WörthseeWasserwirtschaftsamt

Hier lesen Sie die 

Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes

zum Raumordnungsverfahren

 

Punkte, die unserer Meinung nach Beachtung verdienen, sind folgende:

  1. Das Straßenbauamt geht bzgl. des Trinkwasserschutzes von günstigen Untergrundverhältnissen aus. Tatsächlich liegen aber keine hinreichend genauen Kenntnisse vor!!
  2. Es sind im Gegenteil ungünstige Untergrundverhältnisse zu erwarten.
  3. Wie im gesamten Trassenbereich mit Niederschlagswasser zu verfahren ist, muss erst noch durch Aufschlüsse (also teure Probebohrungen) belegt werden.
  4. Eine Versickerung des Niederschlagswassers im Bereich der Unterführung ist nicht hinnehmbar.
  5. Der Schutz des Trinkwassers im Bereich der Unterführung ist durch geeignete Aufschlußbohrungen nachzuweisen.

 

Wasserwirtschaftsamt  München
Praterinsel2
80538 München


22. März 2000

Staatsstraße 2068, Herrsching- A 96
Umgehung Weßling
Wasserschutzgebiet Brunnen III der Gemeinde Wörthsee

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Straßenbauamt München plant westlich von Weßling eine direkte Anbindung der St 2068 an die BAB A 96 unter Umgehung von Weßling. Die vorgesehen Trasse quert die weitere Schutzzone des für den Brunnen III der Gemeinde Wörthsee vorgeschlagenen Schutzgebietes. Wir beziehen uns dabei auf die uns zur fachlichen Vorabstimmung vorliegende Ausarbeitung des Ing.-Büros Dr. Blasy + Mader vom 17.01.2000 zur Neuausweisung des Schutzgebietes von Brunnen III Wörthsee.

Bei der bisherigen Planung ging das Straßenbauamt davon aus, dass entlang der Trasse günstige Untergrundverhältnisse vorliegen. Aus diesem Grund seien als einzige Anforderung an den Trinkwasserschutz lediglich eine Trassenführung über Gelände mit breitflächiger Versickerung über die bewachsene Bodenzone zu berücksichtigen.

In Ermangelung eines konkreten Schutzgebietsvorschlags ging das Straßenbauamt bislang davon aus, dass der Kreuzungspunkt mit der Bahnlinie München - Herrsching nicht im Schutzgebiet zu liegen kommt.

Aus landschaftsgestalterischen Gründen wurde deshalb eine Unterführung der Staatsstraße im Bereich der Bahnlinie geplant.

Generelle Anforderungen aufgrund der Lage im Wasserschutzgebiet

Die generellen Anforderungen an die bauliche Gestaltung der Straße richten sich nach den RiStWag. Dabei ist die Beseitigung des Niederschlagswassers ein wesentlicher aber nicht der einzige Punkt, den es zu beachten gilt.

Grundsätzlich ist das von der Straße abfließende Niederschlagswasser zu sammeln und über dichte Rohrleitungen mit flexiblen Verbindungen oder über abgedichtete Rinnen aus dem Wasserschutzgebiet auszuleiten. Lediglich bei günstigen Untergrundverhältnissen (vgl. RiStWag S. 1 Fußnote 1) ist es zulässig, das anfallende Niederschlagswasser ungesammelt breitflächig über Seitenstreifen und Böschungen abfließen zu lassen.

Hinreichend genaue Kenntnisse bezüglich der Untergrundverhältnisse im Bereich der Trasse liegen uns nicht vor. Die Profile der am nächsten gelegenen Bohrungen, die von der Gemeinde Wörthsee für die Einzugsgebietsermittlung abgeteuft wurden, sind aufgrund ihrer Entfernung von etwa 450 m (B5) bzw. 650 m (B2) nicht ohne weiteres auf den Trassenbereich übertragbar. Abgesehen davon legt die fast durchwegs kiesige Ausbildung der quartären Schichten bei B2 die Einstufung "günstige Untergrundverhältnisse" nicht unbedingt nahe. Falls man davon absehen will, das Niederschlagswasser auszuleiten, müsste durch entsprechende Aufschlüsse belegt werden, dass tatsächlich günstige Untergrundverhältnisse vorliegen.

Die Trassenführung über Gelände ist im Hinblick auf den Trinkwasserschutz zu begrüßen und sollte generell angestrebt werden. Als Schüttmaterial zum Ausgleich des Geländeverlaufs darf jedoch nur Material verwendet werden, das aufgrund seiner Herkunft nachweislich keine schädlichen oder problematischen Stoffe enthält.

Kreuzung Staatsstraße - Bahnlinie

Grundsätzlich ist einer Lösung ohne größeren Eingriff in die Grundwasserüberdeckung der Vorrang einzuräumen. In die Entscheidung, ob die geplante Unterführung im Hinblick auf den Trinkwasserschutz hingenommen werden kann, ist folgendes einzubeziehen:

Verbleibende Grundwasserüberdeckung

Die Geländehöhe liegt im Kreuzungspunkt bei 592,60 m ü. NN. Die Gradiente im Tiefpunkt der Unterführung wird mit 585,12 m ü. NN angegeben. Extrapoliert man den Grundwasserspiegel des Brunnens (Wsp. vom 03.09.1999) mit einem angenommenen Grundwassergefälle von 0,2 % nach Oberstrom bis in den Kreuzungsbereich, so erhält man eine Grundwasserhöhe von etwa 571 m ü. NN. Danach würde unter Berücksichtigung der für den Bau der Unterführung erforderlichen Abgrabung eine Grundwasserüberdeckung von etwa 14 m verbleiben.

Beschaffenheit der Grundwasserüberdeckung

Neben der verbleibenden Restmächtigkeit der Grundwasserüberdeckung ist jedoch auch die Art der Deckschichten zu beurteilen. Nicht vertretbar wäre beispielsweise, wenn gut schützende bindige Deckschichten entfernt würden und die verbleibende Grundwasserüberdeckung nur aus hochdurchlässigem Kies bestehen würde.

Gefährdung im Betrieb

Des weiteren ist die Gefahrdung durch den Betrieb der Straße zu werten. Die Unfallgefahr ist wohl bei einer Überführung der Bahnstrecke tendenziell etwas größer als, wenn die Straße unter der Bahn hindurch geführt würde.

Niederschlagswasserbeseitigung

Wesentlicher Nachteil der Unterführungslösung ist, dass das sich im Tiefpunkt des Unterführungsbauwerks sammelnde Niederschlagswasser vermutlich nicht im freien Gefälle ausgeleitet werden kann. Eine Versickerung des Wassers über einen Schacht ist im Hinblick auf die Erfordernisse des Trinkwasserschutzes nicht hinnehmbar.

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte könnte man aus wasserwirtschaftlicher Sicht den Bau einer Unterführung ins Auge fassen, wenn folgende Randbedingungen erfüllt sind:

  • Durch geeignete Aufschlußbohrungen wird nachgewiesen, dass die Restmächtigkeit der Grundwasserüberdeckung für einen umfassenden Schutz des Grund- bzw. Trinkwassers ausreicht.

  • Es werden keine gutschützenden, bindigen Deckschichten entfernt, bzw. die Beschaffenheit der verbleibenden Überdeckung ist so geartet, dass dies unerheblich ist.

  • Der Einschnitt wird gemäß den Maßgaben der RiStWag gesichert.

  • Das anfallende Niederschlagswasser wird gesammelt und aus dem Schutzgebiet ausgeleitet.

Anmerkung

Eine Änderung des Schutzgebietsvorschlags dahingehend, dass der Kreuzungsbereich außerhalb des Schutzgebietes zu liegen kommt, ist aus fachlicher Sicht nicht vertretbar.

Die Gemeinden Wörthsee und Weßling erhalten Abdruck dieses Schreibens.

Mit freundlichen Grüßen I.A.

gez.

Schramm
BOR

 

Startseite ] übergeordnete Seite ]