt als die der ortsnahen Wahltrasse auf der St 2068 gegenüber der ortsfernen (2.400 Kfz gegenüber 2.200 Kfz südlich von Weßling).

Die Geschäftsstelle hatte 1989 im Auftrag der Gemeinde Weßling, zusammen mit den Büros Prof. Dr.-Ing. Kurzak und Prof. Valentien + Valentien, eine Untersuchung über die Verlegung der Ortsdurchfahrt Weßling auf der St 2068 vorgelegt. Dabei hatte sich herausgestellt, daß aus ortsplanerischer Sicht nur eine ortsferne Trasse mit Auflassung der St 2349 - Grünsinker Straße - und mit Umbau der St 2068 in der Ortsdurchfahrt Weßling erwägenswert sei, weil hierbei eine Reduzierung des Verkehrsaufkommens auf der Hauptstraße um ca. 50% erreicht werden könne.

3. Natur und Umwelt

Den insgesamt nicht sehr überzeugenden Entlastungswirkungen bei beiden Wahltrassen stehen erhebliche Nachteile durch die Eingriffe und Beeinträchtigungen der natürlichen (Umwelt-)Schutzgüter bei beiden Wahltrassen gegenüber und damit auch erhebliche Einschränkungen der weiteren Brauchbarkeit des Raumes für die Naherholung (ausreichend große unzerschnittene Naturräume) und als Lebensraum für Tiere. Eine Abwägung der negativen Auswirkungen zwischen beiden Wahltrassen gestaltet sich aufgrund fehlender Bewertungsregeln bzw. unterschiedlicher Eingriffsarten schwierig.

Die o.a. Untersuchung der Geschäftsstelle beinhaltete auch eine Prüfung der Umweltverträglichkeit einer Westumfahrung in 3 Alternativen: die Alternativen wurden dabei vor allem unter den Gesichtspunkten der landschaftlichen Einbindung, des Erholungswertverlustes, der ökologischen Beeinträchtigungen und der Auswirkungen auf die Siedlungsbereiche geprüft. Im Ergebnis wurde eine Trassierung als die relativ verträglichste hervorgehoben, die in den vorgelegten RO-Unterlagen (S. 22 "weitere untersuchte Linien") der nördlichen, schwarz durchbrochenen Linie (s. Übersichtslageplan 1:25.000) entspricht, vom Antragsteller aber aus ökologischer Sicht nicht weiterverfolgt wird.

Obwohl bei dieser nur nachrichtlich wiedergegebenen Trassierung das Waldgebiet Taxleiten durchfahren wird, sollte sie noch einmal mit Wahltrasse I überprüft und deren jeweiligen Nachteilen gegenübergestellt werden, 'weil Waldgebiete nicht in allen Fällen Nicht-Waldgebieten ökologisch überlegen sind und weil sie (vorderhand) die klaren, vor allem siedlungsstrukturell gegebenen Nachteile einer ortsnahen Wahltrasse und die vor allem auf den sensiblen Naturraum um das Schluifeld ausstrahlenden Beeinträchtigungen einer ortsfernen Wahltrasse vermeiden würde.

In jedem Fall sind in diesem insgesamt von einer Umfahrung betroffenen empfindsamen Raum hohe Anforderungen an Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen zu stellen. Solche Maßnahmen können eine Beurteilung erleichtern und sollten auch schon Teil des Raumordnungsverfahrens sein.

4. Zusammenfassende Würdigung

Die Geschäftsstelle des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München vertritt die Ansicht, daß die Gemeinde Weßling ein berechtigtes Interesse an einer innerörtlichen Verkehrsentlastung der St 2068 hat, ohne daß die Gemeinde Wörthsee dadurch Mehrbelastungen erfahren darf. Eine Bündelung von möglichst viel Verkehr auf der insgesamt gut befahrbaren St 2068 erscheint grundsätzlich sinnvoll, sofern die Ortsdurchfahrt Weßlings entlastet werden kann. Sieht man von nicht untersuchten Verlagerungsmöglichkeiten auf die Schiene ab, kommt - nach Abwägung mit den Interessen der Gemeinden Weßling und Seefeld - eine ortsferne Umfahrung Weßlings im Grundsatz auf der Grundlage der Wahltrasse  I in Frage.

Es wird angeregt, die weitere untersuchte Linie - zweite Linie - obwohl die Eingriffe in das Waldgebiet auch kritisch gesehen werden, einer vertiefenden und vergleichenden Überprüfung der Ökologischen Auswirkungen im Vergleich zur Wahltrasse I gegenüberzustellen.

Grundsätzlich unbefriedigend ist die relativ geringe Entlastung der Ortsdurchfahrt Weßling. Es ist deshalb erforderlich - nach einer Analyse der Auswirkungen der fertiggestellten A 96 - weitere Maßnahmen zu finden, z.B. Zurückstufung der St 2068 zwischen BAB-AnschluB und geplanter Umgehungsstraße, um eine deutlichere Verkehrsentlastung von Weßling zu gewährleisten.

Außerdem sind die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen großzügig zu bemessen, wozu neben der Auflassung der St 2349 auch deren weitgehende Entsiegelung gehört. An den Grundwasserschutz sind erhöhte Anforderungen zu stellen.

i.A.


Dr. Reichhold

 

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