WörthseeWassergutachten

Hier lesen Sie das

hydrogeologische Gutachten

 das Grundlage der Ausweisung des 

Wasserschutzgebietes für den Brunnen III der Gemeinde Wörthsee

ist

Punkte, die unserer Meinung nach Beachtung verdienen, sind folgende:

  1. Der Brunnen III ist das hauptsächliche Standbein der Wörthseer Wasserversorgung. Aus ihm werden 80 - 90% des Trinkwassers im Gemeindebereich gefördert.
  2. Die Schutzzone III soll den erschlossenen Grundwasserstrom vor allem vor nicht oder nur schwer abbaubaren Verunreinigungen schützen, die bei Unfällen oder unsachgemäßem Umgang mit wassergefährdenden Stoffen auftreten können.
  3. Das zur Trinkwassergewinnung genutzte zweite Stockwerk ist zwar durch eine geringdurchlässige Moränenschicht von dem darüber liegenden ersten Grundwasserstockwerk getrennt, steht mit ihm aber gleichzeitig durch hydraulische Fenster in Verbindung.
  4. Wir sehen einen Widerspruch darin, daß einerseits das 1. und 2. Grundwasserstockwerk in Verbindung stehen (siehe oben) und daher richtigerweise das obere und untere Grundwasserstockwerk im gleichen Maße zu schützen ist, da oberstromig des Brunnens Verunreinigungen aus dem oberen Stockwerk mittelfristig in das zur Trinkwassergewinnung genutzte zweite Stockwerk gelangen können.
    Andererseits wird behauptet, daß nach derzeitigem Kenntnisstand im Erschließungsgebiet günstige Untergrundverhältnisse vorliegen, die keine besondere Auflagen beim Straßenbau erfordern. Auch die S-Bahn-Unterführung, die mit 7 m Tiefe nur 3 m über der Trennschicht zwischen 1. und 2. Stockwerk und somit 0,5 bis 1 m über dem ersten Stockwerk liegt, findet angeblich günstige Untergrundverhältnisse vor.

Wasserversorgung
Gemeinde Wörthsee
Landkreis Starnberg

 

Einzugsgebietsermittlung
 Brunnen III und
Hydrogeologisches Gutachten


Auftraggeber: Gemeinde Wörthsee
Seestraße 20
82237 Wörthsee
Verfasser: Dr. BLASY + MADER
BERATENDE INGENIEURE
Moosstraße 3
82279 Eching am Ammersee
Tel. 08143/997-100 Fax -150

  

Eching am Ammersee
09.06.2000

Geprüft!
Der amtliche Sachverständige im wasserrechtlichen Verfahren.
München, den 17.08.2000
Wasserwirtschaftsamt

Verzeichnis der Unterlagen

Anlage 1 Übersichtslageplan im Maßstab 1: 25.000
Anlage 2 Lagepläne im Maßstab 1: 5.000
Anlage 2.1  Plan mit Grundwassergleichen und Tertiäroberfläche
Anlage 2.2 Plan mit der Grenze des Einzugsgebiets sowie bestehenden und vorgeschlagenen Trinkwasserschutzzonen
Anlage 3 Lageplan mit vorgeschlagenen Trinkwasserschutzzonen
Anlage 4 Geologische Profilschnitte 1: 5.000/200
Anlage 4.1 Geologischer Profilschnitt A
Anlage 4.2 Geologischer Profilschnitt B
Anlage 5 Hydrogeologische Daten
Anlage 5.1 Verzeichnis der Meßstellen und Grundwasserhöhen
Anlage 5.2 Diagramm der Grundwasserstandsschwankungen
Anlage 6 Hydrochemische Analysen
Anlage 7 Schichtenverzeichnisse, Bohrprofile und Ausbaupläne
Anlage 7.1 Brunnen III
Anlage 7.2 Bohrungen B2-B6
Anlage 8 Pumpversuche, Auswertungen und Gangliniendiagramme
Anlage 8.1 Auswertungen der Kurzpumpversuche in B3, B4 und B5 sowie der Absenkungen im Brunnen III nach THIEM/DUPUIT
Anlage 8.2 Gangliniendiagramme des Betriebswasserspiegels des Brunnens III im Mai 1998 und Oktober 1999
Anlage 8.3 Protokolle der Kurzpumpversuche in B3, B4 und B5
Anlage 9 Kurzbericht zu geophysikalischen Messungen im Brunnen III
Anlage 10 Zeit- und Ablaufplan über durchgeführte Arbeiten am Brunnen III (Schluifeld), unser Schreiben vom 06.10.99

 

1. Veranlassung
2. Verwendete Unterlagen
3. Durchgeführte Arbeiten und Untersuchungen
4. Allgemeine Ergebungen
   
4.1 Angaben zur Wasserversorgung
        4.1.1 Träger der Versorgung, Versorgungsgebiet und betriebliche Verhältnisse
        4.1.2 Wasserbedarf und Wasserrechtsbescheide
    4.2 Angaben zu den Wasserfassungen
        4.2.1 Lage und naturräumlicher Oberblick
        4.2.2 Beschreibung der Wasserfassungen
    4.3 Landnutzung und Besiedelung im Umfeld
    4.4 Oberflächenwasser im Untersuchungsgebiet
    4.5 Klimatische und hydrologische Daten
    4.6 Grundwasserbeschaffenheit
5. Geologie
6. Hydrogeologie
   
6.1 Genutzter Hauptgrundwasserleiter
    6.2 Oberer Grundwasserleiter
    6.3 Strömungsverhältnisse
    6.4 Geohydraulische Kennwerte
7. Zusammensetzung und Gestalt des Einzugsgebietes
   
7.1 Zustrombereich
    7.2 Berechnung der 50-Tage-Linie
    7.3 Oberirdische Wasserscheiden und Zuspeisungsbereiche
    7.4 Grundwasserneubildungsraten und Bilanzkontrolle
    7.5 Abgrenzung der Schutzzonen
        7.5.1 Fassungsbereich
        7.5.2 Engere Schutzzone
        7.5.3 Weitere Schutzzone
8. Zusammenfassende Bewertung und weitere Vorgehensweise
   
8.1 Bewertung der Belastungsempfindlichkeit und des Gefährdungspotentials
    8.2 Bewertung des bestehenden Schutzgebiets
    8.3 Bewertung der ermittelten Einzugsgebietsgrenzen
    8.4 Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise

 

1. Veranlassung

Die Gemeinde Wörthsee betreibt rd. 500 m östlich des Ortsrands den Brunnen III ("Brunnen Im Gewann Gestell" o.a. "Brunnen Schluifeld") zur Versorgung aller Ortsteile der Gemeinde mit Trinkwasser. Der Brunnen III liegt auf dem Grundstück mit der Flur.Nr. 981, Gemarkung Steinebach.

Der zweite Brunnen der Gemeinde, der Tiefbrunnen I im Ortsteil Auing, wurde im Mai und Juni 1996 erfolgreich regeneriert. Derzeit findet eine Sanierung des Brunnenhauses und der Aufbereitungsanlage statt. Anschließend soll der Brunnen I wieder zur Trinkwasserversorgung genutzt werden.

Mit Datum vom 13.05.1992 wurde ein von der Gemeinde Wörthsee in Auftrag gegebenes Hydrogeologisches Basisgutachten zur Ermittlung der Einzugsgebiete der Brunnen I und II der ehemaligen Wasserversorgung Steinebach, des Brunnens der ehemaligen Wasserversorgung Etterschlag sowie des Brunnens im Gewann Gestell der Wasserversorgung Wörthsee (5) vorgelegt. Der Brunnen III (Schluifeld) entspricht dem sogenannten Brunnen "Im Gewann Gestell".

Das Schutzgebiet für den Brunnen III (im Bescheid des Landratsamts Starnberg bisher als Brunnen II bezeichnet) wurde im Amtsblatt des Landratsamtes Starnberg vom 22.06.1989 bekanntgemacht. Mit Bescheid vom 30.07.1987 wurde eine bis 01.01.1998 befristete, stets widerrufliche gehobene Erlaubnis zum Zutagefördern von Grundwasser bis zu maximal 15 I/s bzw. 240.000 m³/a erteilt. Mit dem Bescheid vom 05.05.99 verlängerte das Landratsamt Starnberg die Erlaubnis bis zum 31.12.2007. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, daß das Einzugsgebiet des Brunnens neu zu erkunden sei, da das von der Gemeinde vorgelegte Basisgutachten vom 13.05.1992 (5) weitgehend auf Mutmaßungen und Annahmen beruhe. Es wurde eine Erkundung der Grundwasserfließrichtung, ggf. durch eine Errichtung von Grundwassermeßstellen empfohlen. Aufgrund der hierbei gewonnenen Erkenntnisse sollen 'die bestehenden Schutzgebietsgrenzen überprüft werden und ggf. ein Vorschlag für eine Schutzgebietsneuausweisung erarbeitet werden. Unser Ingenieurbüro wurde Anfang 1999 mit den hierfür erforderlichen Untersuchungen beauftragt.

2. Verwendete Unterlagen

(1) BAYERISCHES LANDESAMT FÜR STATISTIK UND DATENVERARBEITUNG (1997): Gemeindedaten, Ausgabe 1996, München.

(2) BAYERISCHES LANDESAMT FÜR WASSERWIRTSCHAFT (1987): Schlußgutachten für die Grundwassererschließung der Gemeinde Wörthsee, Landkreis Starnberg vom 04.04.1978; München.

(3) BLASY + MADER BERATENDE INGENIEURE (1995): Wasserversorgung Gemeinde Wörthsee - Vorentwurf vom 11.08.1995, Eching.

(4) BLASY + MADER BERATENDE INGENIEURE (1998): Brauchwasserversorgung Golfanlage Wörthsee - Nachweis des Grundwasserangebots und überschlagsmäßige Ermittlung des Einzugsgebiets des Brunnens HB5 vom 13.01.1998, Eching.

(5) BODEN UND WASSER (1992): Wasserversorgung Gemeinde Wörthsee - Hydrogeologisches Basisgutachten zur Ermittlung der Einzugsgebiete der Brunnen I und II der ehemaligen Wasserversorgung Steinebach, des Brunnens der ehemaligen Wasserversorgung Etterschlag sowie des Brunnens im Gewann Gestell der Wasserversorgung Wörthsee vom 13.05.1992, Aichach.

(6) DEUTSCHER VEREIN DES GAS- UND WASSERFACHES E.V. (HRSG.), (1995): Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete, I. Teil: Schutzgebiete für Grundwasser, DVGW-Arbeitsblatt W101.

(7) GEOLOGISCHES LANDESAMT BADEN-WÜRTTEMBERG (1991): Informationen 2/91 - Hydrogeologische Kriterien für die Abgrenzung von Wasserschutzgebieten in Baden-Württemberg, Freiburg.

(8) KERN, H.: (1975): Mittlere jährliche Verdunstungshöhen 1931 -1960, Schriftenreihe Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, Heft 2, München.

(9) KOPF, E. & ROTHASCHER, A. (1980): Das natürliche Grundwasserdargebot in Bayern, Schriftenreihe Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft, Heft 13, München.

(10) KUNZ, R. (1998): Erläuterungen zur geologischen Karte 1: 25.000 Blatt 7832 Türkenfeld -Tertiäroberflächenkarte 1: 50.000, 36 Abb., 7 Tab. 164S., München.

(11) MUTSCHMANN, J. & STIMMELMAYER, F. (1991): Taschenbuch der Wasserversorgung, 10. Auflage Franckh-Kosmos, Stuttgart.

(12) Flurkarten mit Höhengleichenlinien 1: 5.000, Blatt

(13) Topographische Karte 1: 25.000 von Bayern, Blatt 7933 Weßling

3. Durchgeführte Arbeiten und Untersuchungen

Im März 1998 wurden die drei Bohrungen B2 - B4 im Umfeld des Brunnens III abgeteuft (Anl. 2.1). Die Bohrung B2 (rd. 270 m südöstlich des Brunnens) wurde anschließend wieder verfüllt, da über der Oberkante der Oberen Süßwassermolasse (Tertiär), die in dieser Bohrung bereits in einer Tiefe von 19,5 m u. GOK (Geländeoberkante) erbohrt wurde, kein Grundwasser festgestellt wurde.

Die Bohrungen B3 und B4 wurden bis in Tiefen von 35 m bzw. 40 m u. GOK abgeteuft und zu Grundwassermeßstellen nach DVGW-Richtlinie W121 ausgebaut.

In der zweiten Augusthälfte 1998 wurde ca. 250 m nordöstlich des Brunnens III eine weitere Pegelbohrung B5 bis in eine Tiefe von 38 m u. GOK abgeteuft und zur Grundwassermeßstelle nach DVGW-Richtlinie W121 ausgebaut.

Im August 1999 wurde der Flachpegel B6 ca. 3 m nördlich des Brunnens III bis in eine Tiefe von 11,3 m u. GOK niedergebracht. Der Flachpegel ermöglicht eine separate Beobachtung und Beprobung des oberen Grundwasserstockwerks.

Da gemäß dem Ausbauplan des Brunnens III ein hydraulischer Kurzschluß zwischen oberem und unterem Grundwasservorkommen besteht, wurde zur Überprüfung der Lage der Sperrohrunterkante eine geophysikalische Untersuchung des Brunnens am 18.09.98 von der Fa. BLM, Gotha, durchgeführt. Die Ergebnisse der Messungen (Anl. 9) diente als Planungsgrundlage für die im August/September 1999 durchgeführte Sanierung des Brunnens III (Anl. 10).

Die errichteten Grundwassermeßstellen B3 - B5 werden zur Ermittlung der Grundwasserfließrichtung im quartären Hauptgrundwasservorkommen verwendet.

In allen neu erstellten Meßstellen wurden Kurzpumpversuche zur Ermittlung der Gesteinsdurchlässigkeit durchgeführt und nach THIEM/DUPUIT ausgewertet. Die Protokolle und Auswertungen liegen in Anlage 8 vor, die Ergebnisse sind in Kapitel 6.4 zusammengestellt.

Es wurden verschiedene Stichtagsmessungen der Grundwasserstände im Brunnen III sowie den Pegeln B3 - 86 durchgeführt. An zwei Stichtagen wurden die Meßstellen des Golfplatzes Wörthsee in die Messungen einbezogen. Die Ergebnisse sind in Anlage 5.1 zusammengestellt.

4. Allgemeine Erhebungen

4.1 Angaben zur Wasserversorgung

4.1.1 Träger der Versorgung, Versorgungsgebiet und betriebliche Verhältnisse

Die Gemeinde Wörthsee betreibt zu ihrer Trinkwasserversorgung den Brunnen III (Schluifeld) sowie den Tiefbrunnen I im Ortsteil Auing. Träger der Wasserversorgung ist die Gemeinde. Es besteht weiterhin ein Leitungsverbund mit dem Zweckverband Großräumige Wasserversorgung im Landkreis Starnberg.

Der frühere Flachbrunnen II in Auing wurde zusammen mit dem Notbrunnen an der Etterschlager Straße im Mai 1997 fachgerecht verfüllt. Der ehemalige Brunnen II der Trinkwasserversorgung Etterschlag ist seit einigen Jahren stillgelegt.

Das geförderte Trinkwasser wird über das Netz in den Hochbehälter Walchstadt (Oberlauf in NN + 615,85 m mit 400 m³) und Steinberg (Oberlauf in NN + 622,25 m mit 500 m³) der Gemeinde gepumpt. Von hier aus werden alle Ortsteile (Walchstadt, Etterschlag, Steinebach und Auing) mit Trinkwasser versorgt.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Wörthsee beträgt derzeit (1999) rd. 4.300.

4.1.2 Wasserbedarf und Wasserrechtsbescheide

Mit Wasserrechtsbescheid des Landratsamts Starnberg vom 30.07.87 wurde folgende größte abzuleitende Wassermenge aus dem Brunnen III (im Bescheid als Brunnen II bezeichnet) genehmigt.

Qs 15 l/s
Qa 240.000 m³/a

Mit Bescheid vom 05.05.99 erteilte das Landratsamt Starnberg eine befristete Verlängerung der Erlaubnis bis zum 31.12.2007.

Im folgenden ist nach Angaben der Gemeinde Wörthsee der Wasserbedarf der Jahre 1996 bis 1998 aufgeführt. Die geförderten Wassermengen sind den einzelnen Versorgungsanlagen zugeordnet. Diese sind der Brunnen III (Im Gewann Gestell o.a. Schluifeld), der Brunnen I (Auing) sowie der Zweckverband Großräumige Wasserversorgung.

Jahr Brunnen III Brunnen I Auing Zweckverband Gesamt
1996 292.231 m³ 13.081 m³ 24.868 m³ 330.180 m³
1997 323.142 m³ Außer Betrieb 43.427 m³ 366.569 m³
1998 257.525 m³ Ab Sept. 25.407 m³ 52.267 m³ 335.199 m³

Im Jahr 1995 wurde eine Bedarfsprognose (3) durchgeführt. Zum Zeitpunkt der Erhebung (1994 und 1995) lagen die Verbrauchszahlen noch bei über 400.000 m³ im Jahr. Die Bedarfsprognose für das Jahr 2015 (3) ermittelte eine Menge von 311.345 m³. Die Gesamtförderung der Jahre 1996 bis 1998 lag zwischen 330.180 m³ und 366.569 m³ pro Jahr. Diese Mengenangaben enthalten die über das Leitungsnetz eingetretenen Verluste und stellen somit nicht die verkaufte Wassermenge dar. Bei weiterer Reduzierung der über das Netz eintretenden Verluste erscheint die Prognose plausibel.

Für die Dimensionierung des Schutzgebiets ist die Kenntnis der maximalen Monatsentnahme sowie der täglichen Spitzenentnahme einer Trinkwasserfassung relevant. Diese Größen werden im folgenden ermittelt.

Maximale Monatsentnahme aus Brunnen III

Die Jahre 1994 - 1996 wurden bei der Ermittlung der maximalen Monatsentnahme nicht berücksichtigt, da die in diesen Jahren geförderten Wassermengen infolge großer Leitungsverluste nicht auf den zukünftigen Wasserbedarf schließen lassen. Der Zeitraum 1997 bis August 1998 ist zur Ermittlung der maximalen Monatsentnahme gleichfalls wenig repräsentativ, da der Brunnen I Auing in dieser Zeit infolge von Regenerierungsmaßnahmen außer Betrieb war und somit verstärkt aus dem Brunnen III gefördert wurde. Die in diesem Zeitraum aufgetretenen maximalen Monatsentnahmen von bis zu 28.000 m3 aus dem Brunnen III sind somit nicht ausschlaggebend für die Folgejahre, da die Förderung aus dem Brunnen I (rd. 6.900 m³/Monat) nach dem Abschluß der Sanierung des Brunnenhauses wieder aufgenommen werden soll.

Die maximale Monatsentnahme (max QMT) aus dem Brunnen III des betrachteten Zeitraums September 1998 bis Oktober 1999 fiel auf den Mai 99 mit einer Förderung von rd. 23.000 m³. Diese Menge entspricht dem 1,15-fachen der aus der genehmigten Jahresförderung von 240.000 m³ ermittelten durchschnittlichen Monatsentnahmemenge (20.000 m³). Nach (11) sollte, in Ermangelung entsprechender Verbrauchszahlen, ein Faktor von rd. 1,3 angesetzt werden. Dieser erscheint jedoch im vorliegenden Fall nicht erforderlich, da in Spitzenbedarfsmonaten der Mehrverbrauch weitgehend über eine größere Förderung aus dem Brunnen Auing I bzw. dem Verbundnetz abgedeckt wird und somit nicht in voller Höhe auf die Entnahme aus dem Brunnen III durchschlägt.

max QMT des Brunnens III Monat mit maximaler Entnahme Fördermenge  
Mai 1999 23.000 m³ 8,9 l/s

Die ermittelte maximale Monatsentnahmemenge QMT von umgerechnet rd. 9 l/s wird zur Berechnung der Zustrombreite verwendet (Kap. 7.1 ).

Tägliche Spitzenentnahme aus Brunnen III

Der maximale Tagesverbrauch der Gemeinde wurde im Vorentwurf zur Wasserversorgung der Gemeinde Wörthsee (3) aus dem Wochenmittel zu 1850 m³/d berechnet. Hiervon entfallen 864 m³/d auf den Brunnen III, eine Förderung mit 15 l/s über 16 h Dauer vorausgesetzt. Aus der täglichen Spitzenentnahme errechnet sich folgende durchschnittliche tägliche Spitzenförderrate.

Tägliche Spitzenentnahme aus Brunnen III max Qd Durchschnitt in l/s
864 m³/d 10 l/s

Es zeigt sich, daß die errechnete tägliche Spitzenentnahme aus dem Brunnen III mit durchschnittlich 10 l/s nur 1 l/s über der maximalen Monatsentnahmemenge (rd. 9 l/s) liegt. Dies liegt daran, daß zur Deckung des gemeindlichen Wasserbedarfs in erster Linie der Brunnen III genutzt wird, dann aber in Spitzenbedarfszeiten sukzessiv die Förderungen aus dem Brunnen I (Auing) bzw. aus dem Zweckverband ausgeschöpft werden. Der Brunnen III wird somit als hauptsächliches Standbein der Wasserversorgung relativ gleichmäßig betrieben und bleibt von kurzzeitigen Entnahmespitzen weitgehend verschont.

Die tägliche Spitzenentnahme (max Qd) kann bei hoher Fließgeschwindigkeit des Grundwassers für die Berechnung der unterstromigen Kulmination entscheidend sein, da sich der Absenktrichter um den Brunnen bereits durch hohe Tagesförderungen bis zum unterstromigen Rand des Entnahmebereichs ausdehnen kann. Bei den gegebenen relativ geringen Fließgeschwindigkeiten (0,26 m/d) spielt diese Überlegung für den Brunnen III jedoch keine Rolle (vgl. Kap.7.2).

4.2 Angaben zu den Wasserfassungen 

4.2.1 Lage und naturräumlicher Überblick

Das Erschließungsgebiet liegt im Nordwesten des Landkreises Starnberg, Regierungsbezirk Oberbayern. Der Brunnen III liegt rd. 500 m östlich des Ortsteils Steinebach an der östlichen Grenze der Gemeinde Wörthsee zur Gemeinde Seefeld. Die Ortschaft Weßling liegt rd. 1,5 km östlich der Trinkwasserfassung.

Die Autobahn A 96 Lindau - München verläuft rd. 1,5 km nördlich des Brunnens.

Das Gebiet der Gemeinde Wörthsee liegt im Bereich der jungeiszeitlichen Endmoränenlandschaft die während der Würmeiszeit durch die Tätigkeit des Ammerseegletschers geschaffen wurde. Die girlandenförmig um die ehemaligen Gletscherzungenbecken (Ammer-, Wörth- und Pilsensee) verlaufenden Endmoränen weisen eine unruhige Geländeoberfläche mit Kuppen, Rücken sowie dazwischengelegenen zahlreichen abflußlosen Hohlformen (Toteislöchern) auf. In den Senken der Moränenlandschaft breiten sich Vernässungsgebiete und Niedermoore (z.B. Schluifelder Moos) aus. Die eher kiesigen Endmoränenrücken sind meist bewaldet. An die Endmoränenwälle schließen sich stellenweise flache Übergangskegel an, die in die nördlich vorgelagerten Schmelzwasserschotterfluren überleiten (z.B. Grafrather, Weßlinger und Gilchinger Schotterrinnen). Der Brunnen III liegt im Nahtbereich zwischen dem ehemaligen Pilsensee- und Wörthseegletscher. Die Geländeoberfläche steigt vom Brunnen aus mit einer Höhe von rd. NN + 580 m nach Südosten bis in eine Entfernung von rd. 1,1 km auf rd. NN + 615 m an. Jenseits dieses Geländerückens fällt die Geländeoberfläche vergleichsweise steil zum Pilsenseetal ab. Das Ostufer des Wörthsees liegt rd. 1,3 km westlich des Brunnens III.

4.2.2 Beschreibung der Wasserfassungen

Bei den für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde Wörthsee genutzten Brunnen III handelt es sich um einen vollkommenen Bohrbrunnen, der das quartäre Hauptgrundwasserstockwerk in ganzer Mächtigkeit erschließt. Das geologische Profil und der Ausbauplan des Brunnens ist in Anlage 7.1 enthalten. Das Quartärprofil ist durch eine Moränenschicht in zwei Grundwasserstockwerke unterteilt. Die Oberkante der bindigen Moräne liegt bei 10,3 m u. GOK. Sie reicht bis 13 m u. GOK.

Es ist anzumerken, daß das Sperrohr des Brunnens III nicht bis in den Stauer des oberen Grundwasserstockwerks reicht. Das Sperrohr endet gemäß dem Ausbauplan (Anl. 7.1 ) bei 8,0 m unter Gelände. Diese Ausbauweise wurde durch eine geophysikalische Untersuchung im September 1998 (Anl. 9) bestätigt. Die von oben nach unten gerichtete Wasserbewegung im Brunnenringraum konnte nach den Ergebnissen von Flow-Meter- und Salinitätsmessungen auf rd. 100 l/min abgeschätzt werden. Die Wasserzutritte waren mit dem bloßen Auge bei geöffnetem Brunnen und ausgebauter Steigleitung an der bewegten Oberfläche des Brunnenwasserspiegels erkennbar.

Technische Daten Brunnen III (Schluifeld)
Baujahr 1977
Art Bohrbrunnen
Rechtswert
Hochwert
441.781,29
326.235,59
Geländehöhe
Meßpunkthöhe
NN + 583,37 m
NN + 580,56 m
Grundstück 981 Gemarkung Steinebach
Bohrdurchmesser - 10,00 m: 1200 mm
- 20,00 m: 1000 mm
- 33,50 m:   850 mm
Abdichtung -  8,00 m: Stahl-Sperrohr DN 800
-  8,00 m: Ton
- 13,00 m: Zement (Injektion)
Ausbau - 13,00 m: Rilsan-Vollrohr DN 400
- 28,00 m: Rilsan-Filterrohr DN 400
- 32,00 m: Rilsan-Sumpfrohr DN 400
Ringraum - 33,50 m: Quarzfilterkies 5/7 mm
Ruhewasserspiegel am 24.10.77: 9,10 m u. GOK = NN + 574,3 m
am 20.09.99: 14,22 m u. GOK = NN + 569,15 m
Förderleistung

Unterwassermotorpumpe
14 l/s

Pumpversuch

Vom 24.10. bis zum 29.10.77
über eine Dauer von 125 Stunden
0,68 m Absenkung bei 3,0 l/s
8,46 m Absenkung bei 7,0 l/s
10,10 m Absenkung bei 15,0 l/s
11,09 m Absenkung bei 20,0 l/s

Bis zur Sanierung im August/September 99 war das obere und untere quartäre Grundwasserstockwerk im Brunnen III kurzgeschlossen. Durch die Sanierungsmaßnahme, bei welcher der verkieste Ringraum im Bereich des oberen Grundwasserstauers und darüber zwischen 13 m und rd. 7,5 m u. GOK mit Zementsuspension verpreßt wurde, konnten der hydraulische Kurzschluß abgedichtet werden. Der Ablauf der Abdichtungsarbeiten ist in Anlage 10 tabellarisch dokumentiert. Die Wirksamkeit der Abdichtung wurde durch ein Absinken des Brunnenwasserspiegels innerhalb von zwei Tagen um 0,3 m und nach neun Tagen um insgesamt 0,45 m bzw. einen zeitgleichen Grundwasseranstieg im Pegel B6 um 0,44 m hydraulisch belegt (vgl. Ganglinien-Diagramm Anl. 10). Auch mittels einer Kamerabefahrung am 01.09.99 konnten im Anschluß an die Verpreßarbeiten keine Wasserzutritte mehr in den oberen Filterbereich des Brunnens (in Ruhe) beobachtet werden.

Der Tiefbrunnen I Auing wird hier nicht beschrieben, da es sich infolge der Erschließung tertiärer Tiefenwässer um ein anderes Einzugsgebiet handelt.

4.3 Landnutzung und Besiedlung im Umfeld

Die Fläche des Gemeindegebiets von Wörthsee beträgt nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung (1) rd. 2.042 ha. Davon werden 821 ha landwirtschaftlich genutzt, von denen 564 ha auf Grünlandnutzung entfallen. Zu den Ackerlandflächen bestehen folgende Angaben:

Grünmais 92 ha
Sonst. Futterpflanzen 28 ha
Weizen 175 ha
Gerste 128 ha

Die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe beträgt 36, wovon sechs über eine landwirtschaftliche Nutzfläche kleiner 10 ha verfügen. Der Rinderbestand liegt bei rd. 990 Stück (Stand Ende 1994), davon rd. 330 Milchkühe.

Der nähere Zustrombereich (Entfernung bis rd. 800 m) zum Brunnen wird von den Waldgebieten Pfeiferwinkel und Neuschlag eingenommen. Es handelt sich hierbei um einen Laub-Nadel-Mischwald. In südlicher und südöstlicher Richtung reichen bewaldete Flächen (Dellinger Buchet) bis in eine Entfernung von rd. 1,3 km auf das Gemeindegebiet von Seefeld über. In ostsüdöstliche Richtung herrschen ab einer Entfernung von rd. 800 m Grün- und Ackerlandflächen vor. Nördlich des Brunnens leitet eine Grünlandfläche zu Feuchtgebieten des Schluifelder Mooses über.

Die nächste Bebauung (Waldstraße) liegt rd. 300 m westlich vom Brunnen. Ein weiteres Siedlungsgebiet der Gemeinde Wörthsee liegt ca. 500 m südwestlich. Es handelt sich hierbei um eingeschossige Wohnbebauungen.

Die S-Bahnlinie München - Herrsching verläuft rd. 500 m südlich der Trinkwasserfassung.

Die Trasse der West-Umfahrung Weßling (St 2068) wird voraussichtlich rd. 600 m östlich des Brunnens vorbeigeführt.

4.4 Oberflächenwasser im Untersuchungsgebiet

Der Wörthsee mit einer mittleren Seespiegelhöhe von NN + 560,4 m liegt rd. 1,3 km westlich der Trinkwasserfassung. Der Wörthsee stellt für das Oberflächenwasser im Gemeindegebiet Wörthsee den Hauptvorfluter dar. Die Seespiegelhöhe wird durch einen Auslauf in den Inninger Bach bei der Ortschaft Bachern reguliert.

Nordwestlich des Brunnens III befindet sich das Schluifelder Moos. Dort und in umgebenden Geländesenken finden sich zahlreiche Niedermoore bzw. anmoorige Bereiche, in denen in niederschlagsreichen Perioden offene Wasserflächen auftreten können. Das Schluifelder Moos, welches ehemalig ein See war, wird durch den Bullachgraben nach Westen zum Wörthsee entwässert.

In unmittelbarer Umgebung der Wasserfassung existieren mit Ausnahme der erwähnten Feuchtgebiete keine Oberflächengewässer. Ein reguläres Entwässerungsnetz ist in dem meist hochdurchlässigen, kiesigen Endmoränenbereichen nicht ausgebildet. Die Niederschlagswässer können nahezu vollständig versickern.

4.5 Klimatische und hydrologische Daten

Nach KERN kann die mittlere jährliche Niederschlagshöhe im Zeitraum 1931-1960 für das Gebiet der Gemeinde Wörthsee mit 900- 920 mm/a angesetzt werden. Die mittlere Verdunstungshöhe für diesen Zeitraum wird mit 550 mm/a angegeben. Daraus resultiert eine mittlere Höhe des Abflusses von 350 - 370 mm/a.

Aus folgenden Gründen ist davon auszugehen, daß mehr oder weniger der gesamte Teil des Abflusses als Grundwasserneubildungsrate anzusetzen ist:

  • Im Umgriff des Untersuchungsgebiets fehlen Vorfluter, die oberirdische Abflüsse abführen könnten.

  • Die Endmoränenlandschaft weist mit Ausnahmen von Senken keine bindige Überdeckung auf. In den Kuppenbereichen ist der Untergrund meist sehr durchlässig, Niederschläge können hier sofort versickern. Bei den Senken handelt es sich i.d.R. um abflußlose Hohlformen, in denen sich die Niederschläge zunächst in Feuchtgebieten sammeln und allmählich aussickern bzw. verdunsten.

Unter begründeter Vernachlässigung einer oberirdischen Abflußkomponente stehen somit für die Grundwasserneubildung folgende Größen zur Verfügung:

Unterirdischer Abfluß Grundwasserneubildung
durchschn. 360 mm/a = 11,5 l/s * km²

4.6 Grundwasserbeschaffenheit

Das im Brunnen III regelmäßig beprobte und durch die Dr. Blasy - Dr. Busse GmbH analysierte Grundwasser ist wie alle im Voralpenraum vorkommenden quartären Grundwässer dem Typ erdalkalisch - hydrogencarbonatischer Kalkschotterwässer zuzuordnen. Das Brunnenwasser wird gemäß der Eigenüberwachungsverordnung jeweils einmal pro Jahr untersucht. Die Ergebnisübersichten zur Hydrochemie (seit 1996) liegen in Anlage 6 bei.

Aus Beweissicherungsgründen wurden vor der Brunnensanierung (März 1999) sowie danach (Oktober 1999) jeweils drei Proben des Brunnenwassers im Abstand von einer Woche auf mikrobiologische Parameter untersucht (Anl. 6). In den durchgeführten mikrobiologischen Untersuchungen gab es keine Beanstandungen. In diesem Zusammenhang läßt insbesondere die einwandfreie Beurteilung hinsichtlich Flexibacter auf eine gute Abschirmung des genutzten Hauptaquifers gegenüber Einflüssen von der Oberfläche schließen.

Eine Untersuchung aller zur Verfügung stehenden Meßstellen (Br. III, B3, B4, B5 und B6) erfolgte am 13.10.99. Der Nitratgehalt lag mit 14 mg/l im Brunnen III am niedrigsten und mit 21 mg/l im Pegel B5 am höchsten. Damit liegen die Nitratgehalte im genutzten Aquifer unter dem EG-Richtwert von 25 mg/l. Die Meßstelle B6 verfiltert das obere quartäre Grundwasserstockwerk.

Unterschiede bei den untersuchten Parametern zwischen oberen und unterem quartären Aquifer treten in erster Linie im Sauerstoffgehalt hervor. So sind im Flachpegel P6 mit 4,6 mg/l teilreduzierte Verhältnisse angezeigt, wogegen der Brunnen III mit 12 mg/l sowie die weiteren Meßstellen im Hauptaquifer zwischen 8,8 - 13 mg/l nahezu sauerstoffgesättigt sind. Das teilreduzierte Milieu des oberen Aquifers weist auf einen Einfluß durch die anmoorigen Gebiete nord- bis nordwestlich des Brunnens hin. Die aus den Feuchtgebieten in den Untergrund, also den oberen Aquifer aussickernden Wässer, werden beim Passieren der Bodenzone sauerstoffzehrenden Prozessen ausgesetzt. Hingegen wird der quartäre Hauptaquifer eher durch Grundwasserneubildung in bewaldeten Gebieten südlich bis östlich des Brunnens regeneriert.

Die Werte für Chlorid, Sulfat und DOC (Summenparameter für gesamten gelösten organischen Kohlenstoff) liegen im Normalbereich.

Die Grenzwerte von Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln bzw. deren Abbauprodukten wurden in keinem der untersuchten Meßstellen erreicht. Im Oktober 1999 lag der Wert für Atrazin und dessen Abbauprodukt Desethylatrazin im Brunnen III und im Pegel B6 zwischen Nachweis- (0,01 µg/l) und Bestimmungsgrenze (0,05 µg/l), d.h. deutlich unter dem Grenzwert von 0,1 µg/l. In den Pegeln B4 und B5 war Desethylatrazin lediglich qualitativ nachweisbar.

5. Geologie

Das Erschließungsgebiet liegt in der würmeiszeitlichen Jungendmoränenlandschaft des Ammerseevorlandgletschers. Die bis zu über 50 m mächtigen Gletscherablagerungen werden von tertiären Sedimenten der Oberen Süßwassermolasse (OSM) unterlagert. Die Sedimente der Oberen Süßwassermolasse sind im Untersuchungsgebiet überwiegend feinkörnige limnische Ablagerungen. Sie stellen aufgrund ihrer geringen Durchlässigkeit die Sohlschicht der quartären Grundwasservorkommen dar. Bei den quartären Ablagerungen handelt es sich entweder um mehr oder weniger kiesige bis bindige Moränen, Schmelzwasserschotter oder in Stillwasserbereichen abgelagerte Beckensedimente (gebänderte Tone und Schluffe ). Die genannten Sedimente können aufgrund der wechselhaften eiszeitlichen Bildungsvorgänge lateral verzahnt oder auch vertikal getrennt übereinander auftreten.

Der tertiäre Untergrund ist infolge der erosiven Wirkung der Vorlandgletscher in Zungenbecken und Rinnen ausgeschürft. An der Quartärbasis finden sich z. T. noch altpleistozäne Sedimente, die den abtragenden Prozessen der folgenden Glaziale widerstanden haben. Im Untersuchungsgebiet sind überwiegend Ablagerungen der Jungeiszeit (Würm) erbohrt worden. Im Frühwürm wurden sogenannte Vorstoßschotter im Vorfeld des anrückenden Gletschers sedimentiert. Diese Schotter wurden im Hochwürm vom Gletschereis überfahren, wovon bindige Grundmoränen in deren Hangenden zeugen. Von der ausgehenden Würmeiszeit blieben vor allem Schotter, kiesige Moränen und Glazialtone zurück. Durch eingelagerte Toteismassen entstanden abflußlose Senken, in denen sich heute die zahlreichen Feuchtgebiete der Landschaft finden.

6. Hydrogeologie

6.1 Genutzter Hauptgrundwasserleiter

Der Brunnen III erschließt ein rd. 15 m mächtiges quartäres Schotterpaket glaziofluviatiler Kiese, die durch Schmelzwässer des würmzeitlichen Ammerseegletschers abgelagert wurden (Anl. 4). Es ist davon auszugehen, daß sie als sogenannte Vorstoßschotter im Vorfeld des anrückenden Wörthsee-Zweiggletschers aufgeschüttet wurden. Das Vorstoßschotterpaket wurde anschließend im Hochglazial mindestens einmal vom Gletscher überfahren. Hiervon zeugen die Moränenablagerungen im Hangenden des Schotterpakets. Vergleichbare Lagerungsverhältnisse sind weiter nördlich und nordöstlich aus zahlreichen Bohrungen im Gebiet zwischen Etterschlag und der Gemeinde Gilching bekannt.

Die Basis der Schotter liegt im Brunnen III bei 28,1 m u. GOK (rd. NN + 555 m). Nach dem Bohrprofil (Anl. 7.1 ) wurde bis zur Endteufe in 33,5 m Ton erbohrt. Nach den Ergebnissen der benachbarten Bohrungen B3 und B5 (s.u.) ist unklar, ob es sich hierbei bereits um den tertiären Stauer (OSM- Ton), eine bindige Altmoränenschicht oder Glazialtone handelt (Anl. 4.1 ).

Die wasserführenden Kiese des quartären Hauptaquifers bestehen aus gletschernah abgelagerten z.T. steinigen, sandigen, leicht schluffigen bis schluffigen Fein- bis Grobkiesen. Die überwiegend karbonatischen Kieskomponenten sind aufgrund der relativ geringen Transportweiten meist nur kantengerundet.

Die Schotter setzen sich nach Ostnordost über die rd. 200 m entfernte Bohrung B5 fort. Die Schotter des Hauptaquifers reichen hier von 13,6 bis 28 m u. GOK. Der Grundwasserstauer bildet eine rd. 10 m mächtige Altmoränenschicht, die erst ab 38,2 m u. GOK (NN + 552,38 m) vom Tertiär unterlagert wird. Südwestlich des Brunnens III setzt sich der Grundwasserleiter rd. 14m mächtig bis zur Bohrung B3 fort. Gleichfalls wie in B5 bildet die Schotterbasis in B3 eine Altmoränenschicht. Die tertiäre Basis liegt in NN + 34,4 m u. GOK (NN + 551 m). Der genutzte Aquifer wird im Süden durch den ansteigenden tertiären Untergrund begrenzt. Bis in eine südöstliche Entfernung von 280 m (B2) steigt die Unterkante der Schotter entsprechend der in dieser Richtung bis auf NN + 567 m ansteigenden Tertiäroberkante (Anl. 4.2) um rd.12 m an.

Der quartäre Hauptaquifer wird im Brunnen III sowie in den Bohrungen B3 und B5 durch eine mehrere Meter mächtige geringdurchlässige Moränenschicht überdeckt. Diese wurde in Tiefen zwischen rd. 10 m bis maximal 14 m u. GOK erbohrt. Die bindige Moräne bildet gleichzeitig den Stauer für ein oberes quartäres Grundwasserstockwerk. Dieses wird im folgenden Kapitel 6.2 erläutert.

Etwa 320 m westnordwestlich traf die Bohrung B4 überaus mächtige quartäre Schotter bis in eine Tiefe von 35,4 m u. GOK (NN + 539,6 m) an (Anl. 4.2). Darunter schließen sich bis 40 m u. GOK glaziale Beckensedimente an. Das Schotterpaket wird durch zwei rd. 1 m bis 1,5 m mächtigen bindige Moräneneinschaltungen in rd. 12 m und 20,5 m u. GOK unterteilt. Der Pegel verfiltert lediglich die unterste Schotterabfolge zwischen 21,7 und 35,4 m u. GOK. Die Basis des Quartärs liegt tiefer als NN + 535 m.

Bei dem rd. 1,7 km nördlich im Bereich des Golfplatzes erbohrten quartärem Hauptaquifer handelt es sich gleichfalls um Vorstoßschotter der Würmeiszeit (Anl. 4.1). Die Schotterbasis (OSM) liegt dort in einer Höhe von rd. NN + 544 m, also rd. 10 m tiefer als im Brunnen III. Eine durchgehende Erstreckung des Schotterpakets vom Brunnen III bis zum Schotterfeld des Golfplatzes ist aus hydrogeologischen Gründen nicht anzunehmen. Wie im Kapitel 6.3 beschrieben, ist aufgrund des großen Potentialunterschieds der Grundwasserhöhen (rd. 10 m) eine direkte hydraulische Verbindung unwahrscheinlich. Es ist sehr wahrscheinlich, daß beide Aquifere durch einen vermuteten Tertiärrücken mit einer Scheitelhöhe von mindestens rd. NN + 564 - 567 m voneinander in zwei separate Rinnen getrennt sind (Anl. 4.1). Die Oberfläche des vermuteten Tertiärrückens ist in Anlage 2.1 als gestrichelte Linie dargestellt. Die Südwest-Nordost verlaufende Struktur im Bereich des Golfplatzes wird als "Schluifelder Rinne" bezeichnet. Sie besitzt nach Ergebnissen früherer Erkundungsmaßnahmen eine weitere Erstreckung nach Nordosten zur Gilchinger Schotterrinne. Die im Brunnenumfeld erkundete Rinne wird nach dem Flurnamen als "Pfeiferwinkel-Rinne" bezeichnet. Es ist zu vermuten, daß diese mit Vorstoßschottern aufgefüllte Rinne einst einen Abzweig zur Weßlinger Schotterrinne bildete.

Zwischen Mai 1998 und Ende August 1999 betrugen die Grundwasserstandsschwankung im genutzten Aquifer rd. 6 m (rd. NN + 563,5 m zu 569,5 m). Diese Differenz konnte in vergleichbarer Größenordnung in allen Pegeln festgestellt werden. Die Niedrig- und Hochwasserstände (11.09.98 bzw. 03.09.99) wurden in die geologischen Profilschnitte der Anlage 4 eingetragen. Das Jahr 1998 stellte das Ende einer mehrjährigen Periode mit sukzessiv fallenden Grundwasserständen dar. Diese Entwicklung war auch in anderen Teilen Bayerns zu verfolgen. Nach Angaben des Wassermeisters der Gemeinde wurden bisher keine vergleichbar niedrigen Brunnenwasserstände gemessen. Im Winter 98/99 und Frühjahr 99 kam es erstmalig infolge ergiebiger Niederschläge zu einer erheblichen Grundwasserneubildung, welche entstandene Defizite der vorangegangenen Trockenjahre nicht nur wieder ausglich, sondern die Grundwasserstände bis zum September 99 auf ein Hochwasserniveau anhob. Ein Diagramm der gemessenen Grundwasserstände ist in Anlage 5.2 dargestellt. Der größte im Beobachtungszeitraum gemessene Flurabstand im Brunnen III betrug 1998 etwa 19 m, im August 1999 lag er dagegen bei rd. 13 m.

6.2 Oberer Grundwasserleiter

Der genutzte quartäre Hauptgrundwasserleiter wird am Brunnen III durch eine geringdurchlässige Moränenschicht zwischen rd. 10 - 13 m unter Gelände von einem darüber liegenden oberen quartären Grundwasservorkommen getrennt (vgl. Anl. 4).

Zur Erkundung und Beobachtung des oberen Aquifers wurde der Pegel B6 errichtet. Der obere Grundwasserspiegel wies im September 1999 einen Flurabstand von rd. 8,5 - 9 m auf. Die freie Grundwasseroberfläche lag bei rd. NN + 574,3 - 574,9 m. Die Grundwassermächtigkeit beträgt rd. 2- 2,5 m. Über jahreszeitliche Wasserspiegeländerungen sind bisher keine Aussagen möglich, da der Pegel B6 erst im August 1999 erstellt wurde. Der obere Aquifer weist im Brunnenumfeld kiesige, leicht sandige Deckschichten auf. Den wasserführenden Kiesen kann gemäß ihrer Kornverteilung eine hohe Durchlässigkeit zugeordnet werden.

Im Bereich des Golfplatzes wurde in früheren Bohrungen (Anl. 4.1) über geringdurchlässigen Schichten (Moräne und Glazialtone) gleichfalls ein oberes Grundwasservorkommen festgestellt. Der ehemalige Brauchwasserbrunnen des Golfplatzes erschließt diesen Grundwasserleiter. Dieses steht mit dem Feuchtgebiet Schluifelder Moos in Verbindung.

Mit den Bohrungen B2 und B4 wurden sogenannte hydraulische Fenster erkundet, d.h. es wurde mit diesen Bohrungen keine geringdurchlässige Schicht festgestellt, die ein oberes Grundwasservorkommen trägt (vgl. Anl. 4.2). Dies legt nahe, daß das obere Grundwasserstockwerk keine flächendeckende Verbreitung hat. Stattdessen kann der obere Aquifer in Bereichen mit hydraulischen Fenstern in das tiefere quartäre Hauptgrundwasservorkommen aussickern und somit zu dessen Grundwasserneubildung beitragen. Infolge dieser hydraulischen Situation sind die Strömungsrichtungen im oberen Aquifer eher uneinheitlich und abhängig von der Lage solcher 'hydraulischer Fenster und den jeweilig herrschenden Grundwasserneubildungsverhältnissen. Es ist somit nicht davon auszugehen, daß der obere Aquifer ein weitreichenderes Einzugsgebiet besitzt, als der quartäre Hauptaquifer. Eine gesonderte Abgrenzung des Einzugsgebiets des oberen Aquifers in Form eines angekoppelten Grundwasserleiters wird somit nicht für erforderlich erachtet.

6.3 Strömungsverhältnisse

Von den durchgeführten Stichtagsmessungen wurde zur Ermittlung der Grundwasserfließrichtung der Niedrigwasserstand am 11.09.98 und ein Hochwasserstand am 03.09.99 ausgewählt. Die höchsten gemessenen Grundwasserstände traten zwar bereits am 25.08.99 auf (Werte rd. 0,1 - 0,15 m höher als am 03.09.99), jedoch lag zu diesem Zeitpunkt im Brunnen III noch ein Mischwasserspiegel vor, da die Sanierung erst am 01.09.99 abgeschlossen war. Somit wurden die Grundwasserhöhen nach der Sanierung am 03.09.99 noch einmal gemessen. Die niedrigsten Grundwasserstände wurden am 20.05.98 registriert. Damals war jedoch der Pegel B5 noch nicht errichtet, woraufhin der 11.09.98 als Stichtag (Werte rd. 0,5 m höher als am 20.05.98) gewählt wurde. In Anbetracht der Differenz von rd. 6 m zwischen Hochwasser- und Niedrigwasserständen, können die gewählten Stichtage mit maximaler Abweichung zwischen 0,1 und 0,5 m von den gemessenen niedrigsten und höchsten Grundwasserständen als hinreichend charakteristisch angesehen werden.

Aus den ermittelten Grundwasserhöhen wurde jeweils ein Grundwassergleichenlinienplan (Anl. 2.1) für das quartäre Hauptgrundwasserstockwerk bei Niedrigwasser (11.09.98) und Hochwasser (03.09.99) konstruiert. Da am 11.09.98 im Brunnen II infolge des bestehenden hydraulischen Kurzschlusses noch ein Mischwasserspiegel vorlag, blieb diese Wasserstandshöhe bei Ermittlung der Grundwasserfließrichtung unberücksichtigt.

Bei Niedrigwasserverhältnissen am 11.09.98 lagen die Grundwasserstände in den Pegeln B3, B4 und B5 zwischen NN + 563,75 m (B4) und 563,97 m (B5). Aus dem Grundwassergleichenlinienplan ist ein mit 0,05 % nach Westen gerichtetes Gefälle im Brunnenumfeld erkennbar. Die Südgrenze des Aquifers ist infolge des sich nach Süden heraushebenden tertiären Stauers einige hundert Meter südlich des Brunnens III zu vermuten. Bei der Bohrung B2 liegt die Staueroberkante in einer Höhe von rd. NN + 567 m und damit rd. 3 m über dem Grundwasserspiegel. Die Nordgrenze des Aquifers wird im Bereich des in Anlage 2.1 eingezeichneten "vermuteten Tertiär-Rückens" rd. 300- 400 m nördlich des Brunnens III liegen. Das geringe Grundwassergefälle bei Niedrigwasser ist sehr wahrscheinlich auf eine Verengung der vorhandenen Rinnenstruktur (sog. "Pfeiferwinkelrinne") nordwestlich des Brunnens III zurückzuführen. Diese Modellvorstellung erklärt auch den relativ große Potentialunterschied (rd. 10 m) zum Grundwasserspiegel in der "Schluifelder Rinne". Die oberstromige Erstreckung der "Pfeiferwinkel-Rinne" nach Osten endet an der quartären Grundwasserscheide. Diese liegt nach dem Gleichenlinienplan der Tertiäroberkante in einem Bereich von rd. 1.400 - 1.600 m östlich der Trinkwasserfassung (Anl. 2.1). Die Hauptgrundwasserscheide des Quartärgrundwassers zwischen Wörthsee- und Pilsenseetal folgt dem im Untergrund verborgenen Scheitelbereich der Tertiäroberkante zunächst einige hundert Meter nach Südsüdost bis westlich der Ortschaft Weßling. Von dort aus schwenkt der Scheitel des Hauptgrundwasserstauer der Erstreckung des Pilsen- und Wörthseetales folgend nach Südwesten.

Die Grundwasserstände vom 03.09.99 repräsentieren Hochwasserverhältnisse. Die Grundwasserstände lagen zwischen NN + 569,03 m (B4) und NN + 569,62 m (Br. III). Aus den konstruierten Grundwasserhöhengleichenlinien resultiert ein mit rd. 0,18 % nach Nordnordwest bis Nordwest gerichtetes Grundwassergefälle. Die im Gegensatz zu Niedrigwasserverhältnissen auftretende nördliche Fließkomponente ist durch ein Überströmen des die Schluifelder- und Pfeiferwinkel-Rinne trennenden Tertiär-Rückens erklärbar. Die Höhe des Scheitelbereichs der Tertiärschwelle kann anhand der nördlichen Gefällekomponente mit rd. NN + 564 -567 m abgeschätzt werden. Der Hauptzustrom zum Brunnen III bei Hochwasserstand erfolgt gemäß dem Grundwassergleichenplan aus südöstlicher Richtung. Bei den gegebenen Grundwasserhöhen kann in einer Entfernung von rd. 300 m oberstromig des Brunnens III (Bohrpunkt B2) noch eine Grundwassermächtigkeit von rd. 3 m abgeschätzt werden. Die oberstromige Begrenzung des Aquifers erfolgt durch die Hauptgrundwasserscheide, die etwa 900 bis 1100 m südöstlich der Fassung liegt. Der Zustrom aus Südosten ist vor allem unter Berücksichtigung des nach Nordwesten gerichteten Gefälles der Staueroberkante (OSM) plausibel. Bei hoher Grundwasserneubildung sammelt sich das einsickernde Niederschlagswasser auf der Staueroberkante und fließt gemäß der Stauermorphologie nach Nordwesten dem Erschließungsgebiet zu.

Für den Bereich der Golfanlage Wörthsee wurde im Auftrag des Eigentümers bereits eine Bestimmung der Grundwasserfließrichtung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in unserem Bericht vom 13.01.1998 (4) festgehalten. Der Grundwassergleichenplan für das Gebiet des Golfplatzes vom 07.01.98 wurde in die Anlage 2.1 übernommen. Die Grundwasserstände lagen an diesem Stichtag rd. 1 - 1,5 m über dem Niedrigwasserstand vom 11.09.98. Das Gefälle des Grundwassers in der sogenannten Schluifelder Rinne (Anl. 2.1) ist nach Nordnordost auf die Gilchinger Schotterrinne gerichtet.

Die unterschiedliche Fließrichtung im Brunnenumfeld (Pfeiferwinkel-Rinne) und im Bereich der Golfanlage (Schluifelder Rinne) ist durch eine hydraulische Trennung aufgrund dem dazwischen liegenden "vermuteten Tertiär-Rücken" begründet. Für das aus Richtung Südosten bis Osten von der Hauptgrundwasserscheide abströmende Grundwasser stellt dieser Tertiär-Rücken besonders bei niedrigen Grundwasserständen ein Hindernis dar, welches in der sogenannten Pfeiferwinkel-Rinne westlich umströmt wird. Das in der Pfeiferwinkel-Rinne bei Niedrigwasser herrschende geringe westliche Grundwassergefälle bei gleichzeitig hohem Potentialunterschied zur Schluifelder-Rinne läßt sich durch eine Verengung des Rinnenquerschnitts nordwestlich des Brunnens erklären.

Die Fließrichtung des Grundwassers im Brunnenumfeld ist bei Niedrigwasser nach Westen gerichtet. Es ist nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu klären, ob der in dieser Richtung in einer Entfernung von rd. 1 km gelegene Wörthsee mit einer mittleren Seewasserspiegelhöhe von NN + 560,4 m der Vorfluter ist oder in westlicher Richtung der Grundwasserstrom der Pfeiferwinkel-Rinne in den nordostwärts gerichteten Abstrom der Schluifelder Rinne einschwenkt. Die erste Annahme würde bedeuten, daß beide Bereiche des quartären Hauptaquifers hydraulisch völlig unabhängig voneinander bestehen. Die letztere Annahme würde bedeuten, daß der Brunnen III oberstromig der Schluifelder Rinne liegt. Unabhängig davon, welche der beiden Möglichkeiten zutrifft, kann jedoch ausgeschlossen werden, daß die Brauchwasserförderung im Bereich der Golfanlage die Trinkwasserförderung aus dem Brunnen III beeinflußt.

Die Grundwasserfließrichtung im oberen Stockwerk wurde bisher nicht erkundet. Anhand der bei den Pegelbohrungen zur Erschließung des Hauptaquifers angetroffenen hydraulischen Fenster zum Hauptaquifer ist von eher uneinheitlichen und wechselhaften Abstromverhältnissen auszugehen (vgl. Kap. 6.2).

6.4 Geohydraulische Kennwerte

Über den vom 24.10 - 29.10.1977 im Brunnen III durchgeführten Leistungspumpversuch liegen nur ungenaue Aufzeichnungen vor. So gibt es kein reguläres Pumpversuchsprotokoll oder -diagramm mit einer Registrierung der Absenkungs- und Wiederanstiegskurve.

Nach der Errichtung des Brunnens III wurde ein verhältnismäßig hoher Brunnenwasserspiegel (8,5 m bzw. 9,1 m u. GOK am 24.10.77) gemessen, der seitdem nicht mehr auftrat. Unter Berücksichtigung jahreszeitlicher Schwankungen wurden in den letzten Jahren allgemein Brunnen-Ruhewasserstände zwischen rd. 13 m und 16 m u. GOK gemessen. Es ist davon auszugehen, daß der Brunnenwasserspiegel nach Errichtung des Brunnens vor Aufnahme der Förderung (1977) infolge des entstandenen hydraulischen Kurzschlusses zum oberen Aquifer einen Mischwasserspiegel aufwies, der etwa im Niveau des oberen Grundwasserstockwerks (rd. 8 m bis 9,5 m u. GOK, vgl. Kap. 4.2.2 u. Anl. 7.1) lag. Dieser anfangs erhöhte Mischwasserspiegel ist jedoch nicht für die Hydraulik des erschlossenen unteren Aquifers maßgeblich und würde unter Ansatz als Ruhewasserspiegel zu unverhältnismäßig hohen Absenkungsbeträgen (Kap. 4.2.2) führen. Z.B. wurde in dem früheren Basisgutachten (5) für eine Entnahme von 15 l/s eine Absenkung von 10,10 m angegeben. Daß dieser Absenkungsbetrag nicht stimmen kann, verdeutlichen die Gangliniendiagramme des Brunnens III während des Betriebs im Mai 1998 bzw. im Oktober 1999 (Anl. 8.2). Aus den BetriebswasserspiegeIschwankungen wurden nämlich bei Förderungen von 14 l/s Absenkungsbeträge von rd. 2,8 m (bei NW: GW-Mächtigkeit 8,5 m) bzw. rd. 2 m (bei MW: GW-Mächtigkeit 12,1 m) konstruktiv abgeleitet. Die nicht vollständig stationären Absenkungskurven wurden hierbei graphisch fortgeführt, so daß die ermittelten Absenkungsbeträge den zu erwartenden stationären Absenkungsverhältnissen angenähert wurden. Die jeweiligen ermittelten Absenkungen von 2,8 bzw. 2 m wurden unter Berücksichtigung der jeweiligen Grundwassermächtigkeit (8,5 bzw. 12,1 m) für die Berechnung des Durchlässigkeitsbeiwerts des im Brunnen III erschlossenen quartären Hauptgrundwasserleiters verwendet (Anl. 8.3). Die angesetzten Absenkungsbeträge stellen somit eine genauere Grundlage zur Berechnung der Transmissivität dar, als es die aus dem Pumpversuch vom Oktober 1977 abgeleiteten Absenkungen sind und wurden daher für die Ermittlung der hydraulischen Parameter verwendet.

Aus den Aufzeichnungen der Betriebswasserspiegel des Brunnens III (Anl. 8.2) wurden demnach die Durchlässigkeitsbeiwerte des erschlossenen quartären Hauptgrundwasserleiters nach THIEM/DUPUIT errechnet. Analog hierzu wurden die Kurzpumpversuche (Anl. 8.1) in den Pegeln B3 - B5 ausgewertet. Die Datenblätter der Berechnung sind in Anlage 8.3 beigelegt.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Ergebnisse:
Meßstelle Durchlässigkeitsbeiwerte
 kf in [m/s]
B3 (ungespannt) 2,2 * 10-4
B4 (gespannt) 8,1 * 10-5
B5 (ungespannt) 1,1 * 10-4
Brunnen III (ungespannt) Mai 1998: 6,9 * 10-4
Okt. 1999: 5,8 * 10-4
Maximalwert 6,9* 10-4
Minimalwert 8,1 * 10-5
Mittelwert von Brunnen III 6,35 * 10-4

 

Die Durchlässigkeitsbeiwerte streuen zwischen minimal 8,1 * 10-5 m/s bei B4 und maximal 6,9 * 10-4 m/s bei Brunnen III. Allgemein ist festzustellen, daß bei den Kurzpumpversuchen (Dauer rd. 5 Std.) in den Pegeln deutlich geringere Durchlässigkeiten ermittelt wurden. Aufgrund des größeren Ausbaudurchmessers und der damit verbundenen gleichmäßigeren Anströmung sind die Werte aus dem Brunnen III als die zuverlässigeren anzusehen. Der mittlere Durchlässigkeitsbeiwert aus den beiden Berechnungen für den Brunnen III beträgt kf = 6,35 * 10-4 m/s. Für die weiteren hydraulischen Berechnungen wird ein gerundeter Durchlässigkeitsbeiwert von 6 * 10-4 m/s verwendet.

Das nutzbare Porenvolumen wird nach SAGER in Abhängigkeit von Kornverteilung und Durchlässigkeitsbeiwert ermittelt. Danach kann für sandige Kiese mit Durchlässigkeitsbeiwerten von 1 * 10-3 bis 8 * 10-3 m/s ein nutzbares Porenvolumen von durchschnittlich 20 % (nf = 0,2) angesetzt werden. Da die erschlossenen Kiese jedoch aufgrund sandiger und schluffiger Nebengemengteile etwas geringere Durchlässigkeiten aufweisen, kann ein etwas größeres nutzbares Porenvolumen von rd. 22 % (nf = 0,22) abgeschätzt werden, welches sonst eher für einen kiesigen Sand bis Grobsand charakteristisch wäre.

 

7. Zusammensetzung und Gestalt des Einzugsgebietes 

7.1 Zustrombereich

Der Zustrombereich zu dem Brunnen III wird durch den Kulminationspunkt und die Entnahmebreite definiert. Die Berechnung der Entnahmebreite und des Kulminationspunktes wurde anhand der Stichtagsmessung am 12.11.1999 festgestellten hydraulischen Verhältnisse durchgeführt. Die and diesem Tag gemessenen Grundwasserstände repräsentieren ungefähr ein Mittelwasserniveau.

Folgende hydraulische Parameter wurden zur Berechnung der Entnahmebreite und Entfernung des Kulminationspunktes angesetzt. Hierbei wurde gemäß den Hinweisen des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft die maximale Monatsentnahmemenge (max QMT) verwendet. Im Kapitel 4.1.2 wurde die maximale Monatsentnahmemenge aus Angaben der Gemeinde mit rd. 23.000 m³ (Mai 1999) ermittelt. Umgerechnet ergibt sich hieraus eine durchschnittliche Förderrate von rd. max QMT = 9 l/s
Hydraulische Parameter
Entnahmemenge max QMT: 9 l/s
Absenkung im Brunnen s: 1,07 m
Grundwassermächtigkeit H: 12,1 m
Durchlässigkeitsbeiwert Kf: 6 * 10-4 m/s
Natürliches Grundwassergefälle i: 0,0011
Durchflußwirksamer Hohlraumanteil nf: 0,22

 

Aus den o.g. hydraulischen Parametern errechnet sich folgende Breite des Zustrombereichs und Entfernung des Kulminationspunktes.
Berechnungsergebnisse
Breite des Zustrombereichs: B = 1130
Entfernung des Kulminationspunktes: Xu = 180 m

 

Der Kulminationspunkt, d.h. der Punkt von dem ab dem Brunnen von Unterstrom kein Wasser mehr zufließt, liegt 180 m unterstromig, d.h. je nach vorherrschender Anstromrichtung westlich bzw. nordwestlich des Brunnens.

Infolge von Dispersion und Inhomogenität des Aquifers ist ein Sicherheitszuschlag zu den dargestellten Randstromlinien erforderlich. In Anbetracht des Reliefs des Grundwasserstauers (OSM) und des gletschernahen Ablagerungsbereichs ist mit entsprechenden Inhomogenitäten des Grundwasserleiters zu rechnen. Die hieraus zusammen mit der Dispersion abgeschätzte Ablenkung eines Wasserteilchens von der festgestellten Grundwasserfließrichtung auf seinem Weg durch den Untergrund wird mit 12° abgeschätzt. Diese Ablenkung wurde als Sicherheitszuschlag ausgehend von den eingetragenen Randstromlinien (Anl. 2.2) eingetragen. Der Öffnungswinkel des Zustrombereichs inklusive Sicherheitszuschlag erreicht somit rd. 90°.

Da sich aus den unterschiedlichen Grundwasserständen deutlich verschiedene Anstromverhältnisse ergeben (vgl. Kap. 6.3), muß bei der Festlegung des Zustrombereichs den sich verändernden Fließrichtungen Rechnung getragen werden. Zur Berücksichtigung der zwischen NW und HW festgestellten Fließrichtungsvarianz (rd. 45°), wurde in Anlage 2.2 eine Zustromparabel bei westlichem Grundwassergefälle (NW) und eine weitere Zustromparabel für einen nordwestlich gerichteten Anstrom (HW) eingetragen. Die Hüllkurve beider Zustromparabeln umfaßt somit den gesamten Zustrombereich zum Brunnen III unter Berücksichtigung der festgestellten Fließrichtungsvarianz (Anl. 2.2). Für den Hochwasserfall stellt die berechnete Zustromparabel eine Abschätzung zur sicheren Seite dar, da die Berechnung der Randstromausdehnung für den Mittelwasserstand (größere Entnahmebreite) erfolgte. Die südwestliche Grenze des Zustrombereichs deckt sich hierbei sehr gut mit dem anhand der Stauermorphologie abzuschätzenden randlichen Zustrompfad. Bei Niedrigwasser fällt der Bereich südlich des Brunnens III (B2) nachweislich trocken. Der Grundwasserzustrom erfolgt dann entlang der Pfeiferwinkel-Rinne direkt aus Osten. Ein Ansatz der gemessenen hydraulischen Parameter bei Niedrigwasser würde zu Berechnungsergebnissen führen, welche die gegebenen Grenzen des Aquifers unberücksichtigt lassen würden und somit nicht plausibel wären. Daher wurde die für mittlere Wasserstände berechnete Zustromparabel angesetzt und entsprechend der westlichen Fließrichtung gedreht. Im Ergebnis ergibt sich ein dargestelltes Einzugsgebiet, welches als ein Kompromiß zwischen hydraulischer Berechnung und Berücksichtigung der gegebenen heterogenen hydrogeologischen Verhältnisse anzusehen ist.

Das Einzugsgebiet und damit die Randstromlinien des Brunnens III enden oberstromig an den Grundwasserscheiden. Die Grundwasserscheiden konnten, wie in Kapitel 6.3 beschrieben, gemäß dem Verlauf der Grundwasserstauermorphologie ungefähr festgelegt werden.

7.2 Berechnung der 50-Tage-Linie

Zur Berechnung des 50-Tage-Abstands wurde die maximale Monatsentnahmemenge (max QMT) von 9 l/s angesetzt. Ein zusätzlicher Ansatz der vertikalen Sickerzeiten in den Deckschichten (z.B. n. REHSE) erfolgt hierbei nicht.

Werte zur Berechnung der 50-Tage-Linie

 
Hydraulische Parameter
Entnahmemenge max QMT: 9 l/s
Absenkung im Brunnen s: 1,07 m
Grundwassermächtigkeit H: 12,1 m
Durchlässigkeitsbeiwert Kf: 6 * 10-4 m/s
Natürliches Grundwassergefälle i: 0,0011
Durchflußwirksamer Hohlraumanteil nf: 0,22

Aus den o.g. hydraulischen Parametern errechnen sich folgende Begrenzungen der 50-Tage-Linie
Abstandsgeschwindigkeit: Va = 0,26 m/d
50-Tage-Abstand unterstromig X5Ou = 57 m
50-Tage-Abstand seitlich: X50s = 64 m
50-Tage-Abstand oberstromig: X50o = 73 m

 

Der oberstromige 50-Tage-Abstand von den Brunnen ermittelt sich zu 73 m, der seitliche Abstand zu 64 m und die 50-Tage-Fließstrecke von Unterstrom zu 57 m. Für die beiden Anstromrichtungen aus Osten (NW) bzw. Südosten (HW) wurden die konstruierten 50-Tage-Abstände als Isochrone um den Brunnen III in die Anlage 2.2 eingetragen. Es zeigt sich, daß die 50-Tage-Isochronen nicht bis an die Randstromlinien reichen. Die Fließzeit von der Grenze des Einzugsgebiets bis zum Brunnen III liegt somit deutlich über 50 Tage.

7.3 Oberirdische Wasserscheiden und Zuspeisungsbereiche

Der Verlauf oberirdischer Wasserscheiden ist dann bei der Ermittlung des Einzugsgebiets von Bedeutung, wenn von Flächen außerhalb der definierten Randstromlinien ein oberirdischer Abfluß in den Bereich des unterirdischen Einzugsgebiets auftritt und dort versickern kann. Diese außerhalb gelegenen oberirdischen Einzugsgebiete sind dann dem Einzugsgebiet der Wasserfassung zuzuschlagen. Da jedoch im Einzugsgebiet des Brunnens III Niederschläge i.d.R. unmittelbar im Untergrund versickern und daher kein Entwässerungsnetz ausgebildet ist, kann das oberirdische und unterirdische Einzugsgebiet als nahezu deckungsgleich angesehen werden.

7.4 Grundwasserneubildungsraten und Bilanzkontrolle

Zur Ermittlung der Bilanzdeckungsfläche wurde die bewilligte maximale Jahresentnahme von 240.000 m³ angesetzt. Es errechnet sich gemäß der Grundwasserneubildung (vgl. Kap. 4.5) von 360 mm/a (11,5 l/s * km²) die Größe der Bilanzdeckungsfläche zu 0,8 km², wobei ein Erschließungsfaktor von 1,2 zugrunde gelegt ist. Die Bilanzdeckungsfläche von 0,8 km² wurde in den Zustromparabeln bei Niedrigwasser und Hochwasser in der Anlage 2.2 farbig markiert. Es ist zu erkennen, daß die bis zur oberstromigen Einzugsgebietsgrenze für die Grundwasserneubildung zur Verfügung stehenden Flächen innerhalb der Zustromparabeln jeweils größer als 0,8 km² sind. Somit ist durch die festgestellte Einzugsgebietsgröße eine entsprechende Jahresförderung von 240.000 m³ aus dem Brunnen III unter dem Aspekt eines ausgeglichenen Grundwasserhaushaltes gesichert.

7.5 Abgrenzung der Schutzzonen

Die bestehenden Schutzgebietsgrenzen sind zusammen mit den vorgeschlagenen Schutzzonen W I - W III in der Anlage 2.2 eingetragen. Die Anlage 3 enthält lediglich die Lage der Förderbrunnens sowie die vorgeschlagenen Schutzgebietsgrenzen.

7.5.1 Fassungsbereich

Der Fassungsbereich (Schutzzone W I) der Trinkwasserversorgungsanlage ist nach den vorliegenden Unterlagen als etwa Südost - Nordwest ausgerichtete rechteckige Fläche mit Kantenlängen von 25 * 25 m ausgewiesen. Der Brunnen III liegt etwa im Zentrum der eingezäunten Fläche.

Die nach den derzeit geltenden Richtlinien für Trinkwasserschutzgebiete (Fassung vom Februar 1995) einzuhaltende allseitige Ausdehnung der Zone I von mindestens 10 m um die Brunnen ist erfüllt. Die Schutzzone I ist damit ausreichend dimensioniert und wurde unverändert in die Anlage 2.2 und 3 mit dem Vorschlag für die Schutzgebietsausweisung übernommen.

7.5.2 Engere Schutzzone

Die Engere Schutzzone (W II) wird üblicherweise nach der 50-Tage-Linie bemessen, da innerhalb dieser Fließzeit erfahrungsgemäß pathogene Keime im Grundwasser abgestorben sind. Die Berechnung des 50-Tage-Abstands ist in Kapitel 7.2 erläutert. Für die beiden extremen Zustromrichtungen bei Niedrigwasser bzw. Hochwasser wurde jeweils eine eigene 50-Tage-Linie konstruiert.

Die Untersuchung konnte zeigen, daß die bestehenden Grenzen der Schutzzone II hinsichtlich der 50-Tage-Linie mehr als ausreichend bemessen sind. Die 50-Tage-Linie hat einen Abstand zwischen 57 m (unterstromig) und 73 m (oberstromig) vom Förderbrunnen. Eine zusätzliche Sicherheit besteht durch die im Brunnenumfeld vorhandene hydraulische Trennung zwischen oberem und unteren Aquifer (Kap. 6.1 und 6.2). Vertikalen Sickerzeiten wurden nämlich bei der Ermittlung der 50-Tage-Linie nicht angesetzt. Gemäß der in Anlage 2.2 eingezeichneten Grenze schlagen wir in eine Verkleinerung der bestehenden Schutzzone II entsprechend der ermittelten 50-Tage-Abstände vor. Die vorgeschlagene Grenzziehung führt zu einer Reduzierung des oberstromigen Abstands der Grenze der Engeren Schutzzone II vom Brunnen von rd. 240 auf nur noch rd. 100 m.

7.5.3 Weitere Schutzzone

Die Weitere Schutzzone (W III) umfaßt laut Definition das gesamte unterirdische Einzugsgebiet einer Trinkwasserfassungsanlage. Es soll den erschlossenen Grundwasserstrom vor allem vor nicht oder nur schwer abbaubaren Verunreinigungen schützen, die bei Unfällen oder unsachgemäßem Umgang mit wassergefährdenden Stoffen auftreten können. Durch die Auflagen des Schutzgebietskatalogs soll demnach die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mit wassergefährdenden Stoffen innerhalb der Schutzzone III minimiert werden.

Die bestehende Weitere Schutzzone III endet bereits rd. 500 m (direkt nördlich der S-Bahnlinie München - Herrsching) oberstromig der Brunnen (Anl. 2.2). Die Ausweisung einer Schutzzone III über die bestehende Weitere Schutzzone III hinaus nach Süden und Osten auf die gesamte Fläche des Einzugsgebiets ist aus wasserwirtschaftlicher Sicht zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserqualität unumgänglich. Das bestehende Schutzgebiet umfaßt nur einen kleinen Teil des ermittelten Einzugsgebiets. Dies belegen u.a. die im Brunnen festgestellten Spuren von Pflanzenschutzmitteln, die nur von Einträgen in den entfernten landwirtschaftlich genutzten Bereichen des Einzugsgebiets stammen können. Wie die hydrochemischen Untersuchungsreihen zeigen, ist das obere und untere Grundwasserstockwerk im gleichen Maße zu schützen, da oberstromig des Brunnens Verunreinigungen aus dem oberen Stockwerk mittelfristig in den Hauptaquifer gelangen können. Die notwendige Steuerung der künftigen Entwicklung der Flächennutzung im Einzugsgebiet des Trinkwasserbrunnens ist erfahrungsgemäß nur für Flächen möglich, die einen rechtlich geschützten Status als Schutzzone aufweisen.

Im vorliegenden Fall ist die oberstromige Begrenzung des Einzugsgebiets infolge der Kenntnis über die Lage der quartären Hauptgrundwasserscheide relativ genau bekannt (Kap. 6.3).

Das Einzugsgebiet und damit die Weitere Schutzzone III endet rd. 1 km südlich bis 1,6 km östlich des Trinkwasserbrunnens (Anl. 2.2). Eine Unterteilung der Weiteren Schutzzone in eine Zone III A und III B (DVWK- Schriften, Heft 58/1 1982 und den Informationsberichten des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft Heft 2/1983 und Heft 5/1985) ist aufgrund der relativ geringen Erstreckung des Einzugsgebiets nicht erforderlich.

Der vorgeschlagene Grenzverlauf der Weiteren Schutzzone III orientiert sich eng an den ermittelten Einzugsgebietsgrenzen. Es wurden i.d.R. die nächstgelegenen Grenzsteine außerhalb des Einzugsgebiets für die Grenzziehung der weiteren Schutzzone III verwendet. Eine Orientierung entlang von Flurstücksgrenzen würde zwar in landwirtschaftlich genutzten Flächen das Auffinden der Grenzen im Gelände erleichtern, hätte jedoch eine größere Beanspruchung von privatem Grundbesitz zur Folge.

8. Zusammenfassende Bewertung und weitere Vorgehensweise

8.1 Bewertung der Belastungsempfindlichkeit und des Gefährdungspotentials

Im Einzugsgebiet der Brunnen stehen meist kiesige Deckschichten unter geringmächtigen Oberböden an. Als positiv in hinsichtlich des Schadstoffrückhaltevermögens ist der relativ große Flurabstand von rd. 13 bis 20 m sowie die im Brunnenumfeld erkundete hydraulisch wirksame natürliche geringdurchlässige Trennschicht zwischen rd. 10- 14 m unter Gelände zu bewerten. Die Trennschicht unterteilt das quartäre Grundwasser in einen oberen und einen unteren Aquifer. Die erkundeten hydrogeologischen Verhältnisse erklären auch die seit Jahren nachgewiesene gute Qualität des geförderten Trinkwassers. Es gab bisher keine bakteriologische Beanstandung. Vereinzelt nachgewiesene Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Kap. 4.6), die unter den Grenzwerten der TVO lagen, sind eher durch Einträge im weiteren Einzugsgebiet erklärbar, wo die hydraulische Trennschicht u.U. nicht mehr vorhanden ist. Die flächenanteilig geringe landwirtschaftliche Nutzung des Einzugsgebiets spiegelt sich vor allem im geringen Nitratgehalt wieder. Die Nitratwerte liegen in allen Meßstellen unter dem EG-Richtwert von 25 mg/l.

Mögliche Gefährdungspotentiale für genutzte Grundwasservorkommen stellen im allgemeinen Straßen, Bahnlinien, bebaute Flächen, landwirtschaftliche Nutzungen und Betriebe, Gewerbeflächen sowie Abbaugruben und Altlasten dar.

Der größte Teil des näheren Einzugsgebiets besteht aus bewaldeten Flächen, Von diesen sind, vor allem da es sich um überwiegend Mischwald handelt, keine Beeinträchtigungen für das Grundwasser zu erkennen. Die unterstromig (nordwestlich) der Wasserfassung gelegenen Grünlandflächen sollten gemäß des Schutzgebietsvorschlags bis zu einer Entfernung von rd. 200 m in das Schutzgebiet einbezogen werden, da von Ihnen bei intensiver Bewirtschaftung (Düngung, Umbruch o.ä.) nachteilige Veränderungen für die Trinkwasserversorgung ausgehen können.

Nutzflächen mit Ackerbau liegen vor allem in entfernten Bereichen des Einzugsgebiets, wie jenseits der S-Bahnlinie München-Herrsching auf Seefelder Gemeindeflur und westlich der Ortschaft Weßling. In diesen Gebieten muß vor allem die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und der Einsatz von Düngemitteln entsprechend den Auflagen des Maßnahmenkatalogs der Schutzgebietsverordnung geregelt werden.

Etwa 1.300 m östlich des Brunnens befindet sich innerhalb der vorgeschlagenen weiteren Schutzzone III auf den Flurnummern 491 - 494, Gemarkung Weßling, ein landwirtschaftlicher Betrieb, der vor kurzem dorthin ausgesiedelt wurde. Zu dem Gehöft gehört eine Fahrzeughalle mit Tief- und Hochsilos sowie ein Freilaufstall für 68 Kühe. Nördlich des Stalls befindet sich eine Gärkammer für eine Biogasanlage. Ein geplantes Wohnhaus mit Garagenteil wurde bisher nicht errichtet. Der bestehende landwirtschaftliche Betrieb mit Viehhaltung erfüllt, soweit die Abwasser- und Entmistungsanlagen dem "Katalog wasserwirtschaftlicher Anforderungen an Anlagen zum Lagern und Abfüllen von Jauche, Gülle, Festmist, Silagesickersäften" (Anforderungskatalog JSG-Anlagen) der obersten Baubehörde entsprechen, die Anforderungen des § 3 der Schutzgebietsverordnung (s. Wasserrechtsantrag, Anl. 5). Beeinträchtigungen der Wasserversorgung sind, eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung vorausgesetzt, nicht zu befürchten. Es sind jedoch bei Neuerrichtung von Gebäuden oder Erweiterung bestehender Anlagen die Auflagen zur Versickerung des von Dachflächen abfließenden Wassers zu beachten. Eine Versickerung von Abwasser ist nicht zulässig.

Die geplante Trasse der Umfahrung von Weßling (St 2068) reicht von Osten bis rd. 600 m an die Trinkwasserversorgung heran (Anl. 2.2). Sie quert die vorgeschlagene Weitere Schutzzone III auf einer Länge von 1,2 km in Nordwest-Südost-Richtung. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen im Erschließungsgebiet günstige Untergrundverhältnisse (DVGW-Richtlinie 101) vor. Demnach werden nach RiStWag (Richtlinien für bautechnische Maßnahmen an Straßen in Wassergewinnungsgebieten) keine besondere Auflagen beim Straßenbau gefordert. Die Versickerung der von der Straße abfließenden Oberflächenwässer kann breitflächig über die Straßenböschungen erfolgen. Innerhalb der Schutzgebietsgrenzen sollten jedoch allgemein Straßeneinschnitte vermieden werden. Im Bereich der Kreuzung von Umfahrungstrasse und S-Bahnlinie ist eine Unterführung geplant. Eine Erkundungsbohrung der Straßenbauverwaltung belegt hier, daß in ca. 10 m unter Gelände, vergleichbar wie im Brunnenumfeld, eine geringdurchlässige Schluffschicht vorhanden ist, die ein oberes Grundwasservorkommen trägt. Da die stauende Schicht durch die Unterführung nicht beeinträchtigt wird (max. rd. 7 m u. GOK), lägen auch nach Auskofferung der Deckschichten im Straßeneinschnitt noch günstige Untergrundverhältnisse vor. Jedoch sollte das im Straßeneinschnitt anfallende Niederschlagswasser gesammelt, gefördert und außerhalb des Einschnitts flächig versickert werden.

Eine bereits bestehende Wegunterführung unter der S-Bahnlinie rd. 600 m südsüdöstlich des Brunnens III liegt in der weiteren Schutzzone III. Trotz des in der Unterführung vorhandenen Sickerschachts für Oberflächenwasser kann jedoch eine Gefährdung des Grundwassers weitgehend ausgeschlossen werden, da die Nutzung des Wegs für Fußgänger und Radfahrer beschränkt ist.

Bebaute Flächen, wie Wohngebiete in den Ortschaften Steinebach und Weßling liegen außerhalb des Einzugsgebiets des Brunnens III (Anf. 2.2). Ein geplantes Neubaugebiet mit zwei Grundstücken nördlich der Kuckucksheimstraße liegt noch außerhalb des vorgeschlagenen Schutzgebiets. Eine Erweiterung des Baugebiets ist von der Gemeinde nicht vorgesehen.

Die S-Bahnlinie München-Herrsching (S7) quert die vorgeschlagene weitere Schutzzone auf einer Länge von rd. 1,7 km. Die geringste südliche Entfernung vom Brunnen III beträgt 500 m. Da die Bahnlinie lediglich dem Personenverkehr dient und keine Bahnübergänge, Stellwerke, Weichen o.ä. potentielle Gefahrenstellen bestehen, kann das vom S-Bahnverkehr ausgehende Gefährdungspotential für das genutzte Grundwasservorkommen als relativ gering eingestuft werden.

Jenseits der S-Bahnlinie München-Herrsching, etwa 700 m südlich der Fassung befinden sich Kiesabbaugruben (Anl. 2.2). Da Kiesabbau immer eine Verringerung der Deckschichtmächtigkeit zur Folge hat und durch den Abbaubetrieb Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen (Hydrauliköl, Treibstoff) nicht auszuschließen sind, sollte durch den Vorhabensträger eine Einsichtnahme in den Genehmigungsbescheid angestrebt werden. Aus dem bewilligten Abbauzeitraum und den geforderten Auflagen können dann mögliche Nutzungskonflikte erkannt werden.

Etwa 500 m nordwestlich des Brunnens existiert eine bereits erkundete Altlastenverdachtsfläche. Da diese unterstromig außerhalb des Einzugsgebiets liegt, kann eine Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung ausgeschlossen werden. Weitere Altlastenverdachtsflächen sind im Einzugsgebiet nicht bekannt.

8.2 Bewertung des bestehenden Schutzgebiets

Infolge der günstigen Untergrundverhältnisse im Einzugsgebiet sowie der geringen landwirtschaftlichen Nutzung kann das genutzte Grundwasservorkommen als relativ unbelastet und qualitativ einwandfrei beurteilt werden. Dennoch zeigen Einflüsse aus der Landwirtschaft, daß die bestehenden Schutzzonen keinen ausreichenden Schutz gegen mögliche schwer abbaubare Verunreinigungen innerhalb des Einzugsgebiets bieten.

Die bestehenden Schutzgebiete gliedern sich flächenmäßig folgendermaßen auf:
Fassungsbereich W I 0,06 ha
Engere Schutzzone W II 9,2 ha
Weitere Schutzzone W III 21,6 ha
Gesamtfläche der Schutzgebiete I- III 30,9 ha

 

Es sollte durch eine Neuausweisung der vorgeschlagenen Schutzzonen eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, mittel- bis langfristig bestehende und geplante Gefährdungspotentiale im weiteren Einzugsgebiet der Wasserversorgung zu minimieren.

8.3 Bewertung der ermittelten Einzugsgebietsgrenzen

Die auf Grundlage der neu ermittelten Kennwerte durchgeführten hydraulischen Berechnungen (50-Tage-Linie) belegen, daß die bestehende Engere Schutzzone III überdimensioniert ist und entsprechend verkleinert werden kann. Innerhalb der vorgeschlagenen Schutzzone II wird der genutzte Aquifer zusätzlich durch eine geringdurchlässige Deckschicht abgeschirmt.

Durch die festgestellte Variabilität der Grundwasserfließrichtung ergibt sich eine von Süden nach Osten weit geöffnete Zustromparabel. Aufgrund der relativ nahe gelegenen Grundwasserscheide reicht das Einzugsgebiet jedoch gerade 1 bis 1,6 km oberstromig der Wasserfassung. Hieraus resultiert ein vergleichsweise gut abgrenzbares Einzugsgebiet, welches nur geringe Gefährdungspotentiale aufweist.

Die vorgeschlagenen Schutzgebiete gliedern sich flächenmäßig folgendermaßen auf:

 
Fassungsbereich W I 0,06 ha
Engere Schutzzone W II 2,7 ha
Weitere Schutzzone W III 195,2 ha
Gesamtfläche der Schutzgebiete I- III 198 ha

 

8.4 Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise

Wir empfehlen, einen Antrag auf Änderung der bestehenden Schutzgebietsgrenzen auf fachlicher Grundlage dieser Einzugsgebietsermittlung beim zuständigen Landratsamt einzureichen. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Änderungen der Schutzgebietsgrenzen soll baldmöglichst eine rechtliche Grundlage zur besseren Schützbarkeit des erkundeten Einzugsgebiets schaffen. Im Hinblick auf den Trassenverlauf der geplanten Staatsstraße 2068 sollte darauf hingewirkt werden, daß die Planung im Einklang mit den RiStWag-Anforderungen steht. In diesem Zusammenhang sollten die Untergrundverhältnisse entlang der geplanten Straßentrasse durch weitere Untersuchungen geklärt werden.

Eching am Ammersee, den 09.06.2000

Dr. BLASY + MADER
BERATENDE INGENIEURE

i.V. G. Nemeth
(Dipl.-Geologe)

 

Geprüft!
Der amtliche Sachverständige im wasserrechtlichen Verfahren.
München, den 17.08.2000
Wasserwirtschaftsamt

i.A. F. Wolf
(Dipl.-Geologe )

 

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